23

derlahngau, von dem der Einn'ch (Hayrich) ein Thcil war. An den Nicdcrlahngau granztc jetzt der Engers- gau gegen Osten, gegen Norden an den Havel- und Honnef- (Huncphe- oder Siegbcrgcr-) Gau, in wel­chem Asbach, Windhagen (Winthain), Pläßen, Unkel, lagen; gegen Abend und Mittag an den Rhein, wo er sich unter Linz, dem Argau (Archgau) gegenüber, längs dem rechten Nhcinufer bis an die Lahn, an den Ardebach, jenseits Ems, über die Höhe von Montabaur und an die Quellen der Wicd bei Drcifeldcn, er­streckte. Er umfing demnach die ganze Wicdbach, die in westlicher Nahe von Hachenburg, bei Drciscldcn entspringt, und dort aus großen Fischweihern genährt, in weitem Bogcnlaufe von mehr als zwanzig Meilen, durch die Gcbirgsticfen, bis an die nördliche Gaugränze abschweift, dann, südwärts gewandt, den Rhein er­reicht. Die schärfere Begränzung der Gauen geschah erst unter Karl dem Großen. Unser Thal belebten vornehmlich Koblenz und Andernach, wo Könige mit zahlreichem Gefolge, wie Childebert II. 695. Theodo­rich IV. 721, Karl der Große 807, Ludwig der Fromme 823, die schöne Jahreszeit genossen. Auf ihrer Burg zu Andernach sitzend, konnten sie aus dein uorbciströmcnden Rhein den Salm an der Angel cmporziehen -). Die nahen Bcrgavhange grünten mit Wcinlaub; die Ebene umher durchwalltcn verschiedene Gctraidesaatcn, bedeckten Erbsen -, Linsenfcldcr. Unter Karl dem Großen wurden die Weinpflanzungcn am Rhein mit Neben aus Frankreich und Spanien veredelt und vermehrt; es blühten Pflaumen-, Zwetschen-, Pfirsich-, Kasta­nien -, Mandcldäumc. Mohnsaame lieferte Ocl, und fleißiger, vom Kaiser Karl befohlener Anbau der Waid­pflanze 2) gab der Wolle die Blaufarbe. Die Feldstücke waren in Manscn, oder Hufen (Hüben) von zwei Morgen, eingethcilt; mehrere Manscn und Mansmatten (Wiesen) machten ein Landgut (Villa) aus.

Die Landwirthschaft besorgten, wie früher, Leibeigene, Knechte und Freigelassene. Diese trieben auch Handwerke und gemeine Künste, Die Kunst, Getraidcmühlcn zu bauen, hatten die Tcutschcn von Römern erlernt. In den Mcycreycn (Villen) wurde Bier gebaut. Karl der Große legte an den Königshöfcn Ar­beitshäuser an, wo Kleider und Gcrathe für den Handel verfertigt wurden. Die freien Franken zu bürger­lichen Gewerben zu gewöhnen, hielt schwer. Daher blühte auch der Handel weit langsamer auf, als es durch des großen Karl Unterstützungen hatte geschehen können. ^Dcn größten Handclsvorthcil genossen Ju­den. Zu den Orten, die dieser herrliche Fürst als Handelsplätze heben wollte, gehörten auch Koblenz und Andernach ^). Neue Zweige des Handels waren, zur Ausfuhr: Getraide, Wein, Vieh, Tuch, und so­gar Kinder. Eingebracht wurden: Gewürz, Seide, Pelzwerk, Edelsteine. Am besten gediehen Handwerke, Künste, Ackerbau, Handel, in Klöstern, wo Acbte und Bischöfe ihnen Schutz und Sorgfalt verliehen, und die Betriebsamkeit durch Wohlstand ermuntert wurde ^).

Von Geld hatte man den goldenen und silbernen Schilling (Solidus), jener galt 40, dieser 12 De­nare, der Denar 10 Pfennige, oder Kreuzer, die mit einem Kreuz und dem Namen des Landeshcrrn bezeich­net waren. Das Gewicht blieb das Römische, und ward vom Rhein aus in ganz Teutschland gewöhnlich.

Vor Mangel an Lebensmitteln war aber, bei zunehmender Bevölkerung, nicht hinreichend gesorgt, und die vielen grausamen Kriege verwüsteten oft ganze Aerndten. Hunger und Seuchen rafften viele Men­schen weg. Ein neues Uebcl, die Pest, durch Kricgshecre aus Italien gebracht, um 655, tödtcte in dem Trierischcn Lande und an dem Rhein in den Jahren 566, 583 bis 590 Tausende. Inzwischen belebte doch zunehmende Wohlhabenheit in unscrn Gauen den Sinn für Bequemlichkeit, Schönheit und Prunk, und all» niälig für Wissenschaften und edlere Künste. Karl der Große warnte schon die Teutschen Franken vor modischer Annahme der Gallischen Kleidung, damit ihnen diese nicht die Herzen dafür entwenden möchten. Der Arme kleidete sich nur in Leinwand und Hanfgewcbe, die Reichen auch in Wollentnch, Seide und

, >

2) Venmniii5 ?oi-tniiHw5.

3) In den Eapinilaricn - N'mzäll, YuaiLäium, Hueäa, N'eäe genannt. Ql25«ar. äu Oanxe.

4) Damals ^ulircuaeiini, H,ntviuacl> genannt.

2) TcKKnrt. llmninent, äe reb. ?i'llnc. oi-wu, 1. Skizze einer Cutturgeschichte der Teutschen Stibte vonHuschcr.