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der» der edleren Verträglichkeit lind Eintracht erworben hatte, und nur noch der öffentlichen Gemeinschaft zwischen den Gemeinden von einerlei Lehre und Kirchencinrichtung bedurste, damit ganze Familien auch an demselben Tische des Herrn, und die größere Hälfte der Stadtbewohner auch in den heiligsten Gütern und Handlungen sich verbunden fühlten. Oft vertrat in den letzten vierzig Jahren ein Geistlicher der rcformirtcn oder lutherischen Gemeinde die Stelle des andern bei allen heiligen Verrichtungen, öfters nahm eine Kirche beide Gemeinden auf, das Friedensfest am 18. Januar 1816 wurde von allen Neligionsgcnoffen in der neuen lutherischen Kirche gemeinschaftlich begangen, wo der rcformirte Geistliche mit Gebet begann, der lutherische predigte, der katholische mit Gebet fortfuhr, und der der Brüdergemeinde mit Sccgcnswortcn schloß ^).
Nach solchen Einleitungen von der Hand des Herrn gelangte auch an uns die Aufforderung Sr. Maj. des Königs von Preußen, von Potsdam d, 27. Septbr. 1817, in welcher es heißt: „Ich, der König, wünsche ein Gott wohlgefälliges Werk — unter dem Einflüsse eines besseren Geistes, welcher das Außcrwc- sentliche beseitigt und die Hauptsache im Christcnthmn, worin beide Confessionen Eins sind, festhält, zur Ehre Gottes und zum Heil der christlichen Kirche, in Meinen Staaten zu Stande gebracht und bei der bevorstehenden Säcular-Feier der Reformation damit den Anfang gemacht zu sehen! Eine solche wahrhaft religiöse Vereinigung der beiden, nur noch durch äußere Unterschiede getrennten protestantischen Kirchen ist den großen Zwecken des Christenthums gemäß; sie entspricht den ersten Absichten der Reformatoren; sie liegt im Geiste des Protestantismus; sie befördert den christlichen Sinn: sie ist heilsam der häuslichen Frömmigkeit; sie wird die Ouclle vieler nützlichen, oft nur durch den Unterschied der Konfessionen bisher gehemmten Verbesserungen in Kirchen und Schulen. Dieser heilsamen, schon so lange und auch jetzt wieder so laut gewünschten und so oft vergeblich versuchten Vereinigung, in welcher die rcformirte Kirche nicht zur lutherischen und diese nicht zu jener übergehet, sondern beide Eine neu belebte, evangelische christliche Kirche im Geiste ihres heiligen Stifters werden, stehet kein in der Natur der Sache liegendes Hinderniß mehr entgegen, sobald beide Theilc nur ernstlich und redlich in wahrhaft christlichem Sinne sie wollen" u. s. w.
Die Prcsbytcrien der reformirten und der lutherischen Gemeinde zu Neuwied bericthen sich über den wichtigen Gegenstand am 15. und 16. Octbr., nachdem die beiderseitigen Prediger ihre Gemeinden damit bekannt gemacht hatten. Vorlausig nur zu gemeinschaftlicher Feier des hohen Festes vereinbar, entschied man zwischen beiden Kirchen durch das Loos. Der lutherische Prediger erlangte, was jene Gemeinschaft voraussetzte, von den versammelten Männern seiner Gemeinde am 19. Octbr. die einstimmige Annahme des Vrot- brechens bei dem h. Abcndmahlc, und die Ablcgung des Namens Lutheraner. Sic schloß sich also hierdurch thatsächlich an die vereinigte evangelische Kirche an, und aus Uebcrzcugung, die sich unter den Mitgliedern aussprach. Unterdessen hatten in Benders die beiden protestantischen Gemeinden sich schon die Hände zur Vereinigung geboten und auch ihr Kirchenvcrmögcn zusammengetragen; wobei die Geistlichen der genannten Kirchen zu Neuwied, von dem königlichen Consistorium zu Koblenz beauftragt, als Zeugen und Vermittler gegenwärtig waren. In Neuwied walteten mehrseitige Rücksichten ob. Die zwei großen Tage des Ncfor- mations-Jubelfestes wurden von unserer ehrwürdigen Fürstin-Mutter, ihrer hier lebenden Schwester, Sophia Amalia, Gräfin von Sayn-Wittgenstein Berleuburg, dem Fürsten und den übrigen hohen Gliedern des für die Vereinigung freudig geneigten Hauses, bis zu den Kindern der Gemeinden herab, mit Rührung, und besonders die nie gesehene Einheit von Lutheranern und Rcformirtcn an dem Altare in der Kirche der letzten mit solcher Gcmüthserhebung gefeiert, daß kein Augenblick zu einer wahrhaft christlichen Vereinigung, ohne eigennützige Nebenabsicht, günstiger und von dem heiligen Geiste gesegneter zu scyn schien, als dieser. Seine Entfcrntheit von solcher Nebenabsicht glaubte das Prcsbytcrium der unbemittelten lutherischen Kirche dem der rcformirtcn schriftlich erklären zu müssen, und sah nur einer gottesdienstlichcn Vereinigung entgegen.
8) Die hohe Feier des Preußischen Fricdensfcstei am 18, Januar 1816 durch eine Vereinigung aller christlichen Kirchen .„ ««—,'.». n?.« « cx ,p> <nss,«„„„> «,',„ m,,,',"»., »>,... in dem heiligen Kampfe 1813 diö 1815 zef:llc»en oder oel
in Neuwied. Von C. F- H.(offma!N!). Für Waisen der stümmelten Viittrlandsverthcidige!', Frankfurt am Ma-'n 1316,
Bei Heinrich Ludwig Bronner.
