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Schatten der lange Winter unfern Strom zu stehendem Eis härtete'). In jenen Wäldern von Eichen, Buchen, Eibendäumen, Hasclnußsträuchcn :c. wohnten der Ur oder Aucrochs, das Elcnn - und das Nennthier ^). Auch jetzt sind unsere schön gewölbten Berge mit Laubgcbüsch, mit Buchen, Eichen und Nadelhölzern bekleidet; an ihrem Fuße aber breitet sich mcilcnwcites Ackerland aus; der Rhein wird nur selten noch durch Eis verschlossen; in den letzten Tagen des Hornungs athmcn wir in manchen Jahren schon Frühlingslust; im Frühlingsmonde blühen die Aprikosen -, Pfirsich - und Mandelbäume; im Ostermonat wird der Gartenbau vollbracht; im Mai haben wir Zuckererbsen, im Brachmonat duftet die Weinblüthe, reifen Beeren und Kirschen ; der Heumonat zeitigt Birnen und Gctraide; der Erntemonat erquickt uns mit Aprikosen, Mirabellen, Reine-Claude«, der Herbstmond giebt das spätere Obst; der Wcinmond beschließt den mildhcitern Herbst, und die Wintcrmonde bereiten auch in den strengsten Tagen selten eine Schlittenbahn.
Die Reize dieser Landschaft lachen von allen Seiten in die geraden breiten Straßen Neuwieds herein, und ringsumher sehen wir aus unsern Wohnungen freundliche Ortschaften: südöstlich auf schroffer Felscnhöhe die Beste Ehrenbreitstcin, östlicher herwärts in der Ebene verbirgt sich Bendorf in seinem Obsthain; weiter nach Morgen ragt auf einem Vorsprunge des Gcbirgs die alte verfallene Sa« nbürg zwischen zwei Thälcrn hervor, in deren südlichem die Bröchse an der ehemaligen Abtei Sayn, und dem Orte gleiches Namens vorbei, in den aus dem östlichen Thale kommenden Saynbach fließt. An dem nordwärts fortlaufenden Gcbirgsrande folgen die Dörfer Weiß, He im dach, von Odstpflanzungcn umgeben, die vormalige Abtei Nomers dorf, das Dorf Gladbach in bcmmreichcr Flur, hinter der steilen Altcck (vormals Waldeck genannt) nach Norden die hohe verwitterte Burg Braun sberg, Rengsdorf und Melsbach, auf west- lichcrstreichendcr Höhe das Wicdische Lustschloß Mon^rcpos; und der Hahn Hof, am rechten Rheinufcr oberhalb Neuwied Engers mit seinem wcitschimmcrndcn Schlosse und Mühlhofen, nordwärts eine Viertelstunde von unserer Stadt, Heddesdorf, an der Wied, welche weiter zurück in ihrem viclgewundenen Gebirgthal unter den Stammvcsten des Wiedischen Grafengeschlcchts, dann unweit des Dorfs Niederb leib er und an dem anmuthigcn Hofe Nothhausen vorbcirauscht; unter ihrer Mündung am Rhein liegt das Dorf Irrlich; weiter am Rhein hinab an Ncbcngeländcn ziert die Gegend, auch in seinen Trümmern noch, das Schloß Friedlichstein, das Dorf Fahr, und über diesem in Weingärten und fruchtbarer Hochebene, Fcldkirchen, mit den Dörfern Wollendorf, Gönnersdorf, Hüllenberg und dem Hofe Windhausen. Wo die Gebirgkctte nordwestlich den Strom wieder einengt, streckt am linken Ufer das alterthüm- lich dunkle Andernach seine Thürme empor; an jenem Ufer herauf leuchtet das Fraucnkloster Sanct Thomas, jetzt mit dem weißen Windmühlenthurme einer bedeutenden Lohgerbern; dann an dem Ausflusse der Nette ein Gut mit Mühlwerken; weiter am Rheine jenseits hinauf, erhebt sich ein altfränkischer Wart- thurm schräg gegen Neuwied über, man nennt ihn den weißen Thurm, an dem glcichbcnanntcn Dorfe, und eine Dcnkpyramidc des General Hoche. Längs dem Fuße des Bubenbcrgs gegen Koblenz hin ruhen die obstreichen Dörfer Kettig, Knrlich, Mülheim, und nahe am Rhein Kaltenengers, Urmütz, Sebastianengers, und Kessel heim. Diesseits führt von Ehrenbreitstein her eine schöne Dammstraße durch Neuwied, wo sie eine andere, die von dem Westerwaloe, über Dicrdorf, und von der Altcck hernieder steigt, aufnimmt, und theils über die Wied, an dem rechten Rheinufer hinab, thcils mittelst einer fliegenden Brücke auf die Heerstraße längs dem linken Rheinufer hinüber leitet. Dort zieht Freunde der Natur und frommer Vorzeit besonders die erloschene Abtei Laach, an dem Laacher See, jenseits der vulkanischen Berge bei Andernach hin. Dort überrascht mitten in einsamen Verbergen der Eise! zwischen den waldigen Höhen des Hilpcrich, des Marienköpfchcns, des Niclasbergcs und anderer, ein länglich-runder Wasserspiegel von mehr als dreizehnhundert Morgen, in früheren Zeiten von noch größerer Ausdehnung, ehe der gegenwärtige Wic- scnsaum sich über ihn erhob; der Seekesscl, sechshundert und sechzig Fuß über dem Rheine, füllt sich aus un-
1) viollor. 8ic. V., 25. seneca 6s proviä. IV. «eil. QuII. I.. VI., 23, 25. 26.
2) lul. Oaes. VI., 31. ?Iin. XXXI. 40.
3) lul, C3L5.
