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1637. nächsten Jahres den Herrn von Frans in Neuwied, der, nach dein Nyswick^r Frieden zwischen Teutschland und Frankreich (d. 30. Octbr.), die rückstandigen Steuern zu den Nömermonaten eintrieb, die Höfer auf jcnein Gute zu verschonen, und versprach, für sie zu bezahlen. Hessenkassel inachte, wie an die Westfälischen Reichs- stäude überhaupt, auch an Wied noch Forderungen an Kricgsstcuern; man wendete sich an den Kaiser, und Hessen mußte ablassen. Wegen des strengen Verfahrens der Wiedischcn Verwaltung gegen die Unterthanen, die

> während des neunjährigen Krieges il.rc Abgaben schuldig geblieben waren, hatten viele ihre Wohnungen und ihr Eigenthum verlassen "). Die aus dem Kriege in den Niederlanden zurückkommenden, oder auch noch ab­wärts ziehenden Schaaren im Octobcr dieses Jahres füllten abermals unsre Ortschaften, und zehrten einen Theil der Acrnte aus. Der Burgflecken Wied (Gräfenwied, Altwied) hatte sich von jeher der Freiheit von Einquartierungen und von der Neichssteuer der Römcrmonate erfreut. Ein gewisser Ulmann aber wollte frem-

^ des Volk dahin legen. Diese Rechtsverletzung reizte den Grafen Friedrich so auf, daß er den Würgern von Altwied schrieb: sie sollten dem H tt nicht parircn;Ulmann, du sollst dessen versichert seyn, daß ich dein Blut sehen will." Dar. d. 26. Octbr. -). I6V3. Am dritten des Aprils bestätigte Friedrich den Katholiken in Neuwied und in der Grafschaft über­

haupt nochmals die 1682,, den 1. und 28. Scptdr. ihnen gegebene Concession, namentlich ihre öffentliche Ncli- gionsüdung. Nur das öffentliche Tragen der Monstranz und Processioncn mit Fahnen, Kerzen, Kreuzen, wur­den untersagt. Nach der Erbauung ihrer Kirche sollten ihre ordentlichen Geistlichen und Schüllehrcr gleiche Freiheiten und Rechte mit denen der rcformirten Gemeinde haben. Die Heimchen sollten keinem Zwange unterworfen, und ihnen frei gelassen scnn, ihre Kinder in andere Schulen zu schicken ^).

Am dritten Maitage Nachmittags 1 Uhr entschlief der Graf Friedrich in Neuwied, in der Hälfte sei­nes achtzigsten Lebensjahres (S. 1618). Sein Irdisches wurde am ein und zwanzigsten des Iunius in der rcformirten Kirche zu Neuwied beigesetzt. Es wurde ihm eine Gcdächtnißrede über die Worte Ps. XVI, 6. gehalten, die wohl auf sein zurückgelassenes, und auf sein nun erreichtes Vaterland eine vielseitige Anwendung finden, aber auf seine Lcbcnsschicksale wenig bezogen werden konnten; denn, einem Fürsten, der früh vaterlos, in verheerenden Kricgsstürmcn zum ernsten Jüngling gereift, durch Umstände gedrungen sich der Regierung ei­nes Landes unterzieht, das zerrüttet und verschuldet dennoch stets neue Opfer aufbringen muß, die er Freun-

' den und Feinden ein halbes Jahrhundert fort zu leisten gezwungen wird, der überdies; an viele Familicnglie- der beträchtliche Iahrgchaltc zu entrichten, mit sechs andern Verwandten unverschuldete Proccsse auszuftchtcn hat, von Gläubigern der Vorfahren bedrängt ist, in dem Bestreben, durch vortheilhaftcn Anbau seinem Lande aufzuhelfen, verkannt, verläumdet, von empörten Unterthanen gekrankt, fünf erwachsene Söhne umkommen, von andern Kindern sich hintergangen, und am Ziele eines langen sorgenvollen Lebens, auch die Zukunft für seineAngehörigen getrübt sieht; einem solchen Landesherrn ist oasLoos nicht lieblich gefallen; und es gereicht ihm zur Entschuldigung, wenn er darauf dachte, diese reizende Landschaft, dieses so unglücklich gelegene Erbe der Urvater, gegen irgend ein besser geborgenes auszutauschen. Die Zeituerhaltnissc vereitelten seine Plane; sie nöthigtcn ihn, in seinem Lande auszuharren, und auch den Schaden von seinen Anstrengungen für größere Machte zu tragen. Da Friedrich aber alles dessen ungeachtet dem ferneren Bestehen seines Landes vorgear­beitet, gegen Beeinträchtigungen uncrmüdet gekämpft, für seine von außen her bedrängten Unterthanen sich immer nachdrücklich verwendet, gemeinnützige Anstalten befördert und hergestellt, den Bergbau neu eröffnet, Eisenhütten gegründet, der Grafschaft in der Anlegung der Stadt Neuwied, die jetzt aus 170 bis 180 Häusern bestand, eine so wichtige Statte des Verkehrs, des Erwerbs und der Hülfe, und msserm Rhcinthale eine Zierde gegeben, und für viele schätzbare Familien verschiedener Rcligionsüdungcn sich auch über den unduldsamen Geist seiner Zeit erhoben hat: so gebührt ihm die Bewunderung und der Dank der Nachwelt. Friedrich liebte Ab­wechselung seines Aufenthalts, auf Braunsbcrg, auf der Sccdurg in dem dort an dem großen Weiher von ihn:

H Arch. zu Neuwied. Z) Originalpapiere in Allwild.- 4) Arch. Z» Ncuw.,