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es ihm, nach seinem Willen Männer dazu zu erwählen. Die Geistlichkeit schloß Hermann von dieser Be- rathung dcßhalb aus, weil sie ihm schon früher widerstrebt, sein neuestes Beginnen an den Papst berichtet, und eben von Paul III. ein Vrcvc vom ersten Februar empfangen hatte, in welchem sie zur Standhaftig- keit ermahnt wurde. Ein ähnliches gelangte an den Bürgermeister und Rath der Stadt Köln:Hermann der Abtrünnige, heißt es darin, Euer Erzbischof, wenn er dieses Namens noch wcrth ist, wagt es eure Kirche umzustürzen. Widerstehet ihm mannhast, und lasset nicht ab, mit allem Eifer und Fleiß ihn zu überreden, daß er von einem so großen Verbrechen abstehe. Dcßwcgen ermuntern wir euch Söhne und bitten durch den Herrn Icsum, der jetzt in euch wohnt, daß ihr in der angefangenen Treue beharret, auf daß nicht die lutherischen Prediger, welche suchen, den sie verschlingen, in eurer Stadt predigen und das Volk verführen können" u. f. w. ^).

Hermann trug Buccr'n auf, die Hauptstücke der evangelischen Lehre niederzuschreiben.

Am zehnten des Aprils hatte Mclcmchthon in Wittenberg von dein Kurfürsten von Sachsen Urlaub erhalten, während der Ostcrferien der Universität, nach Köln zu reisen, und, obgleich der Kurfürst von Köln die Reisekosten vergütete, so gab ihm sein Landesherr doch noch 100 Gulden Reisegeld, und zwei bewaffnete Reiter zu Begleitern mit. In Kassel ließ der Landgraf Philipp seinen Hosprcdigcr Pistorius noch mit ihm reisen. In den ersten Maitagcn kehrte Mclanchthon bei dem Grafen Johann IV. zu Wicd ein, der sich auch in der Folge schriftlich an ihn gewendet hat ^°), und eilte von hier nach Bonn. Auch Doctor Hedio kam von Strasburg dahin. Mclanchthon beschrieb den 9ten Mai seinem gelehrten Freund Camerarius den Eindruck, den der'kirchliche Zustand im Kölnischen auf ihn gemacht hatte: man könne nicht ohne Thräncn die Gebrechen der Kölnischen Kirche sehen, da täglich noch die Volksmenge zu den Bildern eile, worin die Religion des Pöbels bestehe. Daher wünsche der greise Fürst so dringend eine gute Verbesserung der Kir­che. Nur wenige aber unterstützten den Erzbischof; Köln widersetze sich; hie und da finde sich ein wohlge­sinnter Mann. Das Werk gehe daher langsam von Statten. An Luther schrieb Mclanchthon den 19tcn Mai: der Erzbischof Hermann wolle, daß die Form der Lehre und Gebrauche nach der Nürnbergischcn Kir­che eingerichtet, und der schriftliche Entwurf ihm zur Einsicht vorgelegt werde. Er wolle reine Lehre, Auf­hebung derjenigen öffentlichen Gebrauche, die mit der Lehre strittcn. Die Canoniker aber hörten nicht auf. dagegen zu eifern; obgleich auch unter ihnen gemäßigte scyen, und andere zurückhielten; die wüthendstcn drohten dem Erzbischof mit Ausstoßung. Daher habe der Landgraf an sie geschrieben, daß er und seine Verbündeten den Erzbischof schützen würden. Die übrigen Städte, außer Köln, und der größte Theil des Adels wünschten eine heilsame Einrichtung der Kirche. Pistorius und Vucer predigten rein und bei großem Zulaufe. Auch in den benachbarten Städten und Dörfern lehrten evangelische Prediger und verwalteten die Sacramcnte schriftmäßig u. f. w. Vuccr, Pistorius und Hedio predigten während des Sommers flei­ßig in Bonn, Kempen, Mclcne, Buschhoven, Linz, Andernach; leider aber drückte das Vo^k seinen Beifall an ihren Vortragen durch Wcgräumung und Zerstörung der Heiligenbilder in den Kirchen aus; am zügello­sesten geschah dieses in Linz und Kempen. An dem letzten Orte entstand noch im September ein Aufruhr, als die Menge, nach der Predigt von einem unbekannten Evangelischen, ein Marienbild und eine Mon­stranz aus der Kirche thatcn, und ein katholischer Priester schrie: die Leute sollten sich doch nicht von einem Ketzer irre machen lassen «').

Zu Anfang des Iunius war die Verfassungsschrift für die evangelische Lehre und kirchliche Gestal­tung, unter Melanchthon's und Vucer's uncrmüdctcn Händen fertig. Der Erzbischof °») ließ sich, in Ge­genwart seines Coadjutors, Grafen Adolph von Schaumburg, des Dccans Grafen Heinrich von Stolberg,

65) I^i-i-nZ, Oelen. Mii5«-. Onlnn. Lg) Otroni« IVIelanäri Zci-ipr.

67) Archiv zu Neuwied.

68) Co erzählt Melanchthon in einem Schreiben aus Erfurt vom Uten Aug. G- Klelanclirl!. ^,i«t. 26 llarnsrar. I.. IV. ex. (^ciV. ol Le^enä. Q. III. 8cr, L7.