«»»»
299
Es offenbarte sich aber bei fortgesetzten, selbst von einem Commissarius der königlichen Regierung zu Koblenz geleiteten, Unterhandlungen, die auch die äußerlichen Kirchengüter berühren mußten, daß es hier noch nicht an der Zeit scy, die Scheidewand ganz fallen zu lassen. Die (lutherische) Gemeinde, welche sich schon 1772 der Feier der Apostcltage begeben, und ihre Kirchengebrauche fast ganz nach dein einfachen Ritus der refor- »nirtcn geordnet hatte, sieht mit allen Gliedern der größeren Gemeinde, die sich zu höheren Ideen erheben, der Leitung des Herrn zu seinem Ziele still entgegen, und freut sich mit ihnen der Einigkeit im Geiste, und der, wenn auch nicht förmlich ausgesprochenen, doch durch wechselseitiges Bedürfniß bcthatigtcn Vereinigung. Im Jahre 1719 ließ das Presbyterium der evangelisch-rcformirtcn Gemeinde ihre Kirche aus eigenen Mitteln mit neuen Emporbühnen verschönern, auf einem neuen Chor eine neue Orgel aufstellen, die Gemeinde besuchte vier Monate lang die lutherische Kirche, und die beiden Geistlichen wechselten in dem Dienste ab, bis zum ein und dreißigsten des Octobcrs, da jene Kirche wieder eröffnet wurde. Die größere lutherische Kirche, deren Raum au dem ersten großen Sicgesfeste den Igten Octbr. 1814, an den Königstagen den 18. Januar, den 3, August 1315 einem zahlreichen Militär, und öfters in der Folge, besonders am Fric- dcnsfcstc 1816 und am zweiten Reformationstage 18 l7 sehr zu statten kam, erforderte, seit ihrer noth- dürftigen Ausbesserung gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, eines dem Verfall zuvorkommenden sehr bedeutenden Ausbaues. Der Vorstand benutzte im August 1817 die Nahe Sr. Majestät des Königs zu einer unterthanigstcn Bitte um Unterstützung, und cmpsicng schon im September ein allerhöchstes Handschreiben von Sedan aus, das Erfüllung hoffen ließ. Die königliche Regierung zu Koblenz erhielt Auftrag, den Zustand der Kirche untersuchen zu lassen, und erstattete, nachdem die Bitte an Se. Durchlaucht den Staats- kanzlcr Fürsten Hardenberg bei dessen Aufenthalt in dem Schlosse zu Engers in den ersten Monaten 1818 wiederholt worden war, einen so wohlwollenden Bericht an das hohe Ministerium, daß die Gemeinde in einem zweiten königlichen Schreiben aus Verlin, vom ein und dreißigsten des Augusts, durch die gnadigste Gewährung einer evangelischen Kirchen - und Hauscollecte in der ganzen Monarchie erfreut wurde. Am Ende des Jahres 1817 hatte schon der königliche Bau-Inspector Mäber von Koblenz die Kirche besieh- - tigt und entwarf während des Eingangs der Hülfsgcldcr den neuen Plan, der die cingekommcne Summe zwar weit überstieg aber von dem Ministerium genehmigt wurde. Zu Anfang des Jahres 1821 wurde mit dem Abbruche der zwei unvollendet gebliebenen Thürme, deren Grund unhaltbar gelegt und von weichender südliche ausgewichen war, und mit dem Graben in die Tiefe zur Grundlegung eines neuen Thurms, der Anfang gemacht. Die Höhe des Rheins verzögerte dieselbe bis zum ein und dreißigsten Octobcrtag, da der alte Grundstein in welchem außer einem Wiedischcn Brüderthalcr und kleinen Geldstücken nur eine von Wasser 'crweicbte Pcrqamcntrolle lag, mit jenen Münzen, einem Preußischen Tbalcr, und einer neuen Inschrift in Blei versehen unter der Hand Sr. Durchlaucht unseres Fürsten Johann August Karl und seines Bruders, des^Prinzen Maximilian, zum zweiten Male feierlich gelegt, und ihm die Weihe, die ihm der Fürst Alexander crtbci'it hatte von ocffcn Enkeln auf's Neue gegeben wurde. Während dieses Baues, der erst 1824 vollendet seyn wird genießt die evangelische (lutherische) Gemeinde einer langen Aufnahme in der rcformirtcn Kirehc wo die beiden Geistlichen in gleichem Sinne wechsclsweise das Wort vortragen und gemeinschaftlich den beiden Gemeinden das beilige Abendmahl darreichen
Der Rückblick der Gemeinden, deren Neligionsüdungen, nach dem berechtigten Willen der Wiedischcn Landesherren anfänglich in Privathäuscr eingeschränkt war, auf die nach und nach ihnen gewährten Freiheiten bis zu ihrer gegenwärtigen Selbstständigkeit uud Gleichstellung, müsse nur mit frohem Danke geschehen. Bei unscrn vier größeren christlichen Gemeinden haben bisher diese Geistlichem gestanden: bei de^ reformirten- Fr Gobius seit 1667, I. M. Breusing 1674, I. G. Melsbach 1706, I. Eh. Gudcnus 1723. Ludw Sed hamcl I Fricdr. dc Scvre 1743, Höcker 1747, I. PH. H. Muzelius 1761, gicng nach Surinam, Höcker 1755,' I. I"c- ^ouby 1757, Phil. Iac. Winz 1785, Iustus Schulz 1812, I. Inc. Meß 1816 ' ^ic bei der lutherischen smd gelegentlich genannt worden. Bei der katholischen: I. Kroth 1660, Augustin Moskop. Herm. Sehns, Fncdr. Maas, Karl Fcrio 1708, Ant. Schunk 1715, Bertr. Schcll 1735.
^,
s>!
