---------------- 251
den auch mehrere Judenfamilicn hier aufgenommen; sie erhielten Schuhbriefe, daß sie gegen 8 Neichsthaler jährliche Abgabe, in der Grafschaft ungehindert Handel treiben dursten, aber bei Ucbcrvortheilung und unerlaubtem Wucher mit Verlust des Schutzes bedroht wurden ^1.
Neuwied und die Landkirchspiele verloren jetzt einen Rechtsstreit, den sie wider den Flecken Altwied (Burgaltwicd) erhoben hatten, weil derselbe von der Nömermonatsteucr und von Einquartierungen frei war. Das eingeholte llrthcl bestätigte dem ohnehin gesunkenen Orte die alten Gerechtigkeiten, und die Kläger mußten die Kosten bezahlen ").
InWicd-Runkel gelangte der Graf Johann Ludwig Adolph (S. l726) erst jetzt zur Großjährigkeit und zu vollem Negierungörcchte. Der Streit mit seiner Mutter kostete dem Lande viel. Sophia Florentina zog sich von den Rcgierungsangclcgenheiten zurück, und weilte bis, in die zweite Hälfte des Jahrhunderts auf dem Schlosse Rnnkel. Dem Grafen wurde in dem folgenden Jahre den 22. Februar zu Dicrdorf die Tochter Sophia Henriette Amalia, und vierzehn Monate später, am zweiten Mai, Christian Ludwig geboren; aber die Mutter, Christina Luise, gieng zehn Tage hernach in die Ewigkeit. Davauf verlobte sich Johann Ludwig Adolph den 29. October mit des Grafen Karl Ludwig zu Sayn-Wittgenstein, Herrn zu Homburg, Vallcndar und Neumagcn, Tochter, Amalia Luise. Die Vermahlung geschah den 16. Januar des nächsten Jahres. Um diese Zeit wurde er von Würtembcrg mit dem großen Iagdorden beehrt ").
In Neuwied zerfiel die lutherische Gemeinde, nach dem Abgänge ihres Predigers Schcllenbcrgcr, über die Wahl zwischen zwei Candidaten inParthcien; um den ärgerlichen Zwist beizulegen, berief der Gras Friedlich Wilhelm einen dritten, B. A. Zeitz, aus Münzcnbcrg, der der Gemeinde an 5U Jahre diente ").
Bei dem Ausbruche des neuen Kriegs, der zwischen dem Tcurschen Kaiser, Karl VI., in Verbindung mit Nußland und Preußen auf der einen, und Frankreich nebst Spanien auf der andern Seite, um der Polnischen Krone willen, in Polen und an dem Rheine geführt wurde, ward der Graf von Wicd-Neuwied, Franz Karl Ludwig (S. 1728), Preußischer General-Adjutant; und der Graf Johann Ludwig Adolph von Wicd-Nunkcl Oberst des Westfälischen Kreisrcgiments Infanterie. Dieser nahm Theil an dem Feldzuge an dem Rhein'und der Mosel, unter dem Prinzen Eugen und dem Grafen von Scckendorf ").
Es wurde ihm am fünf und zwanzigsten des Märzes der Sohn Maximilian Ludwig, und am siebenten des Märzes ein Jahr später Franz Ludwig geboren.
Der Graf Franz Karl Ludwig ward jetzt auch bei dem Wcsterwäldisch-Wcstphällschcn Krcisregnnente als Oberstlieutenant angestellt, behielt aber in dem Preußischen Heere Rang und Dienst.
Der Krieg, von Frankreich wider den Kaiser eröffnet, und auch von dem Tcutschcn Reiche im Februar dieses Jahre/ an Frankreich erklärt, ward bald auch unsrcr Gegend empfindlich. Die Franzosen hatten Lothringen eingenommen, besetzten dann Trier und Trarbach, und forderten unter andern auch von der Grafschaft Wied eine große Contribution. Der Graf Friedrich Wilhelm sandte deßhalb in dem nächsten Frühlinge, da die Franzosen mit militärischer Exemtion drohten, seinen ältesten Sohn, Johann Friedrich Alexander (S. 1728), begleitet von einem Baron von Nicrodt, der seit einiger Zeit an dem Hose lebte, nach Paris, um bei dem Minister Kardinal Fleury die Erlassung der Kricgsfodcrung auszuwirken, oder doch die gewaltsame Erpressung abzuwenden. Inzwischen hatte der Krieg weder für den Kaiser und das Reich, noch für Frankreich einen vortheilhaftcn Fortgang, und beide Thcile wünschten ihn zu beendigen. Dem Kaiser hatten die Seemächte im Januar Vorschläge dazu gcthan, mit denen aber Fleury nicht zufrieden war. Diesem sparsamen Minister Ludwig's XV. konnte kein Friede ohne reichliche Vergütung der Kriegslasten gefallen, und sein Hauptuerlanacn war die Einverleibung der Herzogthümer Lothringen und Bar mit dem Französischen Rciehe, so wie der Kaiser, der letzte Habsburgischc Herr, nichts lebhafter wünschte, als seine pragmati-
39) Ä,ch. zu Ncuw. 4!) v. Mülmam, I. c. 43) v. Mülmann I. c.
40) Urkunde zu Altwied.
Fischer, N. cc^xm, cc^xiv.
4Z) Arch. zu Ncuw.
32 *
1731. 1732.
1733.
1734.
1735.
^ <
>
51
l
5'l
^
