MW
l/^M
9 v. Chl
die Ruschcider Wiese, wo ein behaucner Felsen noch die alte Burg heißt, und über die Weck bei Anhäufen, über Grcnzhausen, Ems an der Lahn, und ferner über den Taunus, einen noch jetzt sichtbaren, in unser« Gebirgen dreifachen, Wall, aus Pfählen und Flechtwcrk, an verschiedenen Orten auf Mauern ruhend, zwischen Gräben, daher Pfahlgrabcn (Pohlgraben, I^ime« Nomauu«, lac. I. 50 H,nn,) genannt, auswerfen. Die alten Namen von Landstücken bei Rengsdorf, Sevcrin, Licin, Todtcnkricger, Völkcrwicse, Spitäler, bezieht man auch auf diese Nömerzeit. Manche Aufwürfe und Gräben möchten zwar auch aus späterer Zeit von Teutschcn, unter dem auch hier, wie anderwärts, noch gewöhnlichen Namen „Rennwcge", theils zur Abwehr, thcils zu Abgränzungen gemacht worden scyn, wie die Umwallung des Dorfs Asbach und andere Verschan: zungcn in der Gegend um Ober-Altwicd ^); aus vielen in unserer Nähe aber haben Ausgrabungen die Römerarbeit bezeugt. Das große Beginnen setzten spätere Römische Kaiser fort. Daß auch auf dem Felsen Ehrcnbreitstein von Drusus schon ein Castcll erbaut worden sey, ist nicht erweislich -»). Von diesen ungeheueren Vcrschanzungen aus sollte Teutschland unterjocht werden ^').
Zwischen diesem Bollwerke und dem Rhein schien nun alles Römisch zu werden. Die Zurückgebliebenen der tiefer in das waldige Vaterland gewichenen Usipctcr, Tenktcr, Sigambcr, Sucven, der nach Ba- tavia gewanderten Katten, und der Ubier, saßen, unter Nömcrhcrrschaft, vermischt mit Römern und Galliern, die nichts zu verlieren, und unsere entvölkerten Rhcingcgcndcn besetzt hatten; diese wurden in Zehntenäcker vertheilt 2°).
Unter jenen 50 und mehreren Lagervestcn, welche Drusus am Rheinstrom errichten ließ, waren am linken Ufer auch Koblenz ^), wahrscheinlich auf einer Insel, die erst in spätem Zeiten mit dem Lande zwischen dem Zusammenflusse des Rheins und der Mosel vereinigt worden ist; und Andernach ^). Von Bonn führte er über den Rhein eine Brücke nach Gausen '').
Aus solchen Befestigungen siel Drusus, es war sein vierter Feldzug, mit großer Macht in das Land der Katten, Suevcn und Markomancn. In heißen Treffen als großer Feldherr und gefährlicher Besieget der Teutschcn '4), hiß nach Thüringen und an die Elbe vorgedrungen '°), dort aber durch viel Verlust, Schreckbilder und Wintcrstrcnge zurückgetrieben, soll er an den Folgen eines Sturzes gestorben, und sein Leichnam nach Rom gebracht worden seyn ' ^). Rom gab ihm und seinen Nachkommen den Beinamen Gcrmanicus.
Als hierauf der Kaiser Augustus mit seinem Sohne Tibcrius selbst an den Rhein gekommen, und Tiberius mit einem Heere herübcrgegangcn war: sandten unsere Strombewohncr Friedensboten, nur die Sigamber nicht; ohne diese aber wollte Augustus nicht unterhandeln. Endlich wurden auch sie bewogen, Fürsten zu schicken. Diese, von dem Kaiser zurückgehalten, tödtctcn sich selbst, und die erbitterten Teutschcn rächten sie an Römern '?). Tiberius übermannte jedoch zuletzt die Sigamber, und führte 40,000 mit Suevcn in die untern Gegenden der linken Rheinseitc '°). Tiberius machte glückliche Fortschritte bis an die
27) l^it. 4nn. II., 19. S, Minola's Beilage zur Uebersicht der Röm. Deutschen Gesch. :c. Köln 1818. Möser Osnabr. G>>sch. Ty. II. S. 201 3.
28) ?r«:rier aä H,u50ll lVIo«e1I.
29) S. die schone Chatte in Gerning's Heilquellen am Taunus, und: Rheingcgenben von Mainz bis Köln. Wiesbaden 1819. 3U) l'ncit Oerni. 29.
31) 6o»Nuent(!8, cniiilneutill. 8ueton. OnriZ. c. 8. Itiuerar. Imperii, ^innr. Klare. XVI., 3 Zu Ende des ersten christlichen Jahrhunderts stand dort die Trajanische Legion. S> topographische Geschichte der Stadt Koblenz von Günther 1813. Minola's kurze Uebersicht.
32, ^nclenacinn, ^uteiniacmn, ^nwiuiacum, änturnncnm, ^ütoin.-lcuni, ^näern-rcwn, fty ts Von nute nllcum, oder von dem keltische» Ak, Eke, Bergwcnde. oder von Drusus Gemahlin Antonio u. s w- benannt. S. Kimrenius in ?aneAvi>. coiilt.intiüo ^UZ. I'rev, dicw; NonUi. ?rc>rlroni H,„,rni.!ii KlaroeU XVIII. , 2. Itiilrrar. ^nloui- irri. 2uc:1,iieri Lelgiuni Noninnnm s«cle«ii>5t. «t civil« I^euclii 1655.
33) ?I°r. IV., 12. 34) l'iic-it, Qernr. c. 37. 35) Slllllx, VII., 1. ^utxor,. VII., 5.
36) llio Oll«, I.V., 1. Liiewn, lllauä. 1. I.iv. 6XQ. 37) Qio ll. I.V., 6.
38) Luewn. ^ugult. c, 21. 1Äer. e, 9. lacit. ^»n. XII., 39.
