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Für Kirchen und Klöster Vermächtnisse zu hinterlassen, war ein verdienstliches Werk. Diese Stiftungen bewahrten noch unsere Religion, bildeten den Geist des Volks, hüteten die Schatze der Wissenschaften, und gewahrten in rauhen Zeiten den zarten Himmelskindern Schutz und Pflege. In mancher dieser Hinsichten hatte sich auch unser kleiner Umkreis der Abteien und Klöster Laach, St. Thomas, Nomcrsdorf, Saun, St. Ka- tharincn, des Fraucnklostcrs zu Kcsselheim'), und der Minoritenstiftcr zu Koblenz und Andernach, zu erfreuen, weniger in Betracht gelehrter Wirksamkeit; Laach, Romcrsdorf und das Wicdischc Gut Schwarz-Nhcindorf waren zwar der Regel Benedict's gewidmet worden, dessen Orden sich um Wissenschaft und Schulen sehr verdient machte, in dem zwölften Jahrhundert aber wurden die Prämonstratcnser beliebter. Eine eigene Art zurückgezogenen Lebens führten die, am Rhein herauf, auch in Koblenz sich ansiedelnden Begarden und Begghi- nen, von ihrem Urheber L. Beguc im zwölften Jahrhundert genannt, deren kleine Gesellschaften in verschlossenen Hausern wohnten, die ein weißes Kreuz bezeichnete. In dunkel» Kleidern, die Frauen mit weißen Schleiern, nährten sie sich durch Handarbeit, und begruben zur Pestzcit die Tobten.
Wie viel auch unsere gräflichen Hauser für fromme Stiftungen thaten, bezeugt die zurückgelegte und die folgende Geschichte.
So lebendig und kräftig aber der christliche Glaube auf die Mehrzahl der Gemüthcr wirkte, und den hohen und zarten Sinn des Nittcrthums erzeugte,' so sehr mangelte noch die Vcrstandcserleuchtung in natürlichen Dingen. Es quälte ein gräßlicher Aberglaube das arme Volk mit Furcht, Schauder, Entsetzen vor tausend unschuldigen Dingen und Oertcrn, die jene Wesen und Kräfte der Geistcrwelt enthalten sollten, durch welche diese, so ganz der irdischen entgegengesetzt und doch so wun crbar, wie Leib und Seele, mit ihr verbunden, sich uns Kindern der Erde durch alle Zeiten, nur unter verschiedenen Formen ankündigt, den Christen von Naturkcnntniß zu weiser und trostvoller Erhebung, den Unwissenden zu Bcthörung und lahmendem Grauen. Es gab unter der lichten himmlischen Gcistenvelt in der, aus dem Heidenthum und dem Morgenlande seit den Krcuzzügen überfüllten, Phantasie, auch eine finstere unterirdische, deren Wesen auf der Erde und in ihrem Dunstkreise schadenfroh schalteten. Mit dem Beherrscher der Holle wurden Bündnisse geschlossen, Zauberer und Hexen, seine Genossen und Vasallen, nach Feuer - und Schwimmprobe, verbrannt, Feen beglückten ihre Lieblinge mit Schcingütcrn, und verwandelten Menschen in Ungeheuer, Truggeisicr täuschten in Menschengestalt, durchzogen Wälder, spukten als lustige Kobolde, wohnten in Burgen, hausten in verlassenen Besten als geharnischte Ritter, tauchten als Nircn in Gewässern auf, und lockten durch schwimmende Ringe und Becher Jungfrauen, Mütter und Kinder hinab, schwirrten in Fcuergestaltcn umher, stifteten Brande und Ungewittcr, verkündeten als Vögel Tod und Pest, verriethcn durch blutende Wunden des Erschlagenen den Morder, und tbeilten ihren Günstlingen Wunderkrästc mit. So gicng die Sage am Nicdcrrhcin, der gelehrte Mönch Albert der Große, habe zu Köln dem König Wilhelm 1248 am Drei-Königstage bei Schnee nnd Kälte in dem Garten am Predigerkloster durch Schwarzkunst plötzlich heitern Himmel, Frühlingsluft, grünen blumigen Boden, Vögclgesang auf frischbelaubten Bäumen, und ein köstliches Mahl, von seltsamen Wesen bedient, daher gezaubert ^). Bei Drci- fcldcn in den Quellen und großen Weihern der Wicd, hatten Nymphen ihr arges Spiel, In dem Magdbom daselbst zeigten sich drei schön gewundene Hörner, der angebliche Preis sür drei reine Jungfrauen. Es stellten sich drei, die eine gewann eins, die andern zog es auf immer in die Geisterticse hinab "). Vorzüglich war der Laachcr See als Sitz von Wassergeistern verrufen und gefürchtet. Andere Anzeigen des Verborgenen, und Zukünftigen sieng man an, aus den Verhältnissen der Firsierne und Planeten zu lesen. Freunde der Astrologie waren Gelehrte und Hohe, unter diesen der Kaiser Friedrich II.
Ob sich gleich zu diesem schauerlichen Aberglauben noch so vielfache äußere Noth gesellte, die mit dem Anfange des cilften Jahrhunderts die Fnrcbt vor dem nahen Ende der Welt verbreitete^), Kirchen und
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9) l'ulue'-i <Doä, clipl, ?al, Urk. Jahr 966. 10) Lehmanns Spciersche (Thron.
11) Pf^rreiberichtt im Archiv r, Neuwied. S. von Debcnect, des Tcittschin Mittelalters Volksglaube und Hcxcnsagen.
IL) Wytt.'nb, Gesch. ren Trier B. II. 29, 9.
