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In der obern Grafschaft wurde, nach ein« Confcrenz der Vormünder zu Schadeck, am vierten des Januars, der GrafMarimilian Heinrich für volljährig erklärt (S. 168!); er beschwor den Wiedischcn Stamm- Verein, undcmpfieng, im Mai, von dem Kurfürsten Hugo die Tricr'sche Belohnung 2).
Wie mit dem Anfange des neuen Jahrhunderts zu Neuwied der Grund des neuen Schlosses gelegt 1?^- wurde: so begann auch zu Dierdorf Maximilian Heinrich an der Stelle des gleichfalls verbrannten alten Schlosses den Bau eines neuen, und zu Nunkcl den neuen Mittelbau des Schlosses, nicht ohne Aufforderung von Kurtrier, das sich aus Lchns- und Oeffnungsrecht berief. Die früh verwittwctc Gemahlin des Grafen vollendete in den folgenden Jahrzehnten die Residenz, wie sie noch, steht. Seine Mutter, die Gräfin Johanna Elisabeth von Mctternich (S, 1l>93), bevollmächtigte ihn, die Belchnung von Kurtricr auch für seine jüngeren Brüder, Karl und Christian, zu empfangen ^).
Der Anfang des achtzehnten Jahrhunderts führte abermals einen Krieg herbei, in den beinahe ganz Europa verwickelt wurde, und der auch unser Rheinland wieder hart betraf. Die Ursache zu diesem Kriege gab auch jetzt die Französische Regierung durch die schlaue Besetzung des Spanischen Throns, auf den der Tcutschc Kaiser sein Erbrecht nicht gleichgültig verlieren wollte. Der König Ludwig XIV. von Frankreich gewann den Kurfürsten von Köln, Joseph Clemens, und legte Besatzungen in die Kölnischen Festungen, auch nach Andernach. Der Kaiser ficng durch seinen Feldherrn, den Prinzen Eugen von Savoycn, die Feindseligkeiten in Italien an, und schloß im September mit England und Holland die sogenannte große Allianz. Plötzlich kamen in die untere Grafschaft Wieb drei Compagnicn Kurpfälzischcr Krieger, um angeblich das Land zu decken ^).
Unter diesen drohenden Zeitumständen, die durch Hccrzüge für Neuwied immer drückender wurden, litt unsere Stadt welche ihr junger Landesherr im Frühling besuchte, fortwährend durch die^Beeinträchtigung, welche die kleineren Gemeinden in den erlangten kirchlichen Rechten erfuhren, so, daß mehrere Familien die Stadt wieder verließen. Die katholische Gemeinde hatte im Jahre 1700 d. 7. Ott. die kaiserliche Bestätigung der 1793 ihr erthcilten Concession erhalten °). Nichts desto weniger wurde ihr das zuvor gestattete Geläute versagt. Ihre Todten wurden nun nach Irlich gebracht, ihre Ehen auswärts geschlossen, und ihre Kinder in auswartiae Schulen gethan. Da man bald darauf ihre Leichen auch in Irlich nicht mehr aufnehmen wollte: so erlaubte ihr der Graf von der Lippe, einen eigenen Kirchhos anzulegen 6). Kaum aber hatte sie dazu den Platz um ihre Kirche einzurichten angefangen, als ihr vielseitige Hindernisse gelegt wurden. Es wurde ihr zugegeben einen Franziskaner, Hubertus von Andernach als Pastor anzunehmen, der aber seiner Aufführung wegen'bald wieder entfernt wurde. Die neue Wahl und Anstellung eines Geistlichen und Schullehrers, so wie das nöthige Geläute auf ihrer fast fertigen Kirche kosteten der Gemeinde neue langwierige Kampfe.
Die Lutheraner hatten wieder einen Candidatcn Hechlcr gefunden, und schlugen ihn der Regierung vor. Er wurde von der rcformirtcn Geistlichkeit in Neuwied geprüft, und, unter früheren Bedingungen, berufen (1702), gimg aber kurz darauf als Conrcctor nach Idstein. In den folgenden sechs Jahren dienten der Gemeinde Werner und Engelhard, jener aus Schwaben, dieser aus dem Waldeckischcn ').
Inzwischen ward unsere Grafschaft, nach der Kriegserklärung des Teutschen Reichs gegen Frank- l?05 reich (d. 15. März), mit Kricgsvolk belegt; Pfälzcr, Hessen, über zweitausend, Kaiserliche, Holländer, Schweitzer und Trierer häuften sich hier, da das Kölnische Gebiet von dem Feinde besetzt war, der jenseits des Rheins in dem Kurtricr'schcn Lande sich gewaltthätig und verheerend ausbreitete, und mit Uebcrgang dro- hete. In den Wicdischen Gebirgsortcn, namentlich in Icchrsfcld, Hummcrich, wurden die Forderungen mit
2) Fischer. N, c^(.:iv. ccx-v. 3) v. Mülmann I 0. Fischer, N. cllllV.
4) Arch. zu Ncuw. 6) llontllelüi. «i°t. 7-«?. äiploin.
6) In demselben Jahre starb dieser Graf hier, und wurde in Marburg bestattet.
7) Arch. zu Neuw.
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