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von Spaniern gegen die Lande des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz drückten die obere Grafschaft so sehr, daß die Herrschaft Dierdorf in dieser Zeit nur 1,NU0 Gulden Einkünfte brachte, und mit der immer noch unbefriedigten Schuldforderung an die Stadt Antwerpen (S. 15li?), welche des Grafen Wilhelm IV. zu Wicd Tochter, Iuliana und Elisabeth, ihrem Vetter Hermann überließen, ward ihm nicht geholfen '^). 1521. Am 2. Juni des folgenden Jahres ward Hermann Vater eines dritten Sohnes, den er zum Anden­

ken an den Kurfürsten gleiches Namens, Hermann nannte. Wie sich in seinein häuslichen Leben die Freuden und die Sorgen vermehrten: so kümmerten den guten Fürsten die Zerrüttungen nnd die Gefahren seines Lan­des. Die Durchmärsche fremder Strcitmasscn dauerten fort; seine Untcrthanen vermochten die Abgaben nicht aufzubringen, und er konnte nicht so, wie sein Bruder Johann Wilhelm in der unteren Grafschaft, dem jüng­sten Bruder Philipp Ludwig die Zahlungen fortleisten. Da traf ihn von dieser Seite noch die tiefste Krän­kung, daß Philipp Ludwig mit Hülfe seines Schwiegervaters Albert von Nassau (S. 1515) das Schloß und die Herrschaft Runkel mit gcwaffneter Hand einnahm. Johann Wilhelm trat als Vcrtheidiger Hermcmn's in das Mittel, und suchte, fernerer Gewalttätigkeit Einhalt zu thun. Der Vrüdcrstrcit gelangte an das Ncichs- kammergericht °°). Johann Wilhelm hatte nun an Philipp Ludwig 55,250 Gulden entrichtet ^).

Während dieser unglücklichen Borgänge in unscrn Grafschaften, näherten sich ihren Granzen immer mehr die Kriegsdrangsale aus der Ferne. Aus Böhmen war der protestantische Graf Ernst von Mansfeld mit 20,000 Mann in die Unterpfalz geeilt, und hatte den kaiserlichen Fcldherrn Till« (im April) geschlagen. Die­ser zog Spanische Verstärkung herbei, und überwand den Grasen Mansfeld (d. 6. Mai) in Schwaben. In­zwischen sammelte der Herzog Christian von Brnimschweig für die Sache des vertriebenen Kurfürsten von der Pfalz in Niedcrsachsen ein Heer, das bis an den Wcstcrwald her plünderte und verheerte, und, von dem Grafen von Anholt (Salm) vertrieben, in, Mai und Juni über den Wcstcrwald nach dem Main strömte, aber bei Höchst (d. 20. Zun.) geschlagen, zum Thcil wieder unter Räubereien zurückfloh. Mit dem Reste schloß sich der Herzog Christian an Mansseld an, beide schwärmten mit ihren Haufen umher, und stießen in den Nie­derlanden zu dem Heere des Prinzen von Orcmicn. Bald daraus aber trennte sich der Herzog von dieser Verbindung, um in Nicdersachscn und Wcstphalcn eine neue Macht zusammenzubringen. Nach der Entfer­nung dieser kühnen Verfechter der protestantischen oder vielmehr der Kurpfälzischen Sache, erstürmte Till» Heidelberg, eroberte Mannheim, rastete den Winter hindurch in Oberrheinischen Kreislandcn, und rückte in dem Frühlinge des nächsten Jahres über unsre Gebirge nach Wcstphalcn.

Dem Grafen Hermann II. von Wicd-Runkel wurde am 1. Mai der vierte Sohn, Johann Ernst, geschenkt.

In der nachbarlichen Grafschaft Sayn war seit 1606 keine wesentliche Veränderung geschehen, und auch seit der Flucht dcs Kurfürsten von der Pfalz (1l^0), der Auflösung der evangelischen Union (1622), und den Sicgeöschrittcn der katholischen Liga, keine Hülfe für Sayn-Wittgenstein gegen die crzbischöflichen Anmaßungen, am wenigsten gegen die starrsinnige llngcrcchtigkcit dcs Erzbischofs von Trier, Philipp Chri- stoph, weder von kaiserlichem noch von dem Reichsgcrichte zu erwarten. Der Graf Wilhelm von Sayn- Wittgenstein (S. 1603) war verstorben. Sein Sohn Ernst, aus der ersten Ehe mit der Erbgräsin Anna Elisabeth« von Sayn (S. 1592. 94), suchte um die Bclchnung mit Sayn bei Köln vergebens nach. Kur- trier nahm nun auch Kirchen, Daden, Fischbach und andere Allodien weg. Kurköln besetzte die bisher von Pfalz innegehabte Burg und Stadt Hachenbnrg ^).

Die Aussichten der protcstantischcn Rcichsständc trübten sich noch mehr, als der Kaiserlich-Bairi- schc General Tilly auch den Herzog von Braunschwcig (am 6. Aug.) bei Stadlocn im Münstcrschcn besiegte. Von den Unterbcfehlshabern desselben sielen auch Grafen von Oberiscnburg, und von Wittgenstein in kaiser­liche Gefangenschaft °'). Die versprengten Söldlinge Christian's und die verlaufenen des Grafen Ernst von

19) Aich. zu Ruükel. 22) Moser I. c.

20) Ebendaselbst. 23) Llcnvrri 5. I^ze»,

21) Arch. zu Ncuw.