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15.1.

Zu der Wahl des Kaisers Karl V. hatte der angesehene Ritter Franz von Sickingen durch seinen Einfluß auf die Kurfürsten nicht wenig beigetragen, in der.Hoffnung, daß durch diesen Kaiser Luther's Sa­che werde gefördert werden. Mit Sickingen hatten sich für Luther die meisten Fränkischen Ritter verbun­den, unter andern der mächtige Sylvester von Schaumburg, der gelehrte Ulrich von Hütten, und der Rit­ter Hartmuth von Kronedcrg, Sickingcn's Schwiegersohn. Ein anderer Hebel zur Stimmung der Kurfür­sten für Karl, den Kurfürsten Richard von Trier ausgenommen, welcher aus bedeutenden Gründen den Kö­nig Franz I. von Frankreich vorschlug -), war Spanisches Gold, das ihnen dargeboten wurde. Friedrich der Weise von Sachsen schlug es mit Unwillen aus. Ob es der Kurfürst Hermann von Köln angenom­men habe, ist nicht bekannt. Nahm er es: so mag er es wohl zu dem edlen Zwecke verwandt haben, daß er der Hungcrsnoth in seinem Erzstift steuerte; denn dieses hatte keinen wohlthätigeren Fürsten gegen die Armen gehabt. Er half jetzt auch den Kurfürstenvcrein zwischen Pfalz, Mainz, Trier und Köln errich­ten. Dem neuen Kaiser überreichte Hermann den 23. Octoder zu Aachen ein Schwert und Zepter, salbte und krönte ihn "). Nach der Krönung Karl's V. verweilte, nebst andern Tcutschen Fürsten, der Kurfürst Friedrich von Sachsen im November zu Köln, und besprach sich dort mit dem gelehrten Erasmus über Luther'n, von dem der weise Fürst schon 1619 in einem Schreiben an Erasmus erklärt hatte, daß er in Luther nicht allein den Menschen, sondern die Sache schütze, und den, der Belohnung verdiene, nicht strafen lassen könne °). Als der junge Kaiser Luther's Schriften auch in Köln verbrennen liest, wiewohl er es nachher in einem Schreiben an Friedrich den Weisen mißbilligte, und der päpstliche Legat diesem Fürsten ansann, dasselbe zu thun, so crwicdcrte dieser: erst müßten jene Schriften mit Vernunft und aus heiliger Schrift geprüft werden; dem Kurfürsten aber möge man nichts zumuthcn, was er nicht mit Ehren thun könne.

Und nicht nur hochgeachtete Gaste zu Köln sprachen solche frcimüthige Urtheile über die große An­gelegenheit der Religion aus, sondern unter den Einheimischen der crzbischöflichen Stadt selbst gab es be­reits unbefangene Denker. Vor dem Reichstage zu Worms gab der Dominikaner-Prior zu Köln, Jo­hann Faber, den Kurfürsten von Mainz zu erwägen, daß, wenn die, welche Luther's Lehren angriffen, ihre Sitten nicht änderten, sein Unternehmen nicht werde unterdrückt werden, sondern Steine und Hölzer schreien würden, Mit Bann und Acht scy hier nichts ausgemacht; sondern durch gelehrter, unparthciischcr und got- tesfürchtiger Männer Untersuchung geschehe dem Bruder Martin Recht, und dem Volke beruhigende Gnü- ge «). Wurden solche Aeußcrungcn auch von den Gewalthabern nicht beachtet, in Hcrmcmn's wahrheitlic- bendcs Herz sielen sie als fruchtbare Keime neuer Uebcrzeugungcn und edler Unternehmungen, Aus un­fern Häusern fanden sich auf dem Reichstage auch zwei Grafen uon Iscnburg ein ?). Hermann nahm keinen Antheil an den Bemühungen des Kurfürsten Richard (Rcinhart) von Trier, Luther'n in Worms zur Widerrufung seiner Schriften zu bewegen; noch weniger glaublich ist die Angabe, daß Hermann zu dem Wormser Edict gcrathen habe °); er verbot zwar 1Z23 nach einer Synode, in seinem Erzstift die Verbrei­tung derselben; aber von dieser Zeit an dachte er auf eine Verbesserung der Kirche und der Sitten der Geistli­chen, wie er zwei und zwanzig Jahre später öffentlich gestand ').

Auch Hcrmann's Bruder, der regierende Graf zu Med Johann III, befand sich auf dem Wormser Reichstage. Er wurde in der erneuerten Rcichsmatrikel mit 11 Mann zu Fuß und 1 Reiter für das West- phälische Kreiscontingent angesetzt. Für seine Ansprüche auf das Kirchspiel Hcimdach und seine kirchlichen Rechte zu Weiß, Heimbach und Gladbach (S. 1516) erlangte Graf Johann III. eine Bestätigung von dem Kaiser,

Gelehrter, ging zur evanaeli'chen Kirche über, wie auch seine Aeltern, und führte in der Grafschaft Mors die Refor­mation ein. Z) Wyttenbach's Gesch. von Trier, B III.

4) ^r>>, ?>Ie«1i«r Hizr. eielect, Hennninii, ()ll?. 15ZY. Z) Zeo^euä. de Lntli. 1^,, I,

6) 8eo'!<!i,,I. I. 5, 8ct. 37. ?) S.vuther's Werte 3, Th.

8) 8i,ri,,5, c?llne^lleu«. 9) 8eoKenä, I., III. 8<^t. Z7. Vnnialeon ill»5trinni Qerninuiae virorum ?ro«op0.

ßi'apIiiH 2il«il.