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den, als die ketzerischen Verbrüderungen unter Adelichen und Bürgern, gegen welche auch Balduin eiferte; namentlich Albigcnscr, Waldenser, und die Hüttenbrüderschaft.

Solche Absonderungen von dem katholischen Kirchenwescn waren bei Nachdenkenden Folgen der tiefen Sittenvcrdorbenheit, in welche die Geistlichen und die Kloster versunken waren. Die Bcttelmönchsorden der Dominikaner, Franziskaner, Carmcliter, die sich zu ihren Einsiedeleien auch den sogenannten Kamillenderg in unserer Nähe erwählten, und Augustiner, von den Päpsten sehr begünstigt, durften nach Willkühr in den Pfarreien lehren, Gaben sammeln, und mit papicrnem Sündenerlaß Handel treiben, dessen Gewinnst in päpst­liche und erzbischöfliche Kassen floß. Die Kämpfe mehrerer, gleichzeitig von ihren Partheicn erwählten Päpste wider einander machten sie allgemein verächtlich, und lös'ten die Bande der Ordnung und Zucht auf. Vergebens bemühten sich die Bischöfe von Trier Otto und Balduin, durch Synodalvcrordnungen, der Vcr- derbniß Einhalt zu thun. Das sittenlose Leben der Geistlichen um das Jahr 1423 in unsern Städten und Dörfern wird von dem Abt Johann von Trittenheim mit grellen Farben aber wahr dargestellt °). Wie schlecht es auch in unsern Abteien zugehen mochte, vcrräth das beigebrachte Zcugniß über Romersdorf, von dem Jahre 1500, und von der Aufführung dieser Geistlichen läßt sich auf den Zustand der Wicdischcn Ge­meinden schließen, die von denselben bedient wurden.

Wenn solche Verletzungen der geistlichen Würde auch einem Grafen Wilhelm von Wicd, Probst zu Aachen, zu Schulden kommen: so ist an den meisten Gliedern unserer hohen Geschlechter, doch die schönste Frucht des Mittelalters, ein ritterlich biederer Sinn, und glaubcnsvollc Ergebung nicht zu verkennen, die sich noch zu Ende unseres vorigen Zeitraums durch milde Stiftungen erwies.

Die Entfremdung von frommer Züchtigkcit, hoher Nittertugcnd, und Selbstverleugnung für heilige Endzwecke, mußte den Ncichthum zu sinnlicher Genußgicr, zu eitler Schcinsucht in wechselnden Klciderfor- wen, und zu übertriebener Pracht mißbrauchen. Nach der großen Pest, sagt die Liniburgcr Chronikda sieng die Welt wieder an grünen, zu ledbcn und freudig werden; es machten die Männer ucuwe Kleidung, die Rocke mit Namen waren undcn ohne Girncn, und sey waren auch nit abgekurtzct, sondern langk, und so enge, daß ein Man nit woll darin geschrcitcn mochte, und sey gicngen eine Spann und er die Knicben, da giengen auch ahn die Schneffclschug. Die Frauwen trugen neuwe weite Haubtsinstcrn, also daß man Ihre Brüste und Dutten beinahe halb sähe. Wiedcrumb ouch machten die Manne Rocke kurz eine Spanne under die Gurtcll, ouch trugen sey Heuckcn, die waren alle rundt, und gantz, die hiesche man Glocken, die waren weidt, lang, und ouch kurtze. Von der Waffcnkleidung um 1351 heißt es: Hohe und Geringe wa­ren gewapnct mit Platten, und ouch die Bürger mit ihren Wapenrocken darüber zu stürmen und zu strei­ten, mit Schossen und Lipeisen, das zu der Platten gehörte und ihren gekrönten Helmen; darunder hatten sie kleine Bandhaubcn. Und führt man ihnen ihr Schild und ihre Tarschen nach und Glenc. Und die gekrönte Helm führte man ihnen nach ouf einem Globen. Und führten sey an ihren Beinen Streichhosen, und darüber große weite Lcrsen. Auch führten sey Beingcwand, das war vorncn von Leder gemacht, also Armledcr oder also von Syreck gestipt, und eisen Böcklcin vor den Knieen.

Die alte Leute mit Namen trugen lange und weite Kleider und hatten nit Knaufs, sondern an den Armen hatten sey vier und fünf Knauff. Die Aermcl waren bcscheidentlich weit. Dieselben Röcke waren um die Brust oben gemutzert und gcstutzcrt, und waren vorncn aufgeschlitzt bis an den Gürtel.

Die junge Menncr trugen kurze Kleider, die waren abgeschnitten auf den Lenden und gemützeit und gefallen mit engen Armen. Die Kogeln waren groß.

Do gicng ouch ahn, daß die Mcnner sich vorne, hindcn, und in den Seiren zuncsscltcn, und gicngen hart gespannen. Die junge Mcnner trugen gcmcinlich gckncufftc Kuglen, als wie die Frauwen, 1362 ver­gangen die große weite Plodcrhosen und Stieffcln, die hatten oben roth Leder, und waren vorhaucn, und lange lcderfen mit langen Schnäbeln. Vom Jahre 1389 wird geschrieben: Frauen und Jungfrauen, Edel

8) Qpp. 8i>n-it!i2?. KIoZunt, 1604. Lill'ver. H,!!N, 1'. II, ^ritliem, ^unnl. Ilirsllu. ?, II.