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sistorium, und ordneten ihnen Kirchenältestc bei. Um ihren Einfluß in das kirchliche und sittliche Volksleben zu kräftigen, schrieben sie Synoden aus; diese sind jedoch im Wiedischcn seit dem'Anfange des vorigen Jahr­hunderts nach und nach unterlassen worden; erst 18! 7 und 1818 wurden unter der königlich Preußischen Ne­gierung wieder zwei, die erste in Neuwied, die andere in Dicrdorf gehalten; die Presoyterien aber sind von der Zeit der Reformation an in allen unfern Gemeinden wirksam geblieben. Man sah, je langer, desto ge­nauer auf würdige Diener der Kirchen und Schulen.

Wahrend hier auf christliche Aufklärung hingewirkt wurde, konnte in der Trierischen und Kolnischen Nachbarschaft nur mittelbar ein langsamer Fortschritt zum Besseren erfolgen. Die fluchwürdigen Kriege Ludwigs XI V. hatten ddrt den alten Glauben entweder erschüttert, aber nichts Besseres als Laster und Un­glauben, oder einen noch blinderen Glaubensciscr zurückgelassen, Kirchen, Schnlen, Kloster, verwüstet, ihre Güter verschleudert, und Geistliche und Volk in geistiges nnd leibliches Verderben gestürzt. Roheit, Zügcl- losigkeit, heilloser Aberglaube, waren dort Ucbel, deren Ausheilung eine andere Zeit bedurfte, als die Fran­zösische Umwälzung seit 1794 sie gewahrte. Die kaiserliche Gewalt ließ vielmehr die sogenannten Primar­schulen verwildern, verfallen, dem Volke die fromme und sittliche Bildung fremd werden, suchte aber wohl die Französische Sprache und mit ihr Französische Natur einzuimpfen. Wie viel die Preußische Regierung seit 1815 für die geistige Wiedergeburt in diesem Bezirke thut, mag schon jetzt, wird aber von künftigen Ge­schlechtern mehr anerkannt werden. In Koblenz ist nun die alte Florinskirche zu einem Gottcshause der ver­einigten evangelischen Gemeinde emcuert worden.

Nicht leicht findet sich in einem so kleinen Räume eine so vielfache Verschiedenheit von größcrn und kleineren Neligionöpartheien, Seelen, und Zwcifelsüchtigcn, die alle die Wahrheit suchten, oder gefunden zu haben meinten, als sie unter Alexander in Neuwied stattfanden. In dem Jahre 1701 verlangte noch das rcsormirte Consistorium in Neuwied, daß ein katholischer Einwohner eine Nichtkatholischc nur dann hcirathen sollte, wenn er zur evangelischen Kirche übergehe, und das zu Dicrdorf 1733, daß die Katholiken ihre Kin­der der reformirten Kirche übergeben sollten ^). Nichtreformirte wurden in den städtischen Aemtcrn nicht selten zurückgesetzt. Alexander dagegen erhob sich immer mehr zu dem Grundsatze Fricdrich's des Großen:

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renä Ilorl883ine« 6).« Daher lebten alle, von den Genossen der drei Rcichskirchen an bis zu den Edcl- mcmnianern hin, unter dein Schutze dieses Fürsten, wenn sie nur unschädlich wandelten; und es wurden aus jeder christlichen Gemeinde Vcrehelichungen zugelassen, wie heute. Zu seiner Gesinnung konnte freilich nicht jeder seiner Räthc und in dem Prcsbyterium seiner Confession, sich erheben. Daß er seinen Überzeu­gungen treu blieb, läßt sich von dem preiswürdigcn Beispiele, das er in seiner Kirche gab, nicht anders er­warten. Aber auch davon war er überzeugt, daß, je vollkommener Gemeinden die Wahrheit, die nur ein­zig und über menschliche Satzungen erhaben ist, erkennen, und je näher ihre Lehren durch das Evangelium schon mit einander verwandt sind, auch eine völlige Vereinigung in einem Leibe und Geiste Christi heilsam fty, wovon in seinen Tagen die edlen Männer, Spener, Pfaff, Lcibnitz, so viel Vortreffliches schrieben. Er erlaubte daher mehreren Gelehrten, eine Gesellschaft zu Herbeiführung einer solchen Vereinigung hier zu er­richten. Ihre, in Neuwied zum Thcil gedruckten, Versuche auf wissenschaftlichem Wege sielen jedoch mit allen Ideen ihrer Art, wie ein todter Saame, in einen Boden, der sie erst jetzt, sechzig bis siebcnzig Jahre später zu fruchtbarem Leben zu wecken strebt.

Im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts und noch im neunzehnten mußte sich in den Wiedischen

5) Arch. zu Neuw.

6) KlemoireZ etc. 1751. II. 144.