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Vier und zwanzigstes Kapitel.

1792 bis 1824.

1793.

Der Fürst Friedrich Karl zu Neuwied, der in den letzten Jahren seiner Muße sich vorzüglich mir ökonomischen Werken beschäftigt, und auch in dieser Wissenschaft, wie in andern, einen Schatz von Kennt­nissen gesammelt, zugleich aber durch leidenschaftliche Versuche auch einen auffallenden Mangel an Urteils­kraft in zweckmäßiger Anwendung seines Wissens offenbart hatte, zeigte sich so einsichtsvoll und so, zweck­widrig handelnd in seiner Regierung überhaupt. Seiner tiefblickenden Mutter Urtheil in einem Schreiben an ihn, im Mai, enthält seine-ganze Charakteristik in den wenigen Worten:I<- i^ vou« luxe poiui ä'im. docilüie mni« dien c>u« volre iacun ä'.izir n'est P25 raizonnnble,"

Vcrbcsserungösüchtig bis zur'Zerstörung des Schönen und Guten, wohlthätig bis zu erschöpfender Verschwendung, friedliebend bis zur Wegwerfung heiliger Rechte und Gesetze, verfuhr er mit Werken seiner Vorfahren, und mit den Einkünften, und beendigte er die Rechtsstreite mit den Dorfschaften, die er bereiste, seinem Reverse zuwider, auf solche Weist, daß die Fürsten zu Runkel und Berlcndurg, als Bürgen des Hauses Neuwied, am 19. Jan. bei dem Neichskammcrgerichte um Einsetzung einer Curatel über ihn baten. Dieses übertrug die Untersuchung dem Fürsten von Nassau-Dillcnburg, welcher einen «Vubdelegirten er­nannte. Inzwischen berichtete Friedrich Karl über seine Aufhebung der Landcsproccsse an das Rcichskam- merqericht in einer von ihm selbst verfaßten Schrift, die seiner Gelehrsamkeit und Darstellungsgabe Ehre machte. Er wurde jedoch auf Alcrander's Verfügungen und auf seinen Revers zurückgewiesen, und den fürstlichen Gewährsmännern zur Unterstützung noch der König von Preußen, als Herzog von Eleve, ersucht.

Friedrich Karl's ältester Sohn, Elemens, war bald nach seines Großvaters Hintritt zurückgekom­men, aber nichts weniger als genesen. Der Prinz Christian (S. 1785) ward in Preußischen Diensten als Rittmeister ä la suüs angestellt.

Unterdessen erfolgten zur Entzündung des Ncvolutionskrieges die bekannten Erklärungen, die der Französischen Prinzen, insbesondere Ludwig's X VII l. aus Schönbornslust, einem schönen ländlichen Schlosse unterhalb Koblenz, an die Nationalversammlung, und nach dem Entschädigungsancrbictcn Frankreichs an die deutschen Fürsten' die Kriegserklärung desselben an den neuen Kaiser Franz II. vom 20. April. Im Ju­lius versammelte sich im Rheingau bis in unser Rheinthal ein Preußisches, mit Oesterreich verbündetes Heer unter dem Herzog Karl von Vraunschweig. kehrte am Ende des Septembers aus der Champagne bis dies­seits des Rheins zurück, und brachte viele Kranke auch nach Neuwied. Die lutherische Kirche wurde von dem Preußischen Proviantamte in Anspruch genommen. Die katholische Kirche verdankte den Französischen Emigranten in dieser Zeit den Besitz einer Glocke.

Zur Ausbesserung der Festung Ehrenbreitstein wurde, da der Rhein gesperrt war, auf dem rechten Ufer alles Brauchbare aufgesucht; auch die alte Burg zu Altwied mußte von ihrem neueren Hauptgebäude Traßstücke abgeben, und wurde dadurch zu einer gänzlichen Ruine.

Die Kriegserklärung des Teutschm Reichs an Frankreich d. 22. Mar;, hatte häufige Durchzuge nach den Niederlanden zur Folge. Zu Ende des Jahres zogen sich die Verbündeten in unsere Rhcingc-

gcnden zurück. .,,«>. < ^ ^,>.

Seit dem Julius des folgenden Jahres drangen die Franzosen über die Maas, und eroberten das ^ ganze Kurfürstentum Trier, unter Iourdan. mit dem sich Moreau an der Mosel vereinigte. D>c Oe,ter- reicher unter Clärsait zogen sich in fliehender E.le in unser Rheinthal zurück. Als sie nach Andernach ka­men, lieferte ihnen von den umliegenden Ortschaften Neuwied zuerst beträchtliche Lebensmittel, ^n den letzten Tagen des Septembers setzten sie auf unser Ufer herüber, schlugen auf der Anhohe be. Heddesdorf

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1795.

5.

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