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ein Lager auf, wurden in der Stadt einquartiert, und die lutherische Gemeinde mußte ihnen, nach e'nee- Verfügung des Stadtraths, ihre Kirche zum Magazin räumen. Am-2. Octbr. siel die Beste Nhcinfcls, und die Franzosen besetzten Koblenz.

Die Eroberung Belgicn's und Holland's von diesen Siegern änderte die Bestimmung des dritten Sohnes unseres fürstlichen Hauses, Johann August Karl (S. 1779). Nach feierlicher Weihe zum Christcn- thume, die seine hochgesinnte Mutter im Juni an Hermann's Grabe in der Kirche zu Niederbiber durch rüh­rende Worte an ihre Kinder vorbereitet hatte, begab er sich nun mit seinem alteren Bruder Christian (S. 1792), nach Braunschweig in das Kollegium Caroliuum. Vis zur Verwandlung Holland's in eine batavische Republik hatte der Prinz Friedrich Ludwig von Wicd-Nunkel (S. 177U) als Major des Hessen-Darmstädti- schen Infanterie-Regiments in Holländischen Diensten den Krieg gegen Frankreich, namentlich die Schlachten von Landrecy, Flcurüs und Sluis mitgcfochtcn. Sei der Uebcrgabe der Stadt Sluis wurde er gesangen nach Paris geführt.

Der Fürst Friedrich Karl zu Neuwied hatte seine Verhandlungen mit dem Neichskammcrgerichtc ge­gen die ihm gesetzten Schranken fortgesetzt, ohne seinen Zweck zu erreichen. Er reiste nun, nach Vorfallen, von denen nur die Anhänglichkeit der Bürger Ncuwicd's an die lcider.de Fürstin in lichtem Andenken blei­ben möge, zu den Neichstagsgesandtcn nach Ncgensburg, zeigte sich über ihre Erwartung, und wendete sich von dort nach Wien an den Ncichshosrath.

Dcr neunzehnte Tag des nächsten Jahres beschloß das wohlthuende Erdenleben der verwittwetcn Fürstin Caroline zu Neuwied in dem Alter von 74 Jahren und 3 Monaten (S. 1?l5), Ihr Abschied war für das fürstliche Haus, für Stadt und Land, ein ticfschmerzcnder Verlust; sie war Landcsmuttcr im vollen Sinne dieses Wortes; ihrer Fürsorge ist besonders die lutherische Gemeinde zu Neuwied großenthcils das schuldig, was dieselbe hat. Dcr Gerechten Gedächtniß bleibe bei uns im Segen. Sie wurde von der Erde in einer Zeit abgerufen, da Neuwied den Krieg mit allen seinen Schrecknissen empfinden sollte.

Im Julius näherte sich eine von den drei Abteilungen der Sambrc - und Maas-Armee unter Iour- dan und Lefcvrc dem Rhcinufer jenseits unserer Stadt, um hier überzugehen, warf im August Schanzen und Batterien auf, bemächtigte sich dazu auch dcr nahen Insel an dem Weißen Thurm, und begann den 29. Au­gust in dcr Nacht von 1 Uhr an plötzlich eine Kanonade üöcr Neuwied nach dcm kaiscrlichcn Lager bei Hed- dcsdorf unter dem General von Wanensleben, und aus die Kaiserlichen in Neuwied unter dcm General Mont- frcmlt, die in den Straßen, und längs dem User hinauf Schanzen angelegt hatten, um den Feind von dcr Insel zu vertreiben. Dcr erste feindliche Schuß zerschmetterte das Dach eines Hauses an dem, von Kasta- nicnbäumcn bcschattctcn, Marktplatze; ein darauffolgender Hagcl von Granatcn und Kartätschen beschädigte die Häuscrgevierte, die dem Rheine am nächsten stehen, fast alle, und unter ihnen durch mehr als 130 Ku­geln, die lutherische Kirche, die schon als Magazin im Innern gelitten hatte, so sehr, daß die aufgeschreckten Einwohner, nichts Geringeres, als die Zerstörung dcr Stadt fürchtend, in jammervolle Verwirrung gcricthen. Dcr Tag vcrgieng ruhig. Am dreißigsten um 2 Uhr gegen Morgen, fleug das Beschießen wieder an. Das

in dcr Nahe der luthcrischcn Kirchc, gcricth durch Haubitzen in Brand. Uebrigcns blieb die Stadt von größerem Unglück verschont; außerhalb setzten die Kaiserlichen und Franzosen die Beschießung von Zeit zu Zeit fort, bis gegen die Mitte des Septembers. In dcr Nacht vom vierzehnten auf den fünfzehnten zogen die Oestcrrcicher still ab, und mit Anbruch des Tags setzten die Franzosen in klei­nen Nachen herüber; am fünfzehnten wurde eine stehende Brücke an beiden Seiten dcr Insel geschlagen, auch eine fliegende eingerichtet, und nun zog ein großer Heuhaufen herüber. Die meisten Einwohner wa< rcn auf das Land geflohen; die Krieger fanden wenig Lebensmittel, siclcn babcr in die offenen Häuser, plün­derten, verwüsteten, und verübten Gräucl aller Art, in den umliegcndcn Dörfern auch Morde, Unter den namhaften Hauptlcutcn der Franzosen kamen auch Bcrnadotte und Ioubert nach Neuwied. Dcr wütbcnde Toldat ward allmalig ruhig. Unsere «gierende Fürstin halte, nur auf vieles Bitten, die Stadt eine kurz«