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schuft, zu Gunsten des männlichen Stammes Verzicht; auch hatte schon Preußen seit 1694 von dcm Kaiser Leopold auf das Fürstcnthum eine Anwartschaft. Im November kam der Graf mit seiner Gemahlin und ihrer vcrwittwcten Mutter, Fürstin Maria Charlotte Grafin zu Krichingeu und Püttlingcn, in Runkel an. Das Hoflagcr bestand aus 120 Personen; die Ausgaben bei den Vermahlungsfesten bcliefcn sich auf 60,000 Gulden ^ 6), Johann Ludwig Adolph brachte durch diese Verbindung die Grafschaft Krichingen im Wcstreiche, zwischen Lothringen, Luxemburg, Limburg und der Pfalz, nebst den Herrschaften Saarwcllingen, Püttlingen, Nollingcn, Voimhout, und das Erbmarschallamt des Hcrzogthums Luxemburg und der Grafschaft Chyni, an sein Haus. Im Erlöschungsfallc des mannlichen Stammes von Ostfriesland erhielt er auch auf dieses Für- stenthum Anwartschaft. Seine Mutter wollte ihm die Regierung noch nicht anvertrauen, und die Vormundschaft noch fortsetzen. Darüber zerfiel er mit ihr; sie entfernte sich vier Monate nach Wetzlar, und er bemächtigte sich der Regierung. Kraft eines kaiserlichen Patents wurde sie zwar wieder eingesetzt, lebte aber 1727. mit ihm in Streit bis 1730. Der Regierungsantritt des Grafen zu Wicd-Runkel vcrcmlaßtc in dem nächsten Sommer zwischen den beiden Wicdischcn Regierungen und dem Hause Walderdorf eines Thcils und Kur- tricr andern Theils Verhandlungen zu Koblenz über die Reichs - und Kreislcistungen wegen ihrer Besitzungen von der Grafschaft Nicderisenburg ^). Da diese Besitzungen sammt den geistlichen Kurfürstcnthümcrn zu dem Kurrhcimschcn Kreise gehörten: so hatte Kurtrier, dem von jener Grafschaft seit 1664 drei Vicrtheilc unterworfen waren, für die übrigen Inhaber die Mannschaft nach der Matrikel gestellt, und forderte nun im Namen des Kreises thcils die Geldrückstande, thcils Versicherung der Beitrage für die Iulunft, mit Erwähnung Kurkölnischcr Exemtion. Wied-Neuwied hatte an dieser Auseinandersetzung keinen Antheil, weil seine Altisenburgische Besitzung Grcnzhaufen und Alsbach, zu dcm Niederrheinwestphälischen Kreise gehörte, und was ihm seit 1664 von der eingezogenen Grafschaft Isenburg geblieben, nämlich das Stammhaus und der Flek- ken Iscnburg, Mcyschcid und Wcudt, nach des Grafen Friedrich letztem Willen an die obere Grafschaft abgegeben war. Wied-Runkel trug durch den Nath Baur auf eine Confcrcnz zwischen dem Kurfürsten und seinem Herrn an^ und hegte zu Kurtrier,das Vertrauen, es werde seine Abgaben von den eigenen Nutzungen aus dcm Kirchspiel Mcpscbcid an die Kreiskasse rcguliren. Ucber den Mangel genauer Matricularbcstimmung klagte auch Waldcrdorf, verlangte Abschätzung und auf diese gegründete gerechte Leistungen von dem Bcsitz- thumc jedes Thcils. Bei diesen Mittheilungen stellte Kurtricr seine Iscnbnrgischen Güter einzeln, und seine Ansichten von der Rechtmäßigkeit des Besitzes dar. Hiervon ist bei 1664 gehandelt worden.
Johann Ludwig Adolph zu Wicd-Runkel ward am 21. Fcbr. Vatcr von Karl Ludwig, und am 21. Dccdr. von einer Tochter Elisabeth, die nach vier Monaten wieder starb. Von den zwei Söhnen Friedrich Wilhclm's zu Neuwied hatte der älteste, Johann Friedrich Alexander, in Strasburg studirt, und befand sich jetzt, zwei und zwanzig Iah« alt (S. 1706), in Paris. Der zweite, Franz Karl Ludwig (S. 1710), von seinem zehnten Jahre an bei seinem Großvater, dcm Generalfeldmarschall Grafen von Dohna, für den kriegerischen Beruf geweckt, hatte die letzten Jahre auf der Universität zu Königsberg benutzt, ward königlich-Preußischer Staatscapitän bei dcm Dohna'schcn Rcgimcnt zu Fuß, und crhiclt bald darauf, im Mai 1730, bei dem Sydow'schen Ncgimcntc eine eigene Compagnie. In demselben Jahre besuchte er seine Acl- tern zu Neuwied, das wahrend seiner Abwesenheit durch neue Häuscr vergrößert, und durch das neue Schloß, besonders durch dic Umarbeitung des anstoßenden Weingartens unter der Leitung der regierenden Gräsin, in einen Kunstgarten, verschönert wurde, reiste von hier nach Paris zu seinem Bruder, und kehrte nach Preußen zurück ^). Luise Charlotte ließ seit 1729 an der Grotte und dcm Fasanerietheile des Schloßgartcns bauen. In dcm bürgerlichen Wcfcn der Stadt Neuwied wurde jetzt eine Waagordnung errichtet und über eine Rcnt- aceife ein Vergleich gemacht. Seit dcm Anfange dieses Jahrhunderts, und besonders in diesem Jahre, wur-
Z5) u, Mülüwm, Arch, Coll. Fischer, N. ccoxn. 57- Nrch. zu Ncuw, Fischer, N. VIII.
Z8) Arch, zu Nnüv. Di? folaclide,: Nachricht« nei, di : ieichncttn G«fcn M durch des Herrn Majors von
(Z,!ibowsky zu Minden gefällige Nitthcttungm ergänzt.
