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düng am ganzen Nicderrbein uin sich, und dauerte, namentlich in Koblenz, bis 1667 so verheerend fort, daß alle unsere Ortschaften eine große Anzahl von Kranken und Todtcn, die als Opfer der Pest in die Kirchenbücher verzeichnet wurden, und mehrere Städte an beiden Ufern die Verstorbenen gar nicht berechneten. Manche Angesteckte sollen sich alsbald ihre Sarge besorgt und sich hineingelegt haben. Der Ackerbau wurde wahrend der Zeit vernachlässigt und die Acrndte versäumt °). Die kleine Stadr Neuwied blieb indeß bei­nahe ganz von der Plage verschont, weil sie eines freien Luftzugs durch ihre breiten geraden Straßen ge­noß. Eine Theurung 1633 trieb das Malter Korn aus 16 Rthlr.. Im Jahre 1698 wurde so wenig gcärn- tct, besonders im Tricr'schen, und die Trauben enthielten einen so schlechten Saft, daß Hungersnot!) ent­stand. Desto reichlicher war die Acrnte und die Weinlese des folgenden Jahres. Die außerordentliche Som­merhitze 1705 erzeugte wieder todtlichc Krankheiten. Das Jahr 170? trieb in dem ungemein gelinden Win­ter schon im Januar Blumen und Blüthen heraus, steigerte aber die Sommerhitze so hoch, daß Menschen auf dem Felde plötzlich starben; es brachte übrigens einen solchen Gctraidescegcn, daß der Scstcr Waizen 3z Albus, 30 Pfund Schweinefleisch 1 Gulden kosteten. Das Jahr 1709 war sehr unfruchtbar, und endigte mit einem äußerst harten Winter. 1721 schwebte man hier in der Besorgnis), daß durch Bankobillcte und Briefe die von Frankreich her drohende Pest möchte mitgethcilt werden; und unsere Landesherren gaben Ver­ordnungen, wie es milden Paffen, Waaren u. s. w. gehalten werden sollte '). 1725 war ein kaltes, un­fruchtbares und höchst trauriges Jahr. 1784 brachte einen köstlichen, und reichlichen Wein. Das Jahr 1783 ließ nach einem warmen Januar einen schnecreichen Februar folgen, aber die Aerntc war sehr gut. 1805 erfror die Menge der vollen Weintrauben kurz vor der Reife. 1813 wurden wir mit einer vollen Acrnte ge­segnet, um die vielen Gaste, die der Krieg herbeiführte, sattigen zu können. Im Ansänge des Jahres 1814 ließen die über den Rhein setzenden Kriegshecre ein Nervensieher zurück, daß in Teutschland Tauscnde dahin- raffle, in Neuwied aber verhältnismäßig weniger tödtlich war, und auch wohl die zum Theil allgemein be­trauerten Opser nicht gekostet haben würde: waren die Lazarcthe nicht in der Stadt, sondern an den Enden emqcwiescn worden. Das Jahr 1816 war naß und kalt, und die Aernte so gering, daß im Winter und solqendcn Frühjahre der Simmcr Kartoffeln einen Gulden, ein sicbenpfündiges Grobbrot in der ersten Hälfte des Julius 1817 einen Gulden kosteten. Das Jahr 1818 war ein ausgezeichnet ergiebiges an Getraide, Kartoffeln, Obst und Wein. Die letzten gnüglichcn Iabrc-'Md der allgemein fleißiger betriebene Ackerbau, haben uns die Wohlfcilheit gebracht, in der die ersten Monate des Jahres 1822 ein siebcnpfündiges Grob­brot den Preis von 1l.tr. bekam. 1823 wurde reichlich gcärndtet, viel Gcmüs gezogen, nur die Weinlese, besonders weißer Trauben, war gering. Der Ertrag unserer Fluren würde in diesen letzten Jahren viel grö­ßer gewesen seyn, wenn man auf die Vertilgung der gewaltigen Menge von Feldmausen allgemein ge­dacht hatte.

Unter diesem Wechsel der Naturgunst wucbs die Bevölkerung in der niederen Grafschaft Wicd seit dem dreißigjährigen Kriege mit jedem Mcnschenaltcr, durch die wohlbcrcchnctc Anlegung der Stadt Neuwied. Die alten Nachbarsiädte Koblenz und Andernach hatten in diesem Kriege ihr vormaliges Vermögen, ihre Handelsvcrbindung mit der zerfallenen Hansa, die Blüthe ihrer Gewerbe, und mit der Einführung stehender Heere ihre bewaffnete Selbstständigkeit, den Schirm ihrer Mauern und Thürme verloren. Die schrecklichen Kriege Frankreichs in den letzten Jahrzehnten des siebzehnten und im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts entvölkerten und verwüsteten die Nheingegcndcn, besonders in dem Trier'schen. Die junge Stadt Neuwied gewahrte fleißigen Menschen und Familien, die in ihrer gestörten Hcimath, in bedrängenden Religionsver- hältnisscn, unter Verfolgungen in ihrem Vaterlande, sich nicht mehr wohlfühlten, Freiheiten, Hoffnungen zu neuen Verbindungen, in neuen Hausern Bequemlichkeiten, unter neuer Herrschaft eine Begünstigung, die sie in alten, ihre alten Gewohnheiten fortbehauptcnden, im Wohlstand gesunkenen, Orten nicht erwarten konnten. Um sich in der neuen Pstanzstadt zu empfehlen und Vorthcile zu erwerben, konnte jeder Bürger auf Rechtlich-

2) Qezta lievi,-. ?rc>älom. lloMl,.

3) Arch. zu Neuwied,