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Da Graf Hermann I. mit seinem Kricgszuge nach Frankreich beschäftigt war, in seinen: Gebiete Mannschaft gesammelt, geübt und Reiterei gemustert wurdet): so ließ er, zur Versicherung für seinen Sohn und Negicrungsnachfolgcr, vor dem Landgerichte bei der Vcste Wieb, den Schöffen von Irlich, wie 1581 sein Vater, das Geständnis) abnehmen, daß der Graf zu Wieb Grundherr ihres Ortes, daß dicfer in der Grafschaft Wieb gelegen ^ und seine Bewohner dem Glockcnschlage und dem Rügegcricht zu Feldkirchen bis an den Gramstein zu folgen gehalten scyen. Doch hätten auch andere Herren Gerechtigkeiten zu Irlich. Aehnliche Erklärungen gaben die Irlicher auch in dem folgenden Jahre. Hierzu kam auch der Streit mit Sayn wegen des Lehens zu Braunsbcrg, der seit 1562 anhängig geblieben war. Der Graf Heinrich IV. 159N, zu Sayn forderte Wilhelm IV. von Wieb vor ein Manncngcricht. Wilhelm appellirte dagegen an das Neichs- kammcrgericht, und sein Bruder Hermann erklärte, daß Wieb die Saynischc Belchnung mit dem Hause zu Braunsberg nicht suchen werde, weil Sayn das von Wieb lchnrührige Schloß Widcrstcin, nach des letzten Herrn von Widcrstein Tode an sich gezogen habe. Es kamen in diesem langwierigen Processc noch andere Saynische Eingriffe in Wiedische Gerechtsame zur Sprache, nämlich in Betreff der Voigtci zu Ncitzcrt und Rodcnbach, in dem Kirchspiele Wambach, des Banns Selters, Max: Sayn, des Kirchspiels Schöneberg, des Hofs zu Freyrachdorf:c. Von dem Rcichskammergcrichte erfolgte über diesen Rechtshandel kein Urthcil '«).
Die Schwester Hcrmann's und Wilhelm's Anna (S. 1572), Gemahlin des Freiherrn Hans Wilhelm zu Roggenoorf und Mallcnburg ?'), starb in diesem Jahre, und Hermann gieng in dem folgenden l5öi seinen, Todesuerhängnisfc entgegen. Er ward in dem deutschen Heere, welches, unter dem Prinzen Christian von Anhalt, dem Könige von Frankreich Heinrich IV. zugeführt wurde, Oberst eines von ihm selbst gestellten Regiments von 3,000 Landsknechten, von Harnischrcitern, Pikcnträgern, Büchsenschützen mit Sturmhauben, Kanonircrn und Minirern. Seine Capitulation unterzeichnete Türenne zu Heidelberg im April '«). Im Iuly sandte ihm der Pfalzgraf Richard von Simmcrn ein gutes Reitpferd zum Geschenk, nebst Glückwünschen auf die Reise ^).
In demselben Monate setzte eine Rotte von 800 Kriegslcuten, unter Anführung eines Niederländers Onophrius Tcmplius, Oberster des sogenannten Navarrischen Kriegsvolkcs, die Ortschaften in dem Meyenfelde durch räuberische Gewaltthätigkeitcn, in Schrecken. Sic näherte sich der wohlhabenden und festen Stadt Andernach, und suchte sie mit List zu überwältigen. In Gestalt umherziehender Schnitter oder Tag- löhner, kam ein Theil vor die Mauren, und lagerte sich, als wollte er die Nacht unter freiem Himmel zubringen; die übrige Menge, zu Fuß und zu Pferde, schlich mit der Nacht in die Obstgärten des nahen Nonnenklosters, um sich da zu ordnen. Darauf wurde eine Pulvcrmaschine unter das Fcldthor gebracht, die es sprengte. Die aufgeschreckte Bürgerschaft war aber schon in Waffen herbeigeeilt, che das innere Thor auf gleiche Weise gesprengt werden konnte, und Tcmplius zog ab. Von Bruclbcrg aus cmpfieng Hermann am 29. Iul. Nachricht, daß der Oberst Tempel seine Befehle erwarte. Er trat nun seinen Marsch an °°).
Bei den mancherlei Iwistigkciten, die zwischen Wied und Isenburg-Grcnzau obwalteten (S. 1574), schlug die Wiedische Regierung dem Grafen Salentin VI. zu Förderung gütlichen Vergleichs die Zurückgabe der Kirchen zu Iscndurg (S. 1256) und Alsbach vor, doch so, daß aus den alten Iscnburgischen Verträgen nicht gestritten, und dem Rcligionsfricdcn nicht zuwider gehandelt würde.
Der wackere Herr zu Wied, Graf Hermann I, gelangte indeß mit seinen Schaarcn nach Frankreich, und vereinigte sich mit dem Könige Heinrich IV. Dieser drang nun in der Normandie ein, und begann im November die Belagerung von Rouen. Abc-r schon am lOten Deccmbcr ereilte den Grafen in dem königlichen Lager der Tod. Uebcr seine neun noch unmündigen Kinder, sammt ihrer Mutter, übernahmen, nachdem sich ihr Oheim Wilhelm IV., und Graf Arnold von Bentheim, entschuldigt hatten, die Vormund-
75) Neuw. Alch.
78) Fischer, N. c^XI^V.
76) Moser, 1, c, Neuw. Arch. 79) Neuw. Arch.
77) Fischer, N ccxXXVI. 30) Lionel-. Arch. zu Neuw.
