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1572.

Land entrissen hatte. Die Tcutschen Heermassen samn,elten sich am Rhein, um in das Trierische Gebiet hinüber zu dringen und die Franzosen zu vertreiben. Unsere Grafschaft und ganze Gegend litt unter fort­währenden Einquartierungen und Forderungen unbeschreiblich Der Graf Friedrich zu Wieb entschloß sich, für die Krone Spanien ein Regiment von tausend Mann zu errichten, erhielt ein Patent als Spanischer Oberst, und brachte das Regiment, unter dem Namen: Wicdischcs Erbrcgiment, zu Stande. Die Kosten wurden ihm von Spanien zugesichert. Aller seiner Söhne, bis auf Georg Hermann Reinhard, den älte­sten von sieben, beraubt, und auch diesen chclos lind kinderlos, sein Land erschöpft, und die Zukunft mit neuen Kriegen zu Teutschlands Unterdrückung schwanger sehend, gedachte Friedrich sogar, die Grafschaft zu veräußern, und in den. Spanischen Amerika sich anzulaufen. Er knüpfte dcßhalb mit dem Kaiser eine Un­terhandlung an, nach der er alle seine Besitzungen ihm für 250,000 Gulden überlassen wollte °°). Ob nun gleich dieses Vorhaben wld wieder ausgegeben wmde: so schcint es doch zu den Mißhelligkciten, die zwischen ihm und seinem Sohne entstanden, den Grund gelegt zu haben.

Bis in den Iunius lagen ay, rechten Rheinuscr herauf verschiedene Abtheilungen des verbündeten Teutsche« Heeres. Die Ortschaften in unserer Grafschaft wurden im Mai von Lothringern, Lüncburgern, Münstcrschcn und Oesterreichern, angefüllt. Sic wollten auch den Vurgflccken Wied beziehen. Friedrich aber gab seinem Burggrafen daselbst, 20. Mai, den Befehl,keine Inqnartirnng einzunehmen, ohne unfern Spccialbcsclch, und gegen gcwalt sich ^u schützen, dicwcil genugsam Dörfer zu ihrer Einlogirung vorhan­den '')." Gleich darauf gab ihm der Herzog Karl von Lothringen eine Schutzwache nach Altwicd °«). In den ersten Iunitagen ging dieser alte Held bei Bonn über den Rhein. Dort stießen andere Hccrthcile zusammen, und die gesammte Streitmacht rückte am 14. Juni an die Mosel, um das harte Schicksal des Erzstifts Trier durch Besiegung der Frwizoscn zu wenden. Diese erfolgte auch d. 11. Aug. bei Couz ober­halb Trier. Der Französische Feldherr war der Marschall Cream, Sieger der Herzog von Limburg, Nach­gebet der kranke 77jahrige Karl von Lothringen, der bald daraus zu Bcrnkastel sein Grab fand °').

Vor dieser Entscheidung sprach der gelehrte Kurfürst Karl Kaspar von der Leyen auf Ehreubreitstcin, oder in seinem Namen der Dichter Trips, Pastor zu Honnefs, über den Zustand des Erzstifts trauernd, seine Gefühle und Gesinnungen in lateinischen Versen aus °°), von welchen folgende, die ich treu in Teut- fcher Nachbildung gebe, immer denkwürdig bleiben möchten:

Unbewegbar steh' ich, ein Fels, in Auftria's Bunde.

Fruchtlos, gallischer Hahn, krähest du freundlich nur zu. Ich bin ein Fels, auf Fclsen erwächst die Lilie nimmer;

auf den Felsenhöhn horstet der Adler nur gern.

Kein Heil bringt der Gallier uns; er verderbet uns alle;

deutsches Leben besteht unter dem Gallier nicht. Gallisches Joch zu tragen verschmäht Germanische Freiheit;

kommst du jedoch nicht zuvor, Teutscher! so bist du Vasall: Wahrheit red' ich; allein, wer glaubt's? kaum höret mich Einer.

Was er jetzt Uebles erträgt, schaffet der deutsche sich selbst. Hält' Alemannia nur den Feind mit vereinigten Kräften

rüstig betämpft: schon längst herrschte kein Gallien mehr. Nun mit getheiltem S,i»N in streitende Thcile zerfallen,

fordere der Teutsche den Tod, «,ch! von dem eigenen Schwert,

Fruchtlos geh'n wir zu Rath: im Berathcn gehn wir zu Grunde. Lst noch Hoffnung für uns: sucht >» dem Schwerte sie aus.

66) Arch. zu Neuw. 67) Brief Friederich's zu Altwieb.

68) Arch. zu Neuw. 69) Wyttenb. Gesch. v. Trier, B. IV.

60^, <3e«t» l'revir. Ilontlr. kroärom. Wyttenb. I, e.