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1057
als minderjährig, von Hermann von Luxemburg bevormundet, der Pfalzgraf zu Aachen ward, und auch einige Zeit die Rhcinpsalz verwaltet zu haben scheint, bis Heinrich sie antrat.
Von diesen ersten Pfalzgrafcn, als Erbvoigtcn des Rheins ^«), empfingen die Grafen von Wicd, Iscnburg, Saun, im Namen des Tcutschcn Oberhaupts, den größten Thcil ihrer Landeslchcn, die auch bei allen folgenden Fürsten von der Pfalz blieben. Die Isenburg und manche Wcttcrauische Güter, wurden Lehen der Abtei Fulda.
Die Söhne Gerlach's, Grafen von Isenburg (S. b. 966.), Gerlach II. lind Neindold I., nennen sich in verschiedenen Urkunden, die 1042 das Stift St. Simon in Trier, und 1070 das Florinsstist in Koblenz betreffen "),
Gerlach scheint an dem östlichen Gcbirgsfuße in unserm reizenden Nhcinthale auf dem Grunde eines zerstörten Nömcrgutes einen Grafensitz erbauet zu haben, nach welchem sich seine Erben Herren von Romers- dorf nannten.
Die Herrschaften der Grafen von Wicd, die Vater der am Ende dieses eilften Jahrhunderts lebenden Brüder Mettfried von Wied und Richwin von Kcmpenich, waren ohne Zweifel jetzt bereits zu dem Ansehen gediehen, in welchem sie bald nachher erscheinen. Sie möchten sich wohl, wie weiterhin zu zeigen ist, an die Nachkommen Richwin's II. (S. unter 1011.) von Luxemburg, und an das Ripuarische oder Lothringische Geschlecht der Mettfricde anreihen lassen, wenn nicht auch hier der Mangel an Nachrichten von den weiblichen Gliedern hoher Familien, in dem Mittelalter, zu beklagen wäre.
Seit 1-024 hatten bis 1056 zwei Teutsche Könige von dem Salischfrankischcn Herzogenstamme, Konrad II. und sein Sohn Heinrich III., das Zeitliche verlassen. Uebcr des letzten fünfjährigen Sohn und Kroncrbcn, Heinrich IV., wurde in unserm Rhcinthale mancherlei Unglück verhängt. Der vielversprechende Prinz genoß nur kurze Zeit das Glück, von seiner Mutter, der würdigen Agnes, eben so weise erzogen zu werden, wie sie dem Tcutschen Reiche als Verweserin vorstand. Die Großen aber, durch der Kaiserin Selbstständigkeit in der Erwartung, nach Willkühr schalten zu können, getäuscht, gicngcn zu Nathe, wie sie eines Weibes Macht über sie unterdrücken, und Hcinrich's Geist schwächen könnten. Zu diesem Zwecke versammelten sich auch in Andernach der kluge und herrschsüchtige Erzbischof Hanno von Köln, Eberhard von Trier, der Pfalzgraf Heinrich von Aachen, Gottfried von Lothringen und andere.
Währcno dieser hohen und glanzvollen Versammlung ereignete sich, nach der Sage"), folgendes Wunder in Andernach. Die Einwohner vou Güls, bei Koblenz, wurden seit längerer Zeit von einem stolzen und habgierigen Voigt, den der Pfalzgraf Heinrich über sie gesetzt hatte, nicht nur in ihren besonder» Rechten und Freiheiten, die sie als Verwandten des heiligen Scrvatius genossen, gekränkt, sondern mußten ihm noch täglich größere Opfer bringen. Sie beschlossen daher, ihre Klagen und Bitten vor die hohe Versammlung in Andernach zu bringen. Der Voigt suchte sie zwar durch furchtbare Drohungen zurückzuhalten; aber ihre Abgeordneten gicngen doch dahin. Der Voigt folgte ihnen auf dem Fuße nach, in schimmerndem Aufzuge. Von Zorn und Hoffahrt aufgeblasen, ritt er auf einem stolzen Rosse, das, mit gestickter Purpurdecke belegt, an Stirn und Brust mit Geschmeide behangen, ganz nach Art seines Herrn einherschritt.
In dem Gefolge der Fürsten gab es zur Ergötzlichkeit auch wilde Thicre, unter diesen lag an der Straße, wo der Voigt vorbeireiten wollte, eine ungeheure Bärin angebunden. Sobald diese den Reiter erblickte, riß sie sich, scy es von Raubgier, oder von höherer Macht angereizt, los, stürzte auf den Voigt, warf ihn zu Boden, und zerfleischte ihn, ohne von der Beute etwas zu verzehren, und kehrte zu ihrem Führer zurück, als hatte sie bloß einen Rachedicnst vollzogen. Der Vorfall ließ die Fürsien nicht zweifeln, daß die Beleidigung des heiligen Servatius diese Strafe nach sich gezogen habe.
16) llic>5,,nni (3erin. ?rinoep5 1^,. V. 13) Lrovvei-i ^mi. 1>ev.
17) Nontli. Ni5t. Irev. 1.
