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Neuntes Kapitel.
1211 — 1243.
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Des Grafen Theodorich I. von Wieb Sohn Theodorich (S.bei 1179.), bisher Archidiaconus und 1212. Probst zu St. Paulin in Trier, ward einstimmig zum Erzbischof und Kurfürsten von Trier erwählt. Er war seines Namens der zweite. Die Jahrbücher rühmen ihn als einen Mann, der nicht nur von glänzender Geburt aus dem Grafcngcschlechte Wied, sondern vielmehr durch christliche Frömmigkeit, durch Weisheit und Ansehen in öffentlichen Reichsgeschäftcn, sich ausgezeichnet habe.
Als der Teutsche König Otto IV. vor seinem neuen Nebenbuhler, König Friedrich II., des Großen Enkel, den die Freunde Philipp's, seines Oheims, aus Sicilicn gerufen hatten, geflohen war; wurde Theodorich von Wied auf einer Fürstenversammlung in Mainz von Friedrich II. durch Ucberrcichung des Ringes, Krummstabcs und Sccptcrs, in sein Erzbischöflichcs Amt eingesetzt. Dicß zog ihm Abneigung der Ottonisch gesinnten Trierer, und einen mörderischen Anfall in Koblenz zu. Der Gras Heinrich von Nassau drang dort auf ihn ein; aber ein edler Ritter von Koblenz, Albert, warf sich dazwischen, und sing den tödtlichcn Streich für seinen Herrn auf ').
Kurz vor Theodorich's Wahl, so wird erzählt -), versammelten sich aus unfern Rheinischen Städten und Dörfern, wie es schien, gottbegeisterte Knaben in Menge, um nach dem heiligen Lande zu ziehen. Ihr Anführer war ein Knabe Nicolaus aus Köln, mit einem rothen Kreuze bezeichnet, wie es die Kreuzfahrer auf die linke Schulter genäht trugen. Die junge Schaar kam bis Brundusium in Untcritalien. Der Bischof daselbst entdeckte aber den Betrug, und ließ sie nicht einschiffen. Der Vater des Nicolaus hatte die Kinder an Christenfeindc verkaufen wollen. Auf der Rückreise kamen die meisten um. 1213- Wahrend dieser letzten Jahre war zwischen der Abtei Laach und dem Grafen Heinrich I. von Isen-
burg (S.bei 1209.) Streit entstanden. Heinrich I. erbaute bei Grcnzhauscn, drei Stunden ostwärts von Ehrcnbreitstein, auf einem steilen Felsen in dem enggewundcncn Thale der Bröchse die Burg Gren- zau'), von welcher ein Drittthcil der Abtei gehörte. Es wurde zuletzt ein Vergleich getroffen, nach welchem Heinrich für jenes Dritttheil seine vorälterlichcn Güter bei Krufft an Laach überließ, und noch 230 Mark empfing ^). vor 1214. Eine andere Veste in unfern Rheinland«:«, Godcsbcrg, erbaute oder erneuerte der Erzbischof und
Kurfürst von Köln, Theodorich, auf einem Berge, wo eine Kapelle des heiligen Michael stand, von dem Gelde eines zinsschuldigen Juden, den er gefangen hielt °). Des Kölnischen Erzbischofs Absicht bei diesem Baue war zunächst, für seine Anhänglichkeit an den überall verfolgten König Otto IV. einen neuen Schutzort zu haben. Auch die Stadt Köln hielt noch fest an Otto. Der hcldenmüthige Otto aber wurde von Friedrich II., der ein starkes Teutschcs Heer mit der Macht seines Bundesgenossen, des Königs von Frankreich Philipp II., vereinigt hatte, in heißer Schlacht bei Bovines überwunden, und floh in seine Erblande an dem Harzwalde, wo er 1218 starb.
Friedrich II. brachte auf diesem Fcldzuge die Stadt Trier gegen sich und gegen ihren Erzbischof
zum Gehorsam. Theodorich war von ihnen eine Zeitlang sogar gefangen gehalten worden. Dieser wurde
1215. von dem Papste nach Köln gesandt, um die Stadt, wenn sie Friedrich II. als König anerkennen wollte, des
Kirchenbannes zu entledigen. Theodorich gewann die Gcmüthcr der versammelten Stände durch seine Vor-
1) 2rn^vei-i H,nn2l. Z) Kupfertafel No. 8. 5) p/IelllleuL I. c.
4) Günther, Urkunden Manuscr.
