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und einig« anderen vorzüglichen Männer, von Melanchthon und Bucer, an sechs Vormittagen vier Stun­den hindurch, vorlesen, hörte höchst aufmerksam zu, sprach über die meisten Stellen so würdig, und mit so scharfem Urtheil, daß die Verfasser manches mit Recht änderten; bisweilen zog er ihre Gründe den scinigen vor. Melanchthon bewunderte die Ausdauer und den Fleiß des Fürsten, und erkannte, wie ernstlich ihm die Sache angelegen war, und wie meisterhaft er sie verstand. Hieraus versammelte Hermann (d. Wstcn Juni) die Geistlichen des Capitcls, unter welchen erlauchte und mit ihrem Fürsten einverstandene Männer waren, Grafen, Ritter und Abgeordnete der Städte, um ihnen das Neformationsbuch zu genauer Prüfung vorzulegen. Die weltlichen Stande beschlossen die Einführung mit großen, Beifall, und ersuchten das Dom­kapitel, gegen den Erzbischof nichts weiter zu unternehmen. Die papistische Clerisev aber war durch die Ge­walttätigkeiten der Bilderstürmer, die der Erzbischof nicht verhüten konnte, so erbittert, hing so fest an dem Alten, und fürchtete den Verlust eines reichlichen Einkommens und gemächlichen Lebens so herzlos, daß sie vor allem die Entsernung Bucer's und seiner Mitarbeiter verlangte, Bedenkzeit foderte, und sich allein bcra- thcn wollte. Hermann durchschaute ihre Absichten, gab ihr jedoch Zeit, und versprach die evangelischen Leh­rer zu entlassen, wenn sich gegen Lehre und Leben derselben mit Grund etwas sagen lasse.

Erste Anmerkung. Der Titel dieses Reformationsbuchs heißt:Ben Gottes genaden unser Hcrmans Erzbischofs zu Cöln und Chiirfürsien :c. einfältiges bedenken, warauff eine Cbrisiliche, in dem Wort Gottes gegründete Reformalien, an Lehr, brauch der Hevligen Sacramenten und Zeremonien, Seelsorge und anderen Kirchendienst, bis uff eines freyen, Christliche», Gemeinen, oder Naiionals-Concilio, oder des Reichs teutscher Nation Stende, im Heyligen Geyst versamlet, Verbesserung, bei denen, so vnsrer Seelsorge befolhen, einzurichten seye. 154Z Fol, Bonn gedruckt durch Laurentium uan der Müllen. Motto 1 Ierem, C. 6, 16, Apostelgesch. C. 20, 2^, nebst beigefügten Insignien des Fürsten. Der erste Druck wurde zu Bußhouen besorgt. In dem folgenden Jahre wurde das Buch zum zweiten und dritte» Male aufgelegt, und 1545 erschien bei van der Mühlen (Mvlinsl in Bonn eine lateinische Uebersetzung. In dem Vorberichte heißt es:Wir Herman von Gots gnaden Erzbischof zu Cöln, des Heiligen Römischen Reichs dura) Italien Erzcanzler und Churfürst, Herzog zu Wesiphalen und Engeren, Admi- nistrator zu Paderborn u, s w," Jedermann wisse, wie der Kaiser den Religions-Zwiespalt habe bei­legen wollen, und einen gemeinen chriülieben Vergleich und Reformation der Kirche durch Teutschland einführen. Vergebens, Der Kaiser habe am jüngsigehallcnen Reichstage zu Regensburg, nebst dem papstlichen Legalen, allen geistlichen Prälaten ausgelegt und befohlen, eine christliche Reformation vorzu­nehmen und aufzurichten, »Zu dem haben die Stande unser» Erzstifts auf etlichen gehaltenen Landta­gen nns um Aufrichtung einer Christlichen Reformation gebeten, Und dann wir selbst auch die höchste Notbdurft dieses Werks mehr und beschwerlicher finden. So haben wir zu schuldigem Gehorsam gegen Christo den Erzhirten, auch gegen unsre zeitlichen Obern nach unsrer Einfalt und den Gaben des Herrn, und Verathfchlagung mit gelehrten und gottesfürchtige» Leuten, eine Form bedacht. Und mögen uns mit Gott unserm Schöpfer, der die ewige Wahrheit und ein Erkcnner aller Herzen und Ge­danken ist, bezeugen, daß wir allein die Ehre des Allerhöchsten und Wohlsahrt, Heil und Secligkeit der Unsern suchten, Geben zu Bußhoven '543."

Bedeutende Hauptgedanken in den 5o. Capitcln der Abhandlung sind: Das lautere Wort Gottes soll gepredigt werden, Menschenwort ist Lüge. Menschliche Lehrer irren. Die heilige Schrift ist der einzige Grund für allen gonseeligen Verstand. Prediger sollen sich allen weltlichen Geschäften und Hän­deln, so viel möglich, entziehen, gründlich lehren und halten auf das feste prophetische Wort, crmahnen, trösten, strafen die Widerfprecher, überzeugen mit Gründen der Schrift. Vor der Predigt soll ein Bibelabschnitt verlesen und darüber gepredigt, nicht aber über ein oder zwei Worte, und abgefchwelft, der Lection vergessen werden. Der Glaube soll und muß allein auf Gottes Wort bestehen. Alle Pre­digten sollen auf unsern Herrn Ehrisium gerichtet und in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden. Es ist große, schreckliche Abgötterei, tobte Menschen und Bilder anzurufen, Gottes Gewalt oder Wirkung soll man an nichts binden, Die Sünde ist Abwendung von Gott, und geschieht aus eigenem Willen. Christo, unserm Herrn, dem ewigen Sohn Gottes, soll die Ehre allein bleiben, daß er Vergebung der Sünden uns verdient habe, die wir durch Glauben und Vertrauen auf ihn erlangen, Wer nicht das Heil gänzlich und allein von Christo erwartet, der hat ihn schon verworfen. Gelübde, Bitlfahrten, zeitiges Fasten, Mundbeichten, unbesserlicher Unterschied der Spei- ftn, ist Aberglaube, Abbruch der Dinge, die der Mensch mit Gott gebrauchen kann und oft soll. Da- »llck's Geschichte. 21

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