"5^«»'.'
>«5.^-!«,
'««^
222 ----------------
Stadt zukommen. VII. Magistrat und Bürgerschaft sollten an Imposten, dem Gemeinwesen zum Besten, aufsetzen und einnehmen, und collectircn, nach ihrer Nothdurft, was zu Aufcrbauung der Stadt, u. s. f. diene. VIII. Jedem Anbaucr solle der Platz uncntgcldlich eingeräumt, doch nach der Richtschnur der Gaffen fortgebaiit werden. In den ersten zehn Jahren nach dem Anbau oder Kaufe eines Hauses sollte der Besitzer von aller Abgabe frey seyn, dann eine mäßige entrichten; dagegen wollte der Regent keine Landsteucrn, Reichs - und andere Contributionen und Collcctcn auflegen. Beamtete und Adelige wurden von bürgerlichen Lasten freigesprochen. IX. Die gräflichen Renten und Gefälle sollten an Niemand verpfändet werden.
Diese Stadtpriuilcgicn waren jenen der Stadt Fricdbcrg in der Wcttcrau ähnlich gefaßt. Die kaiserliche Bestätigung derselben geschah den 4. Sept. 1663.
Die Arbeiten an dem Schlosse Fricdrichstein stellte Friedrich in diesem Jahre ein. Es war nur so weit vollendet, daß Negicrungsgcschäfte in dasselbe verlegt werden konnten. Ein zweites nach Fahr hin abstehendes hohes Gebäude aber war vollendet, und wurde seitdem oft von Friedrich und seinen Nachfolger bewohnt. 166I, Zu Fricdrichstein crthciltc Graf Friedrich in dem Januar den Gehorsamen in Hcddesdorf, Nieder-
und Oberbieber und in Rückerodt Freiheit von Diensten und Wachen.
Die verwerflichen Auftritte unter den Wiedischcn Baucrschastcn fanden nun nicht mehr statt; die widerwärtige Stimmimg aber tonte lange noch unter Kindern und Enkeln fort; der Verlust manclies Gutes und Rechts mehrerer Gemeinden, hauptsächlich an Waldungen, die sie, unter landesherrlicher Gcrichtshoheit vormals frei bcscsscn hatten, das die kaiserliche Commission dem gräflichen Hause zugesprochen, der Saame endlich, den der Feind gestreut hatte, gab Stoff zu Streitigkeiten, die erst in unfern Zeiten völlig beigelegt worden sind. Die schmähsüchtige Zunge des gemeinen Mannes nannte von jener Zeit an das Schloß Fricdrichstein das Tcufelsschloß, und sprengte ans, daß die Geister der zwei Gehenkten den Grafen Friedrich quälten. Man hielt es der Mühe wcrth, 166? über diese Sage ein gcrichtlichcs Verhör anzustcllcn '°).
Am zwanzigsten des Octobcrs verlobte sich Friedrich seiner zweiten Gemahlin, Phiiippina Sabina, Gräfin von Hohcnlobc-Schillingssürst, in Bciscyn der Grafen Ernst Otto und Ludwig Gustav von Hohcn- lohe, und des Grafen Wilhelm zu Solms, Herrn zu Münzcnbcrg und Sonnenwald ^). Er MMe mit derselben eine neunzehnjährige kinderlose Ehe. 1664, Kaum hatte Friedrich wieder einige frohere Monate verlebt, als neue Sorgen, Kümmernisse, und
schmerzliche Fälle das Herz des Vaters und Hauptes der hohen Familie erschütterten. Als auf kaiserliches Aufgebot gegen den bevorstehenden Einfall der Türken in Siebenbürgen und Ungarn, auch das Westfälische Kriegshcer, unter dem Generallieutenant Grafen Georg Friederich von Waldeck, zu dem Feldzuge nach Ungarn vereinigt wurde; so stellte Wicd zu der Compagnic des Grafen Heinrich von Solms 36 Fußgänger und 12 Reiter, und Friedrich ließ auch drei von seinen Söhnen wider die Feinde der Christenheit ziehen. Sein Sohn Friedrich Melchior (S. 1642) nahm in Kurkölnischen Diensten an diesem Kriege Anthcil. Sein vierter, Johann Ernst (S. 1643) ward Compagnie-Hauptmann; und Franz Wilhelm (lv. 1644) Comct in dem Krcishecrc. Dieser, aus Mannschaft zunächst von Nassau, Sann, Wittgenstein, Mandcrschcid, Wied, Runkcl u. m. verbundene Thcil der Tcutschcn Hülfsmacht wurde von dem Grafen Wolfgang Friedrich von Hohcnlohe dem Gcncralfcldmarschall Leopold, Markgrafen von Baden, mit dem angehendeil Frühlinge zugeführt. In Ungarn den 17. Iul. an dem Orte ihrer Bestimmung angekommen, wurde die ansehnliche Reichsmacht von dem General Montccuculi gcgcn die Türkischen Schaaren unter dem Wesir Achmed-Kiuprili geführt. Am 22. Iul. retteten die Tcutschcn ihre Ehre in der Schlacht bei St. Gotthard unweit Raab, die den Abzug der Türken, und einen Zwanzigjährigen Waffenstillstand zur Folge hatte. Johann Ernst von Wicd aber blieb auf dem Schlachtfclde; Franz Wilhelm kehrte zwar rühmlich nach Wien zurück, erlag aber dort auch; nur Fricdcrich Melchior erreichte das Vaterland wohlbehalten "").
3Z) Arch. zu Neuw.
ZZ) Fischer, N. OllQXXXII.
34) Fische, N. llllX«. cllXcil. Arch, zu Neuw.
