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vielen Mißhandlungen erpreßt. Hessen gebot seinem Generalmajor Tettau Schonung und Bezahlung an die Bewohner der niederen Grafschaft. Die Klagen und Vorstellungen der Wiedischen Regierung bei den zum Niedcrrhcinwestphalischen Kreistag verordneten Nathen über die Unmöglichkeit, die Kriegslasten ferner zu tragen, waren von keinem Erfolg, Nur Mwied genoß durch ausgestellte Wachen einigen Schutz ").
Die Siege der Verbündeten in dem Kurfürstcnthum Köln, unter dem Englischen Herzog Marlborough, schafften nur kurze Erleichterung. Marlborough vertrieb im Iunius, auf seinem Zuge aus den Niederlanden an dem linken Rheinufer herauf, nach Mainz, um sich mit dem Prinzen Eugen in Baicrn zu vereinigen, die Franzosen aus Bonn und aus den Trier'schcn Platzen an dem Rhein und der Mosel. Die Festung Koblenz war von Kaiserlichen besetzt, und Wieb mußte an den General von Hompesch daselbst 100 Klaftern Holz liefern ?). Es wurden in dem Trier'schcn, auf Marlborough's Anordnungen, Magazine errichtet, lind Reichscontingente zusammengebracht «).
Den beiden Grafschaft«: Wicd Mirdc in dieser bösen Zeit durch die gleichzeitigen Vermahlungen ihrer Erbherrcn ein freundlicher Blick in die Ferne vergönnt. Der Graf Friedrich Wilhelm von Wied-Neuwied, nun zwanzig Jahre alt, vermahlte sich in Berlin (d. 24. Aug.), mit Louise Charlotte, Burggrafin zu Dohna, Frau von Wartemberg und.Schlodicn, Carwinden, Leistenau, Schlodittcn, Rcichertswalde und Lauk, Tochter des Burggrafen Alexander zu Dohna, Frciherrn zu Coppet, Herrn zu Schlobittcn ?e., welcher Hofmeister des Preußischen Kronprinzen Friedrich, königlicher Geheimen-Staats- und Kriegsrath, Gencrallicutcnant der Infanterie , Gouverneur zu Pillau?c. war. Der König ertheiltc dem Grafen Friedrich Wilhelm bei der Vermahlung den schwarzen Adlcrorden ^).
Der Graf Maximilian HeinrÄ) zu Wicd-Nunkel feierte (d. 30, Aug.) seine Vermahlung auf dem Schlosse Schadcck mit der Grafin Sophia Fiorcntina, Tochter des Grafen Simon Heinrich zu Lippe, Oberhcrrn von Viane, Ameyoen, Erdburggrafen zu Utrecht. Ihr Bruder Friedrich Adolph zu Lippe besorgte ihre Ausstattung. Maximilian Heinrich trat in Hessendarinstadtische Kriegsdienste als Rittmeister. Seine Gemahlin wohnte, da die Häuser zu Runkel und Dierdorf im Bau begriffen waren, auf Schadeck. Die neue Regierung wurde von jetzt an Jahre lang mit einem zwiefachen Rechtsstreit beschäftigt, den die Bürgerschaft zu Dierdorf über ihre Privilegien, und das Dorf Urbach ,wegen zurückgeforderten Waldeigenthums vcranlaßten ' °).
Dem Grafen Maximilian Heinrich wurde den 30. Mai zu Nunkcl der Sohn Johann Ludwig Adolph geboren ").
In der unteren Grafschaft konnte man sich dieser Frühlingstage weniger freuen. Es drängten sich an unsern Rheinufcrn Tcutschc, Englische, am meisten Hanöverische Kriegsschaaren, um, unter Marlborough, der aus den Niederlanden heraufzog, und mit dem Prinzen Ludwig von Baden sich in dem Tricr'schen Lande zu vereinigen gedachte, in Champagne einzudringen. Allein die Abneigung dieses Feldhcrrn des Ncichshecres, und die vernachlässigte Sendung der Teutschcn Contingente vereitelte Marlborough's Plan. Er gieng mit dem Herzog von Würtcmberg und mit dem Erbprinzen von Hcsscnkassel, au der Spitze von 40,000 Mann, an der Mosel hinauf, und wendete sich nach der Maas. Bald darauf wurde das Kurfürstenthum Trier wieder von Franzosen überzogen. Für die Kurhanovcraner, die in unserer Grafschaft den Winter hindurch verpflegt worden waren, wurde ihr Gcncrallicutenant von Bülow angewiesen, Zahlung zu leisten. Ein Regiment dieses Kurfürstentlmms unter dem Obersten von Melville blieb in dem Dicrdorf'schcn bis in das folgende Jahr. In dem Schlosse Friedrichsstcin wurde ein Englisches Hospital eingerichtet, wozu das Kirchspiel Feldkirchcn Holz, Stroh und andere Lieferungen zu leisten hatte ' °").
Die Regierung zu Neuwied, noch von dem Grafen zu Lippe verwaltet, wurde, wahrend der wachsenden Lasten des Krieges, von einem bedeutenden Theilc der Bürgerschaft mit bitteren und ungestümen Be-
7) Arch. zu Neuwied, I«) v, Mülm, I, <:.
8) QeNZ l're?!!-. 11) Fischer, N- cllllVII.
9) Fischer, N, 5ll5XX, llllcXXIIs. 12') Arch. zu Neuw.
