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schc Reich erschien, rückte schon ein Heer von 80,000 Mann an den Rhein, rnd bc'e^te von der Schwcitz an bis Wesel alle feste Platze. Nur Koblenz und Köln widerstanden. Andernach und Bonn wurden im October von dem Feinde bezogen. Die Stadt Koblenz wurde von dem Marschall Heulers zur Aufnahme einer Besatzung aufgefordert; aber der muthvolle Crmmandant, Gras August von der Lippe, camals Hessischer Gc- ucrallicutcnant, verließ sich aus seine 900 Mann, und wies die Französische Zumuthung ab. Der Feind warf nun drei Batterien auf, eine gegen Lützcl-Koblcnz, die andere gegen die Stadt, die dritte gegen die Festung Ehrcnbreitsiein gerichtet, und begann am 28. Octobcr mit 15 halben Karthaunen und zwölf Mörsern die Beschießung. Der Gras von der Lippe erwicdcrtc das Feuer von den Wallen Tag und Nacht ununterbrochen fort. In der Nacht von ?. November warfen die Franzosen aus einer neuen Batterie 200 Karkasscu in die Stadt, zündctcn sie mit diesen Brandkugcln au vier Orten an, und schössen beständig von der Karthausc kreuzweise durch die Flammen. Am 8. November dauerte das Schießen fort; und in der folgenden Nacht wurde aus einer sechsten Batterie zwischen dem Rhein und der Moselmündung die fliegende Brücke nebst den Schissen, die in der Nahe lagen, doch ohne Schaden, dann der neue Bau der lursürstl,- chen Residenz beschossen. Die Bürger und Soldaten in der Stadt versuchten vergebens, in den brennenden Straßen zu löschen; die Gluti) der zusammenstürzenden Häuser, und die auch in der Nacht vom 9. Neovem- bcr einfallende Bombenmcnge, zwang die Menschen zu fliehen und sich zu verbergen. Sechshundert Häuser waren in diesen drei Tagen eingeäschert, und schon am siebenten des Novembers die Licbsrauenkirchc und die Stiftskirche St. Florin, mit ihrcn schonen Thürmcn, zerstört worden. Diese schreckliche Bcrwüsiung brach jedoch dem Commandantcn und seinen Kriegern den Muth nicht; seine Kanonen und Mörser an dem neuen Schlosse, auf den Wällen, so wie aus der Festung blieben in so gutgcrichteter Thätigfcit, daß seit dem neunten des Monats die seindlichcn Batterien allmälig schwiegen und abgeführt wurden. Am zwölften brannten die Franzosen das Lager bei Gülz, und in der Nacht die letzten Hänscr von Lützcl-Koblenz ab. Am vierzehnten früh hatten sie auch ihr Lager auf der Karthausc angezündet, und waren an der Mosel hinauf abgezogen. Unter 6,000 halbe und drcivicrtcls Karthauncnkugeln, und 4,000 Bomben hatten die Belagerer verschwendet, an 1,000 Franzosen waren gctödtct worden. Die Stadt zahlte kaum noch 150 ganze Häuser. Dem tapferen Grafen von der Lippe verschrieb der Kurfürst Johann Hugo auf Lebenszeit jahrlich drei Fuder - Moselwein »«).
Auf der Festung Chrenbreitstein wurde nun an neuen Befestigungen gearbeitet. Der Kurfürst verlangte auch von Wied sechzig Fröhncr, die ihm aber versagt wurden °').
Inzwischen hatten die Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen, die Sächsischen Herzoge, der Herzog von Hanovcr, und der Landgraf von Hessen, eine Kriegsmacht zu ihrer Berthcidigung in Bewegung nach dem Rheine gesetzt. Hanovcrancr bezogen in der Gegend um Montabaur Winterquartiere, und die Grafschaft Wied mußte im Dcccmber Korn, Hafer, Heu lind Stroh dahin liefern. Auch die Franzosen in Bonn forderten von unserer Grafschaft im Dcccmber 5,000 Pallisadcn, wurden abcr abgewiesen. Im Anfange des i6Z9^ folgenden Jahres mußte die Wiedische Regicrung nicht nur an Kurtricr, nach Ehrcnbrcitstcin, sondern auch an die Franzosen in Andernach, Schanzarbeitcr, Fuhren, Pallisadcn, nach Montabaur, und für einen bei Cn- gers sich festsetzenden Tcutschen Hccrhaufen, große Holzliefcrungen besorgen «'). ,
Am zwölften des Februars wurde dem Grafcn Gcorg Hermann Reinhard, der Sohn Georg Wilhelm geboren, der aber in demselben Jahre wieder starb.
Nachdem am 14. Februar zu Rcgensburg der Ncichskricg wider Frankreich erklärt worden war: hatte die Grafschaft Wied durchziehende und längere Zeit verweilende Schaarcn des kaiserlichen und Ncichs- hceres fast ununterbrochen mehrere Jahre hinfort zu verpflegen. Der hcldenmüthigcn Vcrthcidigung der, Stadt Koblenz, und den früh genug in unsere Nähe gekommenen Bcrthcidigcrn, hatte es übrigens der Nic- derrhein zu vcrdanken, daß hier die Französischen Unmenschen nicht ähnliche Greuel verübten, wie in der un-
88) Wyttenb. Gcsch. u. Trier, V. IV.
89) Arch, zu Niuw,
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