Die gcfürchtcte Kriegsgefahr näherte sich bald nachher unserer Gegend. Der Kurfürst Moritz von Sachsen hatte mit dem Könige von Frankreich Heinrich II,, mit dem Landgrafen Wilhelm von Hessen, und mit dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg - Kulmbach, gegen den Kaiser Karl V. ein geheimes Bündniß ge­schlossen. Albrccht führte einen Hcerhaufen an den Rhein, um sich mit der Französischen Hülfsmacht zu verei­nigen, eroberte Speyer, Mainz, überzog das Erzstift Trier mit 3,000 Reitern, und 21 Fahnen Fußvolks '), und fodcrte, im Sommer, die Festung Ehrcnbreitstein zur Nebcrgabc auf. Da der Kurfürst ihm abschlagige Ant­wort gab: so rückte Albrccht vor die Stadt Trier, die ihm am 28. August die Thore öffnete. Die leichtferti­gen Trierer ließen sich in ihrem Wohlleben nicht stören, und nannten den Krieg, da die Soldaten ihre Nüben- felder verwüsteten, den Rübenkricg, ob er gleich ihre Stadt schwer beschädigt hatte. Des Kurfürsten Bruder, Graf Arnold, eilte zwar, so wie der kaiserliche General Holle, mit seinen Kriegern, zu welchen Koblenz 325 Mann stellte, um Trier zu verthcidigen; die Stadt aber nahm keine Besatzung ein. Erst der Passaucr Vertrag, zu dem Moritz von Sachsen den Kaiser zwang, entfernte aus dem Tricr'schen die Noth der Geistlichkeit, so wie er den evangelischen Fürsten das Joch des Intcrim's abnahm.

In stiller Abgeschiedenheit von der Welt sah es noch der gewesene Erzbischof Hermann zu Wied, wie Teutschlands und der evangelischen Kirche Freiheit vor ihrem nahen Untergänge plötzlich gerettet, und Karl's V. Frcvelmuth in schnödem Dienste der päpstlichen Tyrannei auf immer gcdemüthigt ward. Am dreizehnten des Julius errichtete Hermann einen Schcnkungsbricf für seine Bruderskindcr, nämlich für den Grafen Johann IV. für Friedrich, Domküstcr in Köln, für Magdalena, Acbtissin zu Eltcn und Noteln, für Margaretha, erste Gemahlin des Grafen Bernhard von Ventheim, jetzt Wittwc Arnold'ö von Mändcrscheidt, für Walpurge, Ge­mahlin des Grasen Ludwig zu Stollbcrg und Königstein, für Agnes, vorher Gemahlin des Grasen Caspar von Mannsfeld, seit 1545 des Grafen Friedrich von Solms, für Genoveva, Wittwc des Grafen Wolsgang von Stolbcrg - Wcrningcrode, für die noch unvermahltc Maria, und für der Elisabeth, Gemahlin des Grasen Anton von Iscnburg - Büdingen, Erben. Die Schenkung betraf eine Forderung Hermann's an das Erzstift Köln von 80,000 Goldguldcn, die er theils zur Türkcnhülfe für Kaiser und Reich, theils auf Bitten der Kölnischen Stande zu dem letzten Ungarischen Zuge, bis auf 50,000, dann wieder 17,000, und die übrigen 13,000 zur Kostenbcstrcitnng auf persönlich besuchten und beschickten Reichstagen, mehrenthcils aus seinem Kammcrgute und andern Gefallen, zum Theil auch aus Renten des Erzstifts, aufgebracht hatte. Ucbec diese Schuldforderung legte er Abschiede und Recesse der Stande vor; sie war ihm aber, seiner vielfältigen Mah­nung ungeachtet, bis jetzt nicht geleistet worden. Seine Erben sollten min dieselbe mit allen Interessen.ein­zutreiben suchen, wollte jedoch die Landstandhast ihnen von den 17,000 Gulden Hülfsgclocrn 12,000 frei und ledig zu entrichten auf sich nehmen: so sollten sie sich damit begnügen, und von den 80,000 nichts mehr fordern; dem dermaligcn Erzbischof aber sollte, das Uebrige aufzunehmen, unbenommen seyn; nähme sie aber dieses nicht zu Dank an: so sollten seine Vettern und Basen auf die ganze Summe halten. Von den Türkcnhülssgcldcrn gebührten auch Theitc den Grafen Wilhelm zu Nassau, Wilhelm und Hermann zu Nucnar und Mors, und Johann zu Wied, welche dazu vorgestreckt hatten. Endlich sollte auchvnserm lieben besundcren Sebastian von Haußt vnd seiner Haußfrawen vnd ihren Erben 1000 Gulden zugeordnet werden." Als Zeugen dieses Vermächtnisses waren gegenwärtig: Wilhelm von Waldmannshauscn, Amt­mann zu Wied, Isendurg und Dicrdorf, Jakob Ebelß, der Mcdicin Doctor, Scholaster zu Bonn, Ernbrecht von Höbe, genannt Bell, Andreas Hewger und Geysbcr Pnlle, Hermann's Kammerdiener. Alters balber nicht vermögend zu schreiben, drückte Hermann scnien Petschaftring bei'). Endlich übertrug er noch sei- nnn Neffen die Einforderung seines seit vier Jahren nicht mehr empfangenen Iahrgchalts von der Stadt Antorf.

Am fünfzehnten des Augusts beschloß er zu Wied seine Tage in dem Alter von fünf und siebcnzig Jahren, sieben Monaten "). Sein irdischer Theil wurde in der Kirche zu Niedcrbicbcr zwischen seinen Ael-

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L', Wyttendach's Gesch. v. Txicr, B, III. 2i-<,,ve,-. 10) Wenn Teschenmacher's Angabe richiig ist S, 147?

9) Fischer, N. «KÜXVI, Nach Maimb^rg, starb cr im achtzigsten Lebensjahre.