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tend verbessert. Andernach, wo die Franzosische Herrschast eine Sceondärschule errichtet hatte, besitzt eine katbolische höhere Bürgerschule, und Koblenz ein rcichbegründctcs Gymnasium und ein katholisches Schul- lchrer-Seminarium.
Die Bildung und Nahrung des denkenden Geistes, die Schärfung des sittlichen Gefühls und die edleren Antriebe des Willens, die in unserm Zeiträume durch Lehrer in Kirchen und Schulen, besonders in den lebten ftinfzig Jahren verbreitet, und durch Bücher und Zeitungen, welche nach solcher Vorbildung bei allen Standen Eingang finden, befördert worden ist, hat den Aberglauben, die Nohhcit und die Sittenlosig- keit auch in unserm Kreise sehr vermindert. Die Hexenvcrfolgungen gicngcn hier mit dem siebcnzehntcn Jahr- l'undcrtc unter, obgleich der rcformirtc Prediger Becker in Holland, der den Aberglauben bekämpft hatte, in seinem Werke De llewv^äo ^Vaerolll. bis zu seinem Tode 1698 verfolgt wurde. Die Erscheinung eines Kometen aber 1661, und vornehmlich jenes im November 1680, welcher der Erde sehr nahe zukommen scbicn erfüllte die Bewohner unserer Gegend noch mit großer Furcht vor allgemeinem Unglück '). Auch in linsern katholischen Kirchen und Schulen wird dem Wahn und Aberglauben, der die schädlichen Wallfahrten >u Simon's Arm nach Sapn, zu dem Marienbilde nach Hauscnborn, und zu andern Sacellcn umher bis in neuerer Zeit fortgesetzt hat, durch wackere Lehrer immer frcimuthigcr entgegengearbeitet. Insbesondere aber hat die katholische, Gemcindcschule zu Neuwied unter dem würdigen Geistlichen Bausch sehr viel gewonnen.
Einen höchst verderblichen Einfluß aber ließen die Zeiten des dreißigjährigen Krieges, die Französischen Kriege in den letzten Jahrzehnten des siebcnzehntcn und im Ansauge des achtzehnten Jahrhunderts, in der Lebensweise unseres Volks zurück. Dieß beweisen die strengen Borschristen zu den Wicdischcn Kir- cbcnordnungcn 16ä5, 67, 30 bis 1689, 1692 bis 97, in welchen wider die Liederlichkeit in den Dorfschaften überhaupt qeci>'ert wird, und die vielen Verordnungen für einzelne Kirchspiele. 1692 wurden ausschweifende Männer mit willkührlich schweren Strafen, Weiber mit Ausstreichen durch den Scharfrichter, bedroht. 1696 wurde der Branntwcinverkauf, 1697 die Tanzmusik, und 1698 das Kartenspiel an Sonntagen streng verboten.
Zur Verfeinerung des öffentlichen Lebens trug der Französische Wcltgcist unter Ludwig XIV. auch l,ier bei durch Sprache, Moden, Manieren, höfliche Zurückhaltung und Verlarvung innerer Lasterhaftigkeit.
Doch mag diese äußere
Sittenzucht, die in Neuwicd durch die beobachtende und das Ehrgefühl schärfende
Stellung der verschiedenen Gemeinden, unterstützt wurde, nicht wenig zu dem hauslich und bürgerlich guten Vcrbalten mitgewirkt haben, das jetzt im Ganzen, in unserm Bezirk herrscht, und durch welches Neuwied sich vor so manchem 3>rte am Rhein auszeichnet. Wenn man den sittlichen Zustand eines Ortes auch aus den Geburtövcrzeichmssen zu ersehen glaubt: so spricht auch das weite Vcrhältniß der unehelichen Geburten 'u den ehelichen für den unsrigen. Der scharsschendc Fremde vergesse bei dem Mangelhaften in Neuwied nicht das geringe Alter der Stadt, die vielartige Mischung der Einwohner, das Schwierige ihrer Amalgama- tion die Einflüsse von Fabriken in die Lebensweise und Erziehung, die Schicksale während des letzten
Menschcnalters.
Uebcr' alles Stückwerk auch auf diesem Punkte der Erde beruhigt, getröstet, und mit heiteren Hoffnungen mit heißen Wünschen beschließen wir unsere Geschichte, indem wir noch des öffentlichen Guten gedenken, wodurch sich unser Wicdischcs Gemeinwesen verherrlicht.
Die U-'.terstübung der Armen und Versorgung der Hülflosen war bis 1745 in Neuwied durch 5vcr- einiemna "der Almosen von allen Gemeinden in die rcsormirte Armenkasse beachtet worden. Seitdem war dies" Pflicht ihre Notdürftigen zu bedenken, einer jeden Gemeinde anheimgegeben. Die bei dem Jahre 1746 oben angemerkten Entwürfe, in dem Nebengebäude des Schlosses Friedrichsstein eine Arbettsanflalt für Züc. tim.zc eine Spinnerei für arme Kinder, eine Armenpflege, zu errichten, k, mcn nicht zu beständigem Gedeihen; die Versuche dauerten nur bis um 1760. Eben so wenig gelang das Unternehmen eines Frcimau-
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1) Qe5ta ^'°vn-. Wyttenbach's Gcsch. von Trier B. IV. G. 165.
