Inzwischen verlor Friedrich auch seinen Bruder, den regierenden Grasen zu Wicd-Nunkcl, Johann Ernst in Stettin; dort starb auch sein jüngerer, unvcrchlichtcr Bruder Wilhelm Ludwig den 29. Juli. Johann Ernst's Wittwc, die Grasin Hedwig Elconora, seitdem bald auf ihrem väterlichen Schlosse Quarken- durq bald zu Dierdorf weilend, hatte nun die Vormundschaft über ihren Sohn, Ludwig Friedrich (S. 1666) mit ihrem Schwager Friedrich zu thcilen; aber stolz, herrschsüchtig, in ihren Schreiben spitzig, gcricth sie alsbald mit dem geradsinnigen und feurigen Friedrich, an dem sie ihren Mann fand, m Mißhelligkciten, die bis um das Jahr 1670 fortdauerten ").
Eine ander« wichtige Angelegenheit theilte seit dem Mai dieses Jahres die vielseitige Thatigkeit, und häufte die Kränkungen, aus denen Fricdrich's langes Leben zusammengesetzt war. Der Graf Ernst von Isenburg-Grenzau. der letzte dieses Hauses (S. 15??, 1619), nach dem Tode seiner ersten Gemahlin Charlotte vonArembcrg (S. 1616), mit einer Grasin Anna Maria, von unbekanntem Gcschlcchte, vermählt, und auch von dieser kinderlos gelassen,,hatte schon 1662 im October zu Brüssel ein Testament in Französischer Sprache gemacht, in welchem er verordnete, daß, wo er stürbe, von seinem Todestage an, und an dem Orte, den er -uscines Leichnams Bestattung erwählen würde, 6,000 Messen, jede zu 12Sous, gehalten werden sollten, daß seine Lande und Reichslehen, über die er nicht verfügen könne, nach der Erbfolge seines Hauses, an den oder die kommen sollten, denen die Natur, die Gewohnheit und das Gesetz, das Recht der Nachfolge gebe. Es gieng aber die Sage, Ernst habe seine Erblande an Kurtricr, nach ciucr Unterhandlung zu Kärlich, verkauft für 4»,000 Fl. Seine übrigen Güter sollte sein Neffe und Pathe, der Graf Philipp von Arembcrg, Herr von Bcaumont, des Prinzen von Chimai Sohn, erhalten "). Daß dieses Testament nichr bestimmt auf die rechtmäßigen Erben, die Grafen von Wied, Herren zu Isenburg. lautete, ist thcils aus den vicl- iabriacn Irrungen über beiderseitige Gerechtigkeiten auf der alten Stammveste und in der Herrschaft Iscn- bura bald über den Pfortenschlüssel, bald über Jagdsacheu, über Pfändungen der Hoflcute, theils aus dem kirchlichen Zwiespalte zu erklären. Es ließ sich wohl voraussehen, daß es Ernst's Wille, und Kurtner jchon mit der Abtei Fulda einverstanden sey, daß die Grafschaft Isenburg-Grenzau. sammt der Herrschaft Aren- fcls nicht nach dem offenbaren Rechte und alten Herkommen auf Wied übergehen, sondern Fremden zu Lehen übergeben werden sollte, die mit jenen Lchcnhöfcn in näherer Verbindung standen. Zu den Besitzungen des Grafen Ernst zu Isenburg - Grenzau gehörten: das Schloß und Amt Grenzau mit drei Kirchspielen, Naucrt, Kabn Sessenbach, Wehrscheid, Nrcidcnau, Dessen, Hirzen, Widgert, Odcrhcid, Nicdcrheid, Nellhauseu, Bombach; das Amt Hirschbach mit zwei Kirchspielen, Maricnrachdorf und Horhauscn, der Flecken Hirfchbach l hcröbach) das ^orf Schcnkelbcrg, die Dörfer Maricnrachdorf, Maricnhausen, Scssenhausen, Knmcl, Ma- rotb Hausen horhauscn, Werod. Kron!el. Oberstcincbach, Lochen, Huffcn, Bürtebach, Kinhauscn, Blcckhau- sen E'pgert Niedersteinebach, Bockcnhof, Kahlenberg. Peterslahr; ein Thcil des Fleckens Isenburg und des Kirchspiels Meyscheid; und endlich die Herrschaft Arcnfels, so viel von ihr durch die Thcilungcn in dem vierzehnten Jahrhunderte zwischen Wied und Isenburg-Grenzau, an diese Linie gekommen war. Neben den Isenburg-Grenzauischen Besitzuugeu lag die, seit jenen Zeiten (S. 1371. 1376), zu dem Hause W.ed ge- schlaacnc Herrschaft Grcnzhauscn init den Ocrtcrn Grenzhauscn, Alsbach, Hundsdorf, Hilgcrth, Faul- bach und gehörte nicht, wie Isenburg-Grenzau, zudem Kurrheinischcn, sondern zu dem Westphäl.schen Kreise, so wie die gesammte Grafschaft Wied (S. 1512). Zu Ernst's von Isenburg-Grenzau Besitzungen gehörte sonst noch eine große Anzcibl kleiner Lehngütcr ^).
Der Graf Ernst starb nun, den 20. Mai. in hohem Alter zu Brüssel, und wurde daselbst beerdigt. Am vier und zwanzigsten Mai ließ Graf Friedrich durch den Notarius Neuber, den Amtsverwalter Knopäus und den Landschultheißen Fiedler, kraft der Simultaubelehnung seiner Vorsahmi, von Isenburg - Grenzau Beptz ergreifen, und einige Mannschaft an der untere,, Pfone und auf der Veste Isenburg, mehr zur Wache und Beobachtung, als zur Wehr, unter dem Befehlshaber Lvscmann, aufstellen.
35) Arch. zu Neuw.
Z6) Fischer, N. 0I.XIX. lll^XX.
37) Fischer, N, VIII.
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