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Unsere ältesten Ufcrbcwohner. am meisten die Ubier, standen mit den Galliern, schon vor Cäsar's Zeit, in lebhaftem Handelsverkehr, der sich mit den Römern erweiterte. Gegenstände des Rhcinhandels waren : Sclaven, Vieh, hauptsächlich Pferde, Gänse und Gänsefedern, Haute, Menschcnhaare zum Kopfschmuck Römischer Eitelkeit, Honig, Wachs, fernher kommendes Rauchwcrk, Bernstein (Glas). Die Ubier besaßen, bei Eäsar's Anwesenheit, viele Fahrzeuge, und waren, nach Tcutschcm Maaßstabe, reich. Für die einheimischen Güter tauschten sie fremde Bedürfnisse ein, gewannen Gold und Silber, und den Wein lieb, den aber die Sucvcn als verderblich nicht zuließen. Von Metallen achteten die Germanen nur das Eisen, das sie spärlich fanden, weil sie den Bergbau nicht gehörig trieben. Anstatt der ältesten, nur am Rheine gangbaren, Münzen mit Sägcnraud, und mit dein Bilde des Siegswagens (Verraten, Bigadcn)^), bedienten sie sich in der Folge anderes Römischen Geldes, das schon zu Anfang der christlichen Zeit in Teutschland umlief. Hermann bot den Römischen Ucberläufcrn 1U>> Sestcrtien ^). Die Römischen Festungen, hier Koblenz und Andernach, blühten bereits als Handelsplätze, litten aber seit der letzten Hälfte des dritten Jahrhunderts, theils durch wiederholte Anfalle der deutschen, theils selbst durch Römische Beschränkung, wegen Anhänglichkeit an der Sache der Franken, verloren dadurch Freiheiten, und waren zu Ende dieses Zeitabschnitts nur Flecken, die sich kaum erhalten konnten '?>
Von der Sprache, wie sie von den Ubiern, Sigambcrn, Trcvircrn, Katten, zuletzt Franken, geredet wurde, sind keine andere Urkunden vorhanden, als die geschichtlichen Personennamen jener Zeit, und theils die Schriften der nächstfolgenden Jahrhunderte, in welchen unsere Sprache mit ihren Mundarten sich mehr noch gleich blieb, theils in den Benennungen der bleibenden Hauptgegenstände, bei unfern Landleuten. Die Wörter: Rin (Rhein), Lohne, Logane, Loganahe (die Lahn), Stram, Straum (Strom) Über (User), Bongert, Wingert (von Gert, Einzäunung, Baumstück, Weingarten), Gow (Gau), Fare (Familie), Farer und Vatter (Vater), Fece, Väre (Hausfrau), Moder (Mutter), Sun, Dohter, Brothcr, Süster, Thiornc (Dirne), Ink (Junge, Enkel), Mag, (Blutsverwandter), Wif (Weib, b an jedem Wortende wie f), Widdcm (Brautgeschenk), Man, Fruwe, Gote (Pathe, weibliche), Widdid, Hus, Dorp, Leu (Stein), Zitt (Zeit), He, de, os (Er, der, Unser), gehören den verschiedenen Mundarten an, der Sächsischen, als Quelle der Platttcutschcn, Niederländischen, am meisten, zu welcher die Ober- teutschc sich mischte, aus welchen unsere Frankensprache sich zusammensetzte, und werden, wenige ausgenommen, nebst tausend andern von allen Redcthcilcn, noch heute gehört. Die Sprache unserer Altvordern war überhaupt weit kraftvoller, an tonreichcn Lauten und Beugungen der Griechischen viel ähnlicher, als unsere Hochteutsche. Rauh und schauderhaft klangen dem Römer die Teutschen Kricgsgesänge; viele Wörter konnte er nicht aussprechen -»). An dem linken Rhcinufer hatte sich die Lateinische Sprache verbreitet, verstanden wurde sie auch diesseits; die Frankenherrschaft rottete sie wieder in dem gemeinen Leben aus, >» den Kirchen aber und in obrigkeitlichen Dingen wurde sie beibehalten.
Von eigentlichen Wissenschaften kann hier noch keine Rede seyn. Nur jenseits in dem Trierischen Lande herrschte Römische Bildung, und in Trier blühte seit dem Ende des dritten Jahrhunderts eine Gc- lehrtcnschule. Was unsere ältesten Vorfahren wußten, war durch Umgang mit den Gallischen Nachbarn, die durch frühere Verbindung mit Phöniciern, Karthagern, Griechen und Römern vielfache Kenntnisse erhalten hatten, und durch Erfahrungen, gewonnen. Die Römer rühmten an den Tcutschen den lebhaften Geist, Verstand und Scharfsinn "), die Schrcibkunst und das Lesen in Griechischen und Lateinischen Buchstaben verstanden wenigstens Priester schon zu Cäsar's Zeit "). Schöne Künste fanden die Römer bei den Teutschcn nicht, nur daß die Schilde bemalt wurden, desto mehr aber, zu ihrer Verwunderung, gemeinnützige Geschicklichkeiten; das Formen irdener Gefäße, das Eiscnschmicdeu, das Einfassen der Aucroch-
35) ?2cit. (3ei-lli, 5. 36) T'ilcit. I, o. c. 1Z, H,nna1. II., 12 5^.
37) S. H>,schei's Skizze -c. 38) l'acit. Cei-»,. 30. 39) ?. iVIrla III , 3.
40) ^>I. Kne«. V., 48. VI. 14.
