1669,
1670.
---------------- 2Z5
datcnzüge, und in den fast ununterbrochenen Kriegen Ludwig's XIV. vergieng bis an das Ende Friedrich's lind seines Jahrhunderts kaum ein Jahr, in welchen: seine Grasschaft nicht schwere Einquartierungen von beinahe allen Europaischen und allen deutschen Waffengattungen zu tragen gehabt hätte-"). In der Umgegend herrschten in dieser Zeit mehrere Jahre hindurch epidemische Krankheiten, man nannte sie Pest; Friedrich verbot, als Vormund, den Dicrdorfern, mit den Ortschaften in der Nahe umzugchen. Das junge Städtchen Neuwied aber erfreute sich der guten Vorbedeutung, daß der freie Luftzug durch scinc geraden und breiten Straßen und weiten Hofräume, seine Anpflanzer vor Ansteckung bewahrte. Das glückliche Gedeihen dieser lieben Stadt heiterte ihren Gründer bei so manchcr trüben Erfahrung auf, die ihm noch begegnen sollte.
Besondere Sorgfalt richtete er auf die Ausbildung seines ältesten Sohnes, Georg Hermann Reinhard (S. 1640). Er hatte denselben in Straßbmg studiren lassen, wo seit 1621 eine Universität blühte, und sandte ihn jetzt nach Wien. Sein dritter Sohn, Friedrich Melchior (S. 1664), der in Diensten des Kur- 4658. fürsten Marimilian Heinrich von Köln, von dem Fcldzug gegen die Türken als Hauptmann, mit Auszeichnung zurückgekehrt war, bekam von seinem Fürsten das Patent, eine Eompagnie Fußsoldaten zu werben "). Friedrich's Tochter, Sophia Elisabeth (S. 1651) ward die zweite Gemahlin des Grafen Georg Wilhelm zu Sayn und Wittgenstein - Berleburg, Herrn zu Homburg, Vallcndar, Ncumagcn u. f. w, "). Sein zweiter Sohn, Ferdinand Franz (S. 1657), Capitularherr in Straßburg, hatte das Unglück, bei Schlcttstadt in dem obern Illwaldc, auf der Jagd, d. 3. Jul., erschossen zu werden. Man fand ihn, nach dreitägigem Suchen, mit seinem geladenen Gewehr, die rechte Hand aus der Brust. Diese Nachricht sandte dem Vater das Domkapitel, und kurz nachher schrieb ihm der Graf von Nappolstcin, daß sein Schütze dieses Mordes verdachtig scheine ").
Friedrich beschloß nun die Vermahlung seines ältesten Sohnes, Georg Hermann Reinhard, mit einer Gräsin Anna Trajectina, Tochter des Grafen Wolshardt von Holland-Nrederodc, Suvcräns van Viane, Ameida u. s, w. Erbburggrafen von Utrecht "). Da er aber während seines Aufenthalts in Ttraßburg oder Wien, man weiß nicht, wodurch, den Argwohn gegen sich erregt hatte, daß er katholisch geworden oder gesinnt sey: so mußte er erst sich von diesem Verdachte durch einen Eid reinigen, den er vor den Pfarrern Andreas Ludwig Lepper von Wied und Rcngsdorf, und Henrich Bernhard Höcker von Feldküchen, feierlich ablegte "). Friedrich's Tochter Juliane! Ernestina (S. 164?) ward ohne des Vaters Einwilligung Gemahlin des Freiherrn Ferdinand von Kniephauscn, Herrn zu Elton, Vogelsang u. s. w. "). Die jüngere Tochter Ernestina (S. 1654) war katholisch geworden, in der Abtei Thorn in Geldern Canonissin, verehlichtc sich aber nach 1672 mit einem Frcihcrrn Albrccht Iobst von Eberöwein ").
Für seine Stadt Neuwied traf jetzt Friedrich Anstalten zu Erbauung einer Kirche. Er schrieb in: November an die rcformirtc Gemeine in Köln und Mülheim um eine christliche Beisteuer dazu ^). Der Platz wurde an dem Markte auscrsehcn; ihre Grundlegung aber gieng, ob sie gleich nur für die noch kleine Gemeine berechnet wurde, doch, unter so mancherlei ungünstigen Zcitvcrhältnisscn, langsamer von statten, als der gleichzeitige Vau der St. Pcmlskirchc in dem abgebrannten London. Bis zur Vollendung der Kirche giengcn die Neformirtcn von Neuwied in die Kirche nach Hcddesdors. Die Lutheraner und Katholiken hatten sich um diese Zeit auch schon so gemehrt, daß die Häuser, in denen sie ihren Gottesdienst hielten, ihre Versammlungen kaum mehr faßten.
Friedrich scheint jetzt mit einer Abtretung seiner Grafschaft an Kurpsalz umgegangen zu seyn, gegen die Herrschaft Navenstein an der Maas, welche Brandenburg bedingungsweise an Pfalz abgegeben
1S?l.
41) Arch. zu Neuw.
42) Fischer, N. (^XllVI. Sie gebar den Graftn Friedrich Georg, der aber bald wied« starb, so wie auch zwei Tochter, von welchen Sophia Elisabeth erwuchs. Sie selbst starb 1673.
43, Arch. zu Neuw. 44) Fischer, N. cllXlllX 45) Arch. zu Neuw.
4S) Fischer, N. ccxllvil. cci.XXXVI. 4?) Fischer, N. cci.XXXVIII. ccXLIV. 48«) Arch. zu Neu».
«««'S Geschichte. 29
