207

mar über das aufgehobene, und von Nassau und Wied 1615 zu einem Hospital eingerichtete Kloster Bes- sclich, über rückstandige Gefalle, Markt- und Atzungsgcrcchtigkeit daselbst, wurde, aus Mangel an den ver­loren gegangenen Schriften über die Einziehung und Verwandlung dieses Klosters, im Februar zu einem nachthciligcn Vergleich vermocht. Die für Rnnkel schädlichen Folgen zeigten sich in spateren Jahren «?). Jener katholischgcwordcne Graf, nachher Fürst, zu Hadamar wurde von Jesuiten geleitet, und war jetzt kaiserlicher Gesandter zu Münster.

Moritz Christian erfreute sich einer Tochter Maria Bclgica Charlotte, seines einzigen Kindes. 1645.

Im August erging ein kaiserliches Ausschreiben an die Grafen zu Wied, zu den Fricdcnsunterhand- lungcn nach Münster und Osnabrück einen Gesandten abzufertigen. Wen sie mit ihren Angelegenheiten dahin beauftragt haben, ist nicht bekannt, wohl aber, daß sie an den kaiserlichen Günstling Johann Ludwig von Hadamar eine starke Summe entrichten mußten «'). Zu diesen Einladungen, an den Fricdenscongrcß Anthcil zu nehmen, nothigten den Kaiser die Regierung von Frankreich. Diese wirkte auch die Befreiung des Erzbischofs von Trier Philipp Christoph aus (S. 1635), dessen so lange Entfernung und Unmacht auch für Wied in dieser vcrhängnißvollen Zeit von der Vorsehung gütig angeordnet war, bis die Gefahr vorüber ging. Er wurde im September zu Koblenz festlich empfangen, und ließ sich, trotz dem Versprechen, das er dem Kaiser gcthan hatte, von Franzosen, seinen Freunden, unter dem Marschall Türcnne, der auf dem Hundsrück stand, nach Trier begleiten. Franzosen hatten auch seine Philippsburg im Thal Ehrenbrcit- sicin besetzt «').

Der Graf Friedrich unterzeichnete den 19. April auch die Wctterauische Grafcnvollmacht zu dem Wcstphälischcn Frieden. Die Unterhaltung des Briefwechsels und des Deputaten bei dem Wcttcrauischcn und Westcrwäldischcn Grafcncollegium, so wie der Beitrag zur Verpflegung der Besatzung zu Fricdbcrg, kosteten dem Hause Wied beträchtliche Summen '°).

Die angefangenen Fricdensbcrathungen in Wcsiphalen hatten das Kricgsgctümmcl aus dem We- stcrwaldc entfernt. Die Zeit bis zur Feststellung der Verhältnisse unter den Teutschcn Reichsständen wurde in der Grafschaft Sayn von den Grafen Wilhelm Philipp, Ludwig Albrccht, und Abgeordneten der Grafen Ludwig Casimir, Ernst, Johann und Christian von Wittgenstein, zu einem Vergleich mit Otto Magnus und Otto von Wittgenstein, benutzt. Christian nahm jetzt mit Gewalt das Amt Attenkirchen ein. Hachcn- burg hatten Osnabrückischc Soldaten besetzt. Bcndorf wurde auf Entscheidung des Ncichshofraths der Abtei Laach zurückgegeben (S. 1636) ^). Nach dem Ausspruche und Befehle dieses Gerichts sollte Kur- küln der Gräfin Wittwe, Julian« Luise von Sayn-Wittgenstein, Hachcnburg übergeben; aber nicht allein Köln, sondern auch Kurtricr, welches der Gräfin sogar Freußberg wieder entzogen hatte, widerstrebten der Gerechtsame der Sayn-Wittgcnsteinischen Erben, bis der Wcstphalische Friede zu ihren Gunsten entschied. Bis dahin blieben die Vcstcn der Grafschaft Sayn, auch die in unsrcr Nähe, von Kriegern des Schwedisch- Teutschen und Französischen Bundes besetzt.

Solche Besatzung hatte bisher auch die Tricrische Burg Hammcrstein. Als der Schwedische Ge­neral Wrangel sich dem Rhein näherte, und im Hessischen mit dem Französischen Heere unter Türennc (im 1645. August) sich vereinigte, um in Baicrn einzudringen: da überließen sie Hammcrstein dem Feinde; die Vcste wurde von Lothringern bezogen. Seitdem wurden die umliegenden Ortschaften vielfach gemißhanoelt. Wiedischc Leibeigene mußten auf Hammcrstein arbeiten; Wiedifchc Untcrthancn wurden von dem Obristcn Lucas Spick, Befehlshaber auf Ehrenbrcitstein, zu Schanzarbeiten erzwungen. Seit dem vorigen Jahre arbeiteten dort täglich 50 Mann aus der untcrn Grafschaft. Rohe Krieger unter dem Gcncralfeldmarschall von Gelen raubten seit den letzten Monaten des vergangenen Jahres in der Wiedischcn Herrschaft Grenz- bausen, und die Dörfer Fahr, Nodebach, Oberrod, Segcndorf, und andere, mußten ihre Schutzwache therm

Ack

5 '

H

8?) Arch. Auszüge v. Mulmann. 89) Wyttcnb. I. o, S. 20Z.

88) Arch, zu «cum. 80) Archiv zu Neuw.

91) Moftr:c.

>'