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keit, gute Sitten und wohlwollende Behandlung zahlen, lind hatten nicht die Bedrückungen, welche die Protestanten, namentlich die Reformisten, in Frankreich, im Elsaß, in der Pfalz, und von dem unduldsam lu­therischen Geiste in Teutschland, erfuhren, die Gesinnung der reformirten Negierung in dem Wicdischcn zu desto strengerer Festhaltung kirchlicher Vorrechte vermocht: so würde unsere Stadt zu noch frühcrem, größe­ren! und dauerhafterem Flor erwachsen seun. Alexander erkannte dieses in dem Geiste seines königlichen Gcnnerö Friedrich des Einzigen, und unter seiner Pflege erhob sich Neuwied zu einer so lebendigen Betrieb­samkeit, daß Andernach und Koblenz viele ihrer Bedürfnisse von hier bezogen. Erst durch die jüngsten Staatsverandemngcn hat sich das Glück der Stadt Koblenz mit einer Fülle wieder zugewanot, daß sie dar­über ein Schrecken ankommen sollte. Auf das Wicdische Gebiet hatte die neue Residenz seiner Fürsten einen überwiegend wohlthätigen Einfluß. Sic entzog zwar dem Burgfleckcn Altwicd die, Hofhaltung, die uralten Stammvesten Wicd, Braunsberg, so wie Nunkel und Isenburg, als Dicrdorf der bleibende Regentensitz der oberen Grafschaft ward, standen seit dein Anfange des achtzehnten Jahrhunderts fast ganz verlassen und ver­fielen, und die nächsten Ortschaften verloren manchen Nutzen; allein ungleich größer und mannichfaltiger ward für den verständigen Landmann durch die Vereinigung von Handwerkern, Künstlern, Handelsleuten, wissenschaftlichen Männern, Reichen und Bedürftigen in der Stadt, der Gewinn von dem Absatz seiner Na- turcrzeugnissc, die Ermunterung zu größerer Thatigkcit, die vielseitige Hülfe, die er da finden, die neuen Be­griffe und Kenntnisse, die er hier sammeln konnte. In Neuwied legten die Landgemeinden ihre Abgaben, über deren Vergrößerung sie unerkenntlich schrieen, gleichsam als ein Kapital nieder, von dem ihre Kinder und Enkel vielfaltige Zinsen ziehen. Wie weit besser sich seit ungefähr fünfzig Jahren unsere Bauern befin­den, als es bei dem besten Willen ihrer Landesherren in frühem Zeiten möglich war, das lehrt uns schon der Augenschein, obgleich die gegenwärtigen Abgaben die bitter beklagten älteren überwiegen. Noch größer ist der Unterschied, den die Einwohner der Stadt zwischen der Kleinigkeit, die sie ehedem, in fast demokrati­scher Freiheit an ihre milde Herrschaft, welche zu ihrem Besten stets in ihrer Mitte lebte, zu entrichten hat­ten, und zwischen dem, was ihnen seit 1806 aufliegt, empfinden. Auf das Gedeihen der freundlichen und bald weit umher beliebten Stadt Neuwied, und mittelbar auf das Wohl des Landes, war die ganze Wirk­samkeit ihrer Gründer und Väter gerichtet. Friedrich erkämpfte ihr Entstehen, gab dem Keim Freiheit sich zu entfalten, legte an der Wicd und Aubach Mühlen und Eisenhütten an, und öffnete bei Waldbreitbach ein neues Bergwerk, von dem ihm Kurköln 1670 den Zehnten erließ. Friedrich Wilhelm und seine Gemah­lin thatcn zur Bevölkerung und Verschönerung des Ortes nach ihren Kräften viel. Alexander gab dem Herzen seines kleinen Landes die möglichgrößte Triebkraft. Hierzu benutzte er insbesondere auch das Münzrecht seiner Vorfahren, das aus dem vierzehnten Jahrhunderte fortgeerbt, unter dein Kurfürsten Her­mann verbessert, unter Hermann II. an dem Münzprobationstage zu Köln fortcrhalten, 1690 von dem Rcichspfennigmcister Wcipeler anerkannt, 1693 und öfters in der Folge bei den Krciövcrftmmlungen vorausgesetzt, und erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts,, aus oben angedeuteten Beweggrün­den, in Zweifel gezogen wurde ^).

Unter diesem Fürsten entstanden in Neuwied Handelshäuser, Fabriken, Manufactnren und Kunst­werkstätten; von diesen haben die Tischlerarbeiten und Automaten von David Röntgen, die Uhrwerke von Pe­ter Kinzing den Namen Neuwied in Petersburg und Paris verherrlicht; die Sanitätsgcschirre und viele an­dere Arbeiten der verlegt war, geben

und Blechbämmcr und Walzwerke des Hrn. neuen Kanals bis Heddesdorf umgestaltet und erweitert werden, beschäftigen und nähren viele Menschen. Andere Gewcrbhäuser in Neuwied sind theils durch das Unglück der Kriegsjahre, theils aus inneren Ursachen eingegangen, theils neu aufstrebend, um andern Familien, namentlich Webern, noch Brodt zu verschaffen,

4) Vrchso zu Neuwied.