245
schwerben überhäuft. Es entstand ein förmlicher Rechtsstreit, der dem Reichsfammergerichte zu Wetzlar unterworfen wurde, und in unserer Stadt große Unordnungen verursachte. Einen Thcil dieser Beschwerden erhoben die Katholiken über die immer noch fortdauernde Krankung der ihnen langst zugestandenen kirchlichen Freiheiten, und drohten, sich an den Rcichshofrath zu wenden. Alan hatte ihnen unter andern zugemuthct, daß Kathotische, die sich mit Evangelischen verlobten, zu der evangelischen Kirche übergehen, und ihre Kinder der rcformirten Kirche übergeben sollten. Jetzt wurde ihnen abermals der öffentliche Gottesdienst untersagt, und befohlen, denselben in dem neuen katholischen Pfarrhause zu halten. Die Gemeinde bat> nun den Kurfürsten von Trier um Beistand ^^).
Am zweite» des Novembers starb Friedrich's Wittwc, die Grafin Conradina Louise (S. 1686) auf Braunsberq, und wurde (am 2t. Dccbr.) in der Gruft ihres Gemahls beigesetzt '^).
Ihr Stiefsohn, der Graf Friedrich Wilhelm zu Wieb - Neuwied, war nun in seinem Erblande, von Berlin ans, mit seiner Gemahlin angekommen, bezog die Sceburg, und nahm sich alsbald seiner Untertanen kraftig an. Das noch in der Herrschaft Dierdors liegende Regiment Hanovcraner bcgieng auch in der unteren Grafscl aft viele Ausschweifungen. In dem Dorfc Nodebach wurden die Bauern beraubt und gcmißhandelt. Friedrich Wilhelm schrieb deßhalb an den Obrist Mclville mit ernsten Drohungen, und erhielt von diesem die Zusicherung strengerer Ordnung unter den Soldaten. Die Franzosen in Luxemburg forderten von dem Grasen Ludwig Friedrich, der dort obnc Regierung zu Maricnhausen bei Dicrdorf wohnte, 1,500 Livrcs Contribution. Dieß hatte eine Übereinkunft zwischen Wied und Frankreich in Trier 1708 zur Folge, nach welcher Wied von Lieferungen frei ward. Hier und dort blieben in dem Wicdischen fortwährend auch Hessen, Pfälzcr, Kaiserliche und Holländer. In dem folgenden Jahre gesellten sich Zu ihnen noch Kurbraun- schwcigische, und rasteten hier Monate lang ").
Am neunzehnten des Iunius erfreute sich der Graf Maximilian Heinrich zu Nunkcl des zweiten Sohnes Karl Wilbclm Alexander Emil, und Friedrich Wilhelm zu Neuwied seines Erstgebornen, Johann Friedrich Alexander, am neunzehnten des Novembers. Um diese Hcrbstzcit reiste Maximilian Heinrich mit dem Landgrafen Ernst Ludwig von Hcssendarmstadt, nach Stuttgart, kam dort mit seinem Vetter, dem Grafen Georg Hermann zu Leiningen-Wcsterburg, in Streit, und bei dem Dorfc Schmieden in Zweikampf, wurde von zwei Kugeln getroffen, stürzte vom Pferde, und starb in dem Dorfe nach wenigen Stunden. Sein schöner Körper wurde am zwölften des Januars in der Kirche zu Nunkel bestattet. Mit diesem edel- müthigcn Fürsten gicng für das Land eine gegründete Hoffnung unter. Seine drei und zwanzigjährige Wittwe, Sophia Florcntina (S. 1704) führte nebst dem Landgrafen Ernst Ludwig von Hcsscndannstadt die Vormundschaft über ihre beiden zarten Söhne ").
Der Graf zu Wied-Neuwied, Friedrich Wilhelm, ließ für seine Kirchspiele, insbesondere für die Stadt Neuwied, eine, durch seinen Geheimcnrath Nycß und durch den Pfarrer Mclsbach verfaßte, neue Kirchenordnung am vierten Januar ergehen, in welcher, unter viel Bcherzigungswerthcm, auch die Verhältnisse, der verschiedenen Gemeinden zu der reformirten Hauptgcmeinde festgestellt waren, wie sie hundert Jahre hin-; durch in Kraft geblieben sind.
Das neue Ncsidcnzfchloß des Grafen in Neuwied erhob sich von dem Mai an, und wurde in den folgenden fünf Jahren, bis auf die Seitengebäude, vollendet. Die mneren Stuccaturarbeitcn verfertigten die Meister Meyer und Gallosini. Der ganze Bau nebst den Flügeln war zu 32,790 Gulden angeschlagen worden. Das Land leistete, auf Ansuchen der Regierung, einen freiwilligen Beitrag, der ungefähr einen Scchs- theil ausmachte i«).
Des verstorbenen Grafen Maximilian Heinrich zu Wied-Nunkel Bruder, Karl (S. 1584), verehelichte sich in diesem Jahre, an welchem Tage, ist nicht bemerkt "), mit seiner verwittwcten Schwagerin
IZd) Arch, zu Ncuw,
13) Fischer, <^I.XXXV,
14) Arch, zu Ncuw.
15) v. Mulm. 1. », Fischer. N, llciciX. 15) Aich. zu Neuw.
17) Fischer, N. cocüVI, Hübner's Tadelle 435 -st unrichuZ,
1706.
5«
1707.
