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?luf der Grafschaft Wieb lasteten auch in diesem Jahre Einquartierungen, nachdem der Nymweger Friede zwischen dein Kaiser und Frankreich (d. 5. Febr.) geschlossen worden, Kurbrandenburg aber noch mit Schweden, und daher auch mit dessen Bundesgenossen Frankreich in feindlicher Stellung war, bis durch einen Einfall der Franzosen in Wcstphalen der Kurfürst von Brandenburg im Iunius zum Frieden genöthigt wurde. Es waren fürstlich Oönabrückischc Kricgshaufen, die, in Brandcnburgischcm Dienste, hier verweilten. Es wurden deßhalb von den Wcstpfälischcn und Wcttcrauischcn Unionsständen Unterhandlungen gepflogen. Die Union verband sich mit Hesscnkasscl, welches ein Hülfsregimcnt stellte.
Die Ruhe, die jetzt in unserm Lande eintrat, wurde von Friedrich zu Wied benutzt, theils um seinen verarmten Unterthancn auf mannichfache Weise aufzuhelfen, und seine Gemahlin Philippina Sabina (S. 166-;) verpfändete „zum Besten des Landes" ihr Silbergeschirr; theils zur Förderung des Kirchenbaues in Neuwied. 1680. Auch ein Schulhaus wurde nun angefangen. Für die Kirche zu Heddcsdors wurden Glocken in Köln umgegossen 7°).
Seit mehreren Jahren hatten sich etliche Familien von Mcnnoniten nach Gönnersdorf und nach Neuwied gezogen. Es wurde ihnen nun geboten, dem Gottesdienste in der reformirtcn Kirche beizuwohnen. Auf ihre Bitte aber ertheilte ihnen Friedrich d. 16. Dccbr. einen Bcsreiungsbricf, daß sie nicht gezwungen seyn sollten, sich andern Kirchengebrauchen zu unterwerfen, sondern eine eigene Gemeinschaft halten dürften. Sie erlangten in der Folge, daß sie statt des Eides ein Handgelöbniß thaten, statt des Waffendienstes ein geringes Geld für den Mann erlegten. Ihre Taufen, Trauungen und andere kirchliche Handlungen werden durch Manner aus ihrer Mitte verrichtet; aber die Geburten, Ehen und Stcrbfalle wurden von jeher in das reformirte Kirchenbuch eingetragen, und ihre Tobten auf dem Kirchhofe dieser Gemeinde beerdigt. Schon 1574 hatten einige Mcnnoniten sich zu Fahr und Irlich niedergelassen, auf den Befehl aber, ihre Kinder in die berechtigte Kirche aufnehmen zu lassen, oder aus dem Lande zu gehen, wahrscheinlich das letzte gethan. Ein Zeitraum von hundert Jahren hatte die Ansichten geändert ?').
Der Graf Georg Hermann Reinhard erfreute sich eines den 30. März gebornen Sohnes: Johann Friedrich Wilhelm, ein Jahr später den 1. Mai eines zweiten: Maximilian Heinrich, und am 26. Mai 1682 1681. ward ihm die Tochter Wilhelmina Erncstina.
Die Grafschaft Wied wurde zu neuen Anstrengungen genöthigt, durch den gemeinsamen Vcrtheidi- gungsstand, in den das Teutschc Reich durch die unerhörten Schritte des Königs von Frankreich, Ludwig XIV. aufgefordert werden mußte. Frankreich's Rcunionskammcr entriß dem Tcutschcn Reiche durch bloße Machtsprüche Landstücke und Städte, dem Erzstiftc Trier Besitzungen an der Saar, Maas, Nahe und Mosel, und baute die Festung Saarlouis, um seine Grenzen dem Rheine immer näher zu rücken. Des Kaisers Ermahnung an die Tcutschcn Rcichsstände veranlaßtc nun den Beschluß einer Rcichsdefensionalverfassung, nach welcher die sämmtlichen Kreise unverzüglich cin Hcer von 40.00U Mann aufzubringen hatten. Für jeden Kreis wurde in einem neuen Verzeichnisse die zu stellende Mannschaft festgesetzt, so, daß die Rcichsmacht im Kriege bis zu 12U,U00 Mann verstärkt werden konnte. Zu Unterhaltung des Heeres wurde in jedem Kreise eine Krciskasse, und eine allgemeine Rcichskassc angeordnet. Dieser neuen Kricgsverfassung zufolge wurde der Graf Friedrich von dem General-Fcldmarschall, Grafen Georg zu Waldeck, ersucht, das Wicdi- sche Contingcnt nach Frankcnberg, im Hessischen, abgehen zu lassen '2). Die bedeutenden Maaßregeln des Kaisers und eines Theils der größten Rcichsstände wurden aber durch einen andern Theil der letzten geschwächt. Kurbrandcnburg verband sich mit Dänemark und dem Bischof von Münster, um zu Gunsten Frankreich's Teutschland nicht zum Kriege wider die letzte Macht kommen zu lassen, die der Kaiser gerne mit aller Teutschen Kraft angreifen wollte. Der Kaiser ermunterte die Fürstenvercinigung zur Beständigkeit, und erließ auch an Friedrich zu Wied uud an Ludwig Friedrich zu Wicd-Runkel, ein Schreiben, daß sie, wie 166«. bisher, rühmlich bei dem Dcfensionswerke beharren möchten. Dagegen gab Kurbrandenburg unscrn Grafen zu
7H) Archiv zu Neuw.
7Z) Alch. zu Neuw.
