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Kurtricr aber hatte schon früher das Archiv des ausgestorbenen Hauses wegbringen lassen. Am sieben und zwanzigsten des Maies befand sich eine stärkere Zahl Kurtricrischcr Soldaten zu Isenburg, die denGrcn- zauischcn Thcil der Burg und das Thal einnahmen. Friedrich befahl daher dem Kommandanten Lyscmann, sich ruhig zu verhalten; man könne nur protcstircn. Sollte die Tricr'schc Macht aber auch das Wiedische Haus und den Thurm angreifen: dann solle er sich vertheidigcn, bis er weitere Befehle erhalte. Friedrich that nun zwar für seine Erbansprüche, was ihm, bei den mangelhaft vorhandenen Beweismitteln, und bei unzureichender Unterstützung möglich war; da ihm aber das kraftigste Argument der Erben des, aus ähnlichen Bewandtnissen bisher geführten, Iülichcr Erbfolgestrcitö — die Waffengewalt, gebrach: so mußte er geschehen lassen, was geschah. Kurtricr zog die Isenburg-Grcnzauischen Besitzungen, Hirschdach, den Kirchcnsatz und Zehnten zu Lehmen, lind die Herrschaft Arcnfcls ein. Kurköln hatte den Grafen Ernst, nach Valentin VI., des ersten Inhabers (S. 1583), Tode, mit den Aemtcrn Wicd sammt dem Schlösse (dem obersten an der Wicd), Neuerburg und Linz, belehnt^), und nahm sie jetzt zurück; Fulda sah den Gren- zauischen Theil des Schlosses Isenburg nebst Zubehör, als zurückgefallen an; und Kurpfalz eignete sich die siechte und Güter zu Mcttcrnich, Kcttich u. s. w. wieder zu. In irriger Boraussetzung, daß auch Mcyschcid Fuldaischcs Lehen scy, hatte der Abtfürst zu Fulda dem freihcrrlichcn Hause Waldcrdorf die Lehensanwartschaft auf Isenburg und Mcyschcid gegeben. Friedrich erinnerte die Mcyscheidcr, ihm als rechtmäßigem Herrn und Erbnchmcv, zufolge ihres geleisteten Huldigungscidcs, treu zu bleiben und die Renten zu liefern. Der Kurfürst von Trier, Karl Kaspar von der Leycn, nahm in der Folge die Höfe zu Mcyschcid, Großbcrg und Stebach, von dem Schlosse zu Kärlich aus, in Schutz. Mit Arenseis, Hönningen, Argcndorf, Iärkenroth, zu dem Kurtricr'schen Amte Hammcrstein gehörig, belehnte er seine Anverwandten von der Leycn. Die juristische Facultat zu Gießen machte anfangs dem Wicdischcn Hause Hoffnung zur Erlangung seiner Rechte, äußerte jedoch kurz nachher wieder Bcdcnklichkeitcn, wegen des Privilegiums von Kaiser Karl I V., nach welchem das Erzstift Trier seine Lehen hinfort nur als Mannlehen zu vergeben das Recht erlangt habe, Friedrich aber nicht von männlicher, sondern von weiblicher Linie stamme ^»). Und doch hatte noch der Kurfürst Cuno 1371 die Iscnburg'schen Besitzungen als Weiderichen bestätigt. Der Rcichshofrathspräsidcnt, Freiherr von Waldcrdorf, suchte den Grafen Friedrich aus seinen Stammgütcrn zu verdrängen. Dieser, nicht genugsam bcrathcn, ergab sich, bei einer Zusammenkunft zu Schöncrlen, einem Wicdischcn Hofgute, unweit Rückcrod, zu einem Vergleiche, in welchem er einen Drittthcil des Schlosses und Fleckens Isenburg, nebst der Hälfte des Kirchspiels Mcyschcid, so behielt, daß der den andern überlebende Inhaber desselben Anthcil erhalten sollte. Nun trat aber gegen Wied und Waldcrdorf der Graf von Bcaumont und Chimai, als Ernst's Mobiliar- und Allodialcrbe, bei dem Neichskammcrgerichte mit Ansprüchen auf Weyschcid, als ihm gehöriges Al- lod, auf, und verkaufte seine Ansprüche dem Erzstift Trier, und dieses führte seinen Zucignungsstreit fort. Späterhin bewies Wicd, daß Mcyschcid cin altväterlich Iscnburgisches Stammgut scy, über welches der Gras Ernst nicht habe verfügen können; der Fuldaische Lchnhof aber nahm dieß als Felonie auf, und erhob einen Vcrfallstreit gegen Wied. In dem Fortgänge dieses Proccsses ergab sich zwar die Nichtigkeit der von Fulda auf Waldcrdorf übertragenen Belchnung; der Proceß ist aber nicht entschieden worden. Wicd empsieng indcß von Fulda die Belchnung mit Isenburg als erneuertem Mcmnlchen ")
Das Haus von Waldcrdorf ist 176? in den Grafcnstand erhoben worden. Der Graf Friedrich trug noch in diesem Jahre die Lcycnsche Schuld ab ").
In dem folgenden Jahre erhielt Friedrich von der Abtei Fulda die Belchnung mit einem Thcile von Breuberg und Ätcmlingen, den 1538 ein Graf von Isenburg empfangen hatte.
Wie das Wiedische Haus das Unglück der krummstäbischen Nachbarschaft auch in diesem Zcitlauf fühlte: so fühlte sein Land auch seit den letzten Jahren Kurtrier's Verbindung mit Frankreich, durch Französische Sol-
Z8) I'nliol. Not. ri-oc. <3erm. I.. VI. Ollp. 7.
40) LcKaunat, cls lllieiUela?u1äeii«. Arch. zu Neulv^
39) Arch. zu Neuw.
41) Arch. zu Ncilw.
