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ob er gleich dieses nicht nöthig hätte. Wem, sie ihn aber am Ziele seiner Tage um dieser höchst gerechten, gottgefälligen und ehrenvollen Sache willen mit Gewalt oder List von Würde und Amt verdrängen wollten: so stelle er dicß dem höchsten und gerechten Gott anHeim, und es werde ihm nicht schwer fallen, so, wie er geboren, auch zu sterben, qls Wiedischcr Graf, der bei seinen Anverwandten Aufnahme und Unterhalt finden werde ^).

Hermann cmpsicng von dem Landgrafen Philipp, vom 17. Dcccmbcr und vom 7. Januar, Briefe, in welchen dieser versprach, sich mit Kursachscn benehmen zu wollen, und den Erzbischof warnt, daß er seinen Leib bewahren möchte ?').

Im Februar fodcrte Hermann die Stadt Andernach auf, zur Anstellung der evangelischen Prediger Johann Prater und Wilhelm Düren '').

Das Domkapitel in Köln hatte indeß des Erzbischofs Erklärungen mit unablässig wiederholten ge­hässigen Vorstellungen den Dienern des Kaisers mitgethcilt. Am ersten März kam der kaiserliche Nath Na- vius zu Hermann, eröffnete ihm in des Kaisers Namen, daß auch Köln in den Artikeln des Friedens mit dem Könige von Frankreich mit eingeschlossen sey, lud ihn zu dem Reichstage nach Worms ein, mißbilligte aber heftig alle Neuerungen in der Religion, und drang auf deren Aufhebung. Hermann entschuldigte sich wegen seiner Nichtcrschcinung auf dem Reichstage mit Alter und Körperschwächc, dankte für die Wohlthat des Kaisers, daß er seiner in den Friedensverhandlungen mit Frankreich gedacht habe. In Ansehung der Reli­gion aber widerlegte er die Beschuldigung, daß er Neuerungen gestiftet, wiewohl er Abendmahl unter beider­lei Gestalt, die Teutsche Sprache bei Taufen und Ehcvcrbindungen, auch die Verhcirathung der Mönche ge­stattet habe, und bewies dicß als erlaubt mit Jesu und Paulus Aussprüchen. Die Bekanntmachung seines Rcformationswcrkes sey wegen der früheren Verbreitung des Antididagma geschehen; in die Niederlande aber seycn mit seinem Wissen und Willen keine Exemplare gesandt worden. So entließ er den Abgeordneten Na- vius. Darum sandte Hermann als Bevollmächtige seinen Ofsicial I). Bernard Gcorgii, und Lovenbcrg nach Worms: diese vertheidigtcn ihren Herrn, zeigten den evangelischen Standen, aus welchen Gründen der Kur­fürst dem Schmalkaldischcn Bunde nicht beitreten könne, erhielten auch von jenen die Versicherung ihres Schutzes und der Einschließung in den Spcier'schen Frieden von 1514. Es verwandten sich für Hermann bei dem Kaiser, die Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz und Joachim vou Brandenburg, und der Herzog Moritz von Sachsen, doch fruchtlos. Groppcr eilte nach Worms, und wirkte harte Verfügungen des Kai­sers aus. Dieser erließ am 2Z. Juni ein, von dein Bischof zu Augsburg, Kardinal Otto Truchscß von Waldburg, als Prokanzler, unterzeichnetes Schutzdiplom an die Kölner, in welchem er dem Kapitel, dem Cle- rus, und den Provinzialcn, die gegen die Reformation wären, Schutz und Verteidigung wider alle Neue­rungen Hermann's versprach, den Dawiderhandclndcn aber die strengsten Strafen, Verlust aller Conccssioncn und Privilegien, androhte, und allen Ncichsständm die Erccutionsgcwalt gab. Den Städten Andernach, Linz und anderen, wurde besohlen, ihre evangelischen Prediger fortzuschicken. Die Abgeordneten Hermann's waren nun in Worms nicht mehr sicher, und der Ofsicial schlug sich zu den Feinden der Reformation. Das kaiserliche Edikt sandte Hermann mit starken Anmerkungen an den Kurfürsten von Sachsen; es sey erschlichen; dem Kai­ser zieme es nicht, er habe kein Recht, über Religion zu erkennen, daß alte Mißbräuche beibehalten, Verbes­serungen unterdrückt würden. An, zehnten des Julius appellirte Hermann an eine allgemeine Kirchenvcrsamm- lung. Es unterschrieben sich mit ihm sein Bruder Fricdcrich, Heinrich von Stolbcrg, der Rhcingraf Jakob, Graf Christoph von Oldenburg, Philipp von Daun-Falkenstcin, und der Pfalzgraf Richard. Am achtzehnten Juli crgicng an ihn und die cdcngcnannten Freunde von dem Papste Paul I>I. eine Citation, daß sie binnen sechzig Tagen sich zu Rom stellen sollten. Am 19. des August kam der Kaiser auf seiner Rückreise in die N cdcrlandc selbst zu Hermann, machte ihm bittere Vorwürfe, und drohte ihm mit Absetzung; denn die crz- bischöflichc Würde hange von dem Papste ab, und mit dieser siehe und falle die kurfürstliche. Hermann

78) LeeKenä, I, c.

79) Archiv zu Neuwied.

1545.