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1823.
bezirk Irlich zu gehofftem Ende gedeihen. Am fünf und zwanzigsten des Aprils wurde von den königlichen Regicrungsräthen John und Hcubcrgcr, aus Koblenz, als Eommiffarien, auf dem fürstlichen Regicrungs- saale, vor versammeltem Stadtrathe und andern Beamten, Schultheißen und Schöffen der Wied-Neuwicd- schcn Dorfschaften, des dem Fürsten wieder zugethciltcn Dorfes Irlich, und des zu dem Kreise Neuwied geschlagenen Amtes Engers, der erste fürstliche Polizei- und Ncgicrungsrath installirt, und am ersten Maitage begann seine Wirksamkeit ''). Eine gleiche standesherrliche Regierung hat seit dem ersten des Februars 1823 zu Dicrdorf begonnen '»).
Ein königlicher Landrath verwaltet übrigens, wie seither, das, was des Königs ist, und hat seinen Sitz in Neuwied.
Noch gedenken wir des ausgezeichneten Generals Friedrich Ludwig zu Wicd-Nunkel, dessen Tätigkeit bei dem glorreichen Fcldzuge 1814 erwähnt worden ist. Oestcrrcich's Hcerzug na h Neapel !32l ge
schah auch unter seiner Leitung. Hier bekam er das Großkrcuz
c^an Georgio dclla Reunione
Eine Frucht des Friedens in unserem Vatcrlande, und ein zweites Verdienst, daß sich jener ehrcnwcrthc Verein zu Neuwied, welcher 18!7 die fliegende Brücke anlegte, um unsern Ort erworben hat, ist der seit dem September dieses Jahres entstandene Schutzhavcn an dem südlichen Stadtcnde.
Mit diesen Nachrichten von dem ncugcordnctcn Zustande unseres Kreises unter dem Schutz und Walten eines mächtigen Königreiches, und von der inneren Zufriedenheit und edlen Hoffnung unseres Wic- dischcn Fürstenhauses, sollte diese Geschichte abgebrochen seyn, und vom fortwährenden Besitze seines thcucr- stcn Gutes, der mütterlichen Fürstin, dem teilnehmenden Leser das angenehme Gefühl der Gewißheit lassen. Nun aber muß sie zu unsern Nachkommen auch noch von dem Schmerz über den Verlust dieser Mutter reden, wie tief er von den verwaisten hohen Familicngliedcrn, bis zu den ärmsten ihrer Unterthanen empfunden wurde. Der Inhalt unserer Geschichte seit 1766 gicbt wohl hinreichend zu erkennen, wie viel die Grasschaft und die Stadt Neuwied der Fürstin Luise zu verdanken hat, wie sie für die Erhaltung und Ehre des Hauses gesorgt, geduldet, gekämpft, wie vortrefflich sie, nicht allein als zärtliche, liebevolle, — „nur so wollte sie genannt seyn" — sondern auch als weise und fromme Mutter auf ihre Kinder gewirrt, welche Opfer ihr Herz dem Vatcrlande dargebracht, wie wohlthätig, sorgsam sie als regierende Vormündcrin für ihre Unterthanen thätig, wie beachtungswürdig auch nachher dem regierenden Sohne, wie heilsam ihr erfahrungsreicher Rath dem Lande war, und wie standhaft treu sie endüch, unter der stolzen Willtichr des Unterdrük- kers, auch bei dem Verluste fürstlicher Herrschaft, die Reinheit Tcutschcr Fürstenwürdc bewahrte.
Für die zeitlichen Unfälle und Unbildcr gewährten ihrem hochgebildeten und, sprachenkundigen Geiste Wissenschaften, Künste, stets lebhafte Thcilnahme an ausgezeichneten Gcisteswerkcn Anderer, und bescheidene Schöpfungen des eigenen reichen Gcmüthcs, der ernste Umgang mit göttlichen und menschlichen Dingen, die ehrfurchtsvolle Liebe ihrer Kinder, die Anhänglichkeit ihrer lieblichen Enkel, und ein geselliger Kreis, den sie erheiterte, vielfache Entschädigung. Eine der ältesten Tcutschen Fürstinnen, genoß sie der Hochachtung der vielen befreundeten Fürstenhäuser, und ihren Landcskindcrn erhielt ihre Milde gegen die Dürftigen, und ihr Anblick, ihre Nähe, die wohlthuende Erinnerung an die untergegangene harmlosere Ncichszeit. In ungc- schwachtcr Kraft des Geistes und der Sinne bis an das Ende, gicng sie mit der Zeit fort, achtete sie auf alle wichtigere Angelegenheiten, freute sie sich des Besseren, woher und wie es nur erschien, und reichte ihm gern im Stillen eine helfende Hand. Insbesondere verlangte sie auf das Gelingen der evangelischen Km chcnvcreinigung, und daß die Gemüthcr „zu reinen und überirdischen Zwecken reif seyn möchten." „Schwierigkeiten, äußerte sie 18i7, sehe ich in Menge voraus; Gott gebe sein Gedeihen zu einem Werke, das ihm wohlgefällig seyn muß, weil es gewiß Menschen ersprießlich seyn wird." Nach hergebrachter frommen Sitte der hohen Familie, und zufolge tiefer Einsicht von der Wichtigkeit dieser Pflicht, wohnte sie, so lange es ihre
17) S, königl. Prcuß, Amtedlatt Reg. Bezirk Koblenz 18L2- N. 16.
18) S. k. Pr. Amtsbl- Reg. Bezirk Koblenz, 18ZZ. N. L.
