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1762. 1?iN.

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zu ökonomischen Berathungen an, den er selbst oft beiwohnte, um die Baucrngemcinden theils mit den Fortschrit- ten des Feldbaues und der Viehzucht bekannt machen, theils zu Versuchen mit neuen nützlichen Anpflanzun­gen bewegen zu lassen, insbesondere den bisher wenig beachteten Kleebau allgemeiner einzuführen, und die Obstkuttur zu befördern. Er setzte zu diesem Zwecke auch ein Landcommissariat ein. Die herrschaftlichen Höfe mußten zu Vorbildern dienen, namentlich der Hof Rheinau, wo seit dieser Zeit der Viehstand bedeutend zu­nahm, ob er gleich auch durch Viehseuche manchen schweren Schaden erlitt. Nach diesen» Hofe führte längs dem Rheine von Neuwied aus ein schöner Baumgang von Pappeln und Obstdaumen. Zum Behuf der Fär­bereien wurde der Krapp - und Waidbau empfohlen, und zu Anlegung einer Seidenweberei eine beträchtliche Zahl Maulbeerbäume in der Ebene um Neuwied angepflanzt. , Alle diese Versuche und Anordnungen Alex- ander's gewannen mehr oder minder glücklichen Fortgang bis in die Zeit der Französischen Umwälzungen^^).

Am sechs und zwanzigsten Maitage trat Johann August Karl zu Neuwied in das Leben, derjenige von Alcxander's Enkeln, dem der Ahnen Erbe, Würde und Werke, aber auch das schwarze Loos unserer Zeit zufallen sollte. Zu Ende des folgenden Jahres, d. ,-'»l. Dccdr., wurde dem Grafen Friedrich Karl ein vierter Sohn, Ludwig Georg Karl, geboren, welcher im eilften Monate wieder starb. Der erstgeborene, jetzt zwölf- Mrige Sohn Friedrich Karl's, Clemens (S. 1769), wurde auf einige Zeit der Kriegsschule in Kolmar unter Pfcssel's Leitung anvertraut ^5).

Des Grafen Alexander rastlost Thatigkcit, seine Stadt zu erweirern, volkreicher und blühend zu sehen, so, daß er Hauser bauen ließ, eine eigene Lotterie zu deren Gewinnst veranstaltct hatte, und nach gewissen Be­stimmungen die Einwohner zur Annahme von Loosen verpflichtete, seine Achtung und Freigebigkeit, mit der er sich zu jedem herabließ, der durch Kenntnisse, Kunst und betriebsamen Sinn dem Gemeinwesen nützen zu können schien, zog viele tüchtige Leute, lockte aber auch manche Menschen herbei, die das ehrende Zutrauen mißbrauchten, und als Betrüger davon gicngcn, oder unter vielversprechendem Schein wenig leisteten.

In dem Jahre 1780 unterhandelte abermals ein Herr von Stael, um das Schloß Friedrichstein zu kaufen, und gicng? wieder davon ab. In dem folgenden wurde von einer Freimaurerloge, die sich hier zu­sammensetzte, vlel-geschrieben über eine Wittwcnkasse und Bank, die sie in demselben Schlosse anlegen wolüe; sie kam aber nicht zu Stande -^).

Am drei und zwanzigsten Scptcmbcrtagc des folgenden Jahres wurde unserm landesherrlichen Haine der fünfte Sohn, Maximilian Alexander Philipp, und nach dreizehn Monaten, den sechsten des Novembers, Heinrich Victor, geboren.

Die hochbejahrten Großaltcrn, Alexander und Carolina,, halfen der lutherischen Gemeinde zu Neuwied in diesen letzten Jahren zur Befriedigmig eines schon lange gefühlten Bedürfnisses, zur Gründung ei­ner neuen Kirche. Von der hohen Gönnerin dazu ermuntert und ihrer Unterstützung versichert, sandte die Gemeinde den ncuciugelretencn Pastor, Ludwig Röntgen, einen Bruder des hier durch seine Kunsttischlerfa- brik berühmt gewordenen königlich Französischen Mechanikers David Röntgen, mit gräflichem Patente verse­hen, zu Einsammlung von Hülfögeldcrn aus. Sn'.'i Amtsvorfahr, der 78jährige Zeitz, war in Ruhestand ge­setzt, und starb 1765. Die kirchlichen Geschäfte versah in Röntgen's Abwesenheit einige Monate lang ein Vi- ca.'iuä Tritschlcr. Röntgen folgte noch in diesem Iah« 1783 einem anderwciten Berus, und die hiesige Steile übernahm im Herbste der Kirchcnrath PH. Iac. Engel aus Straßburg.

Durch'einen Ncgicrungserlaß vom achten des Aprils wies Alexander den Platz zu der neuen Kirche, l64 Schuh tief, und 132 breit, an dem südlichen Ende der Stadt an, und erklärte ihn von Grundzins frei. Der Grundstein wurde in Gegenwart der Herrschaft gelegt, und der Bau nach einem Vorbilde des Baumei­sters Cancrini, der m Russischen Diensten stand, begonnen, freilich größer, als es die damalige Gemeinde erfor­derte, und als ihre Mitteles vermochten; ihre Anzahl aber mehrte sich jahrlich, und die zerstörende Zukunft

) Aich. zu R,liw.

46) Arch. zu Neuw.