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Der Graf Johann I V. zu Wieb, Herr zu Nunkel und Iscnburg, starb zu Nunkcl am 16tcn Juni. Seine

zu Limburg (S. IS73), war ihm am Istcn des Maies vorangegangen.

Nach seinem letzten Willen war seiner Wittwe, der Gräsin Katharina, ein beträchtliches Witthum ausgesetzt worden, und für die beiden Söhne, Hermann I. und Wilhelm IV. wurde, unter Vcrmitteliing des Herzogs und Pfalzgrafen Richard zu Simmcrn, des Grafen Hermann zu Manderscheid und Blankcnheim, und des 0. Jakob Schwarz, als Bevollmächtigten des Grafen Johann zu Nassau - Katzcnclnbogcn, auf ein Jahr, bis zu genauerer Bestimmung, eine Landcstheilung (Mutscharung) dahin angeordnet, daß Hermann I. die Grafschaft Wieb, sammt Zugchönmgen, ausgenommen das Haus Braunsberg, und was in dem Amte Dicrdorf an Kirchspielen, nebst dem Personal Hcddesdorf, zu dem Witthum der Grasin gehörte, ferner die Herrschaft Isenburg und zugehörige Gefalle, Wilhelm aber das Haus und die Herrschaft Runkel, sammt Baugütern, Gefallen, Renten und Nutzungen, innc haben, und bei seinem Personal Feldkirchen unangefoch­ten bleiben sollte. Gleichwohl aber sollten beide Brüder die Huldigung an allen Orten empfangen. Wer von ihnen in seinen Herrschaften mehr Gefalle hatte, sollte, mit Zuziehung der Diener, eine gebührliche Aus­gleichung vornehmen; in Betreff der Herrschast Isenburg aber bei den Nutzungen ohne Erstattung gelassen werden. Im Todesfalle ihrer Mutter sollten Dierdorf und Braunsberg sammt dazu gehörigen Dörfern und Kirchspielen, beiden Brüdern zugleich zustehen, in der Administration, wie unter ihrer Mutter, bleiben, und der Unterhandlung obiger, oder anderer Mittelspersonen, gewärtig seyn. Wegen der Lehen sollte Her­mann I. nach Jahresfrist in beider Brüder Namen ansuchen. Die Türkensicucr sollte von den beiderseitigen Beamten eingenommen, und ihren Herren verrechnet, und, was nach Ausrichtung der Neichsgebühr, Über­schuß seyn möchte, zu gemeinen Ausgaben angewendet, die Schulden und Pensionen sollten, nach Verhält­nis) der Nutzungen und Renten beider Herren, eingethcilt werden u. s. w. Geschehen zu Wied, den 20. Aug.

Es entspann sich aber zwischen den beiden Brüdern alsbald über diese Thcilung ein Srreil der bis zu Ende des Jahrhunderts wahrte, und erst in dem nächstfolgenden ganz geschlichtet wurde. Der Pfalzgraf Richard gab sich die größte Mühe, die Einigkeit herzustellen. In dem folgenden Jahre traten auch die Grafen Wolf von Iscnburg - Büdingen, und Hans Georg von Colins, als Vermittler hinzu, ersuch­ten in Schreiben den Grafen Hermann, daß er mit seinem Bruder sich friedlich vergleichen möchte; Her­mann dankte ihnen für die Erinnerung, und versprach zu folgen, wenn auch Wilhelm sich dazu bereit fände. Im September wurde die Thcilung in dem Kloster Maricnstadt und zu Dicrdorf erneuert^).

Nach Iohann's IV, zu Wied Ableben trachtete die Kurtrier'sche Regierung unter dem neuen Erzbisckof Johann VII , sich in dem Dorfe Irlich mehr zu behaupten. Der Erzbischof befahl dem Schultheiß daselbst, das Vesthaupt von den Einwohnern, die zu den Tricr'schen Gütern daselbst gehörten, und vermuthlich an Wied verlehnt waren, für Trier zu fordern, wohin es nach des Grafen von Wied Tode gefallen scy ««). Diese Abgabe dauerte bis 1796 fort. Man zählte in jenem Jahre zu Irlich 8 Tricr'sche, 9 Saynische, 10 Wittgensteinischc, und 64 Wiedische Eigenlcute.

Mittlerweile war zu einem für unsere Rhcingcgend, und auch für die Grasschaft Wieb sehr schädlichen Krieg in dem Erzbisthum Köln der Saame gestreut worden. Der Erzbischof Geb- hard Truchseß Freiherr von Waldburg, von Geist, Gesinnung und Gestalt ausgezeichnet, reich au ge­lehrten Kenntnissen, aber dem astrologischen Wahne ergeben, war von seinem Oheim dem Cardinal Otto Truchseß, Bischof zu Augsburg, zum geistlichen Stande bewogen, an den Erzbischof Salentin em­pfohlen, des letztem Freund und Mitarbeiter, nach dem Abgange desselben, in seinem ein und dreißigsten Lebens­jahre, von dein Domkapitel zum Nachfolger gewählt, und seinem Nebenbuhler Ernst von Baiern vorgezo­gen worden. Schon lange der protestantischen Lehre zugeneigt, gestattete er seinen evangelischen Untcrtha- nen kirchliche Freiheit, und selbst sein Minister, Graf Ncumark, ließ in seiner Wohnung von dem evangeli­schen Prediger Northusius Vorträge halten. Gebhard regierte wohlthätig, und wurde geliebt. Die stille

64) Archiv zu Neuro. Fisch«, N. 65X1.. üleck's Geschichte.

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