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Dem letztgenannten regierenden Grafen starb den 17. Dccbr. die zweite Gemahlin, Amalia Luise (S. 1733) am fünften Tage nach ihrer Entbindung von einer Tochter, Fricdcrika Luise, die ihr in die Ewigkeit folgte -).

In dem folgenden Jahre vermählte sich des Grafen Karl von Wied-Runkcl (S. 1723) ältester 175«. Sohn, Franz Karl Christoph (S. 1711), der in Holländischem Dienste General geworden war, mit einer Baronesse von Aulva, aus Wcstfriesland, die aber diese Wiedrunkcl'schc Nebenlinie nicht fortsetzte, und vor ihrem Gemahl starb.

In der Stadt Neuwied sah man der Ankunft des neuen Landesherr« mit Verlangen entgegen. Die Verhältnisse der drei Gemeinden bedurften des weisen und unparteiischen Entschciders. Zu Feststellung der Gerechtsame zwischen der reformirtcn und der lutherischen Gemeinde erschienen verschiedene Beschlüsse, unter andern die Verfügungen, daß die geistlichen Amtsvcrrichtungcn bei Nichtcingepfarrtcn, ohne Unterschied der Conftssion, nebst den Gebühren, dem n'formirten Geistlichen zukommen sollten, daß der Ncctor der La­teinischen Schule ein Reformirtcr scyn solle, und daß in gemischten Ehen die Töchter resormirtcr Väter das Bekenntnis) derselben annehmen könnten, wenn aber nur die Mütter rcforwirt wären, auch ihre Töchter, bei nahmhafter Strafe, sich zu ihrer Kirche halten müßten. In Ansehung der Schulen erließ der Graf A'lcrandcr von Wien aus (d. 1. Febr.), an das reformirte Prcsbyterium den Befehl, und abschriftlich auch dem lutherischen, daß ein rcformirter Schullehrer hinfort nicht mehr auf die lutherische Jugend angenom­men werden sollte.

Die katholische Gemeinde wurde in ihrem wiederholten Gesuch, auf ihre Kirche einen Thurm bauen zu dürfen, von Kurköln durch Vorstellungen bei dem gräflichen Consistorium unterstützt, erreichte jedoch ihren

Zweck noch nicht ^).

Im Herbste kam Johann Friedrich Alerandcr an und begab sich nach Hachcnburg, wo seine Ver­bindung mit Carolina, Tochter des Burggrafen Georg Friedrich von Kirchberg, Grafen zu Sayn und Witt­genstein, Herrn zu Farnroda u. f. w. schon vorbereitet war. Die Burggräsin Carolina war 1720 d. 19.Octbr. geboren (S. 17^15). Die Verlobung geschah am 28. Dccbr., die Vermahlung d. 2. Jan. des nächsten Iah- 1739, res. Da die neue Landcsmutscr der lutherischen Kirche angehörte: so konnte sich ihre und jede andere christliche Parthei in der Grafschaft einer billigen und wohlwollenden Behandlung getrosten.

Am 24. Febr. crthcilte Alexander einigen Familien von Inspirirten, die im Zwcibrüch'schen hart verfolgt wurden, auf Fürsprache des Leibarztes Kämpf zu Homburg, und nach genauer Prüfung ihrer Lehre, die Conccssion in Neuwied. Es zogen nun in diesem Jahre noch Andere von dort her. In der Darlegung ihrer Grundsätze, die aus manchem Mißverständnisse der heiligen Schrift beruhten, sagten sie: nur aus schlech­tem Ernst und aus Unwürdigkcit schlössen sie sich von dem öffentlichen Gottesdienste, von Tause und Abend­mahl aus; sie hielten sich an die evangelische Lehre,, hassetcn niemand, folgetcn Jesu Geboten und Wandel in Einfalt, ohne hochstudirt zu styn >).

In der oberen Grafschaft entstanden jetzt abermals unter den Untcrthanen des Grafen Johann Lud­wig Adolph aus Ungehorsam schlimme Auftritte. Der Graf hatte Kricgsvcrgütungsunkosten ausgeschrieben, und die vormals dreimal des Jahres gehaltenen Rügcrichte, Uebcrblcibscl der alten ungebetenen Dingge- ricbte, bei denen alle Unterthcmen, von 22 Jahren an, bei angedrohter Geldbuße, erscheinen mußten, und wo Streitsachen summarisch behandelt wurden, auf jeden Monat angeordnet. Dawider standen die DIcrdorser auf, und der Graf vermochte sie nicht zur Zahlung zu zwingen. Die Galmmg dauerte ein Paar Jahre fort -),

^ Fi'scl'cr, N. «cilüXIV. 2) Arch. zu Neuw, .

"> Arck ;u Neuw '^ie Stifter dieser Ctzristenuarrhci Ovaren Reformirte in dem Seuennmgebirge ,n Frantre,ch, wo sie im anfange des achtzeb.:ten Jahrhundert vertrieben, erst nach England, dann nach Deutschland g^en m^e.n- Agenden sich ni-derlie/en. ',-r' ihren Hau.tsitz ü, Verleb.».? gewannen. Man zahlte sie ungenau zu den Quaken

5 v, Mülmann 1, o.