Vierter MM.

Der Gau-Verband vom alten Algesheim.

Schon bei den alten Deutschen finden wir, wie Julius Cäsar und Cornelius Tacitus berichten, das Land in Gaue (pu§i) eingeteilt; diese Einteilung wurde später im Frankenreich beibehalten. Sowohl bei der Benennung dieser Gaue als auch bei ihren Grenzbestimmungen folgte man gewöhnlich dem Winke der Natur und zeichnete sie durch die bei oder in ihrem Gebiete befindlichen Gebirge, Thäler, Ströme, Wal­dungen oder sonst merkwürdige Verhältnisse aus.')

An der Spitze eines jeden Gaues stand ein Graf, der Gaugraf. Diese Einteilung in Gaue bestand viele Jahr­hunderte lang und wenn sie auch jetzt längst aufgehört hat, so haben sich doch noch manche Namen bis auf den heutigen Tag erhalten, wie Nheingau, Nodgau, Breisgau und ähnliche.

Algesheim wurde nach den drei ältesten Urkunden/) welche wir über dasselbe besitzen, im achten Jahrhundert zum Wormsgau gerechnet, der sich bis Bingen, ja noch über die Nahe hinaus erstreckte. Ursprünglich gehörte die Gegend zum Nahegau, daher kommt es auch, daß Algesheim in manchen gleichzeitigen Urkunden bald als im Wormsgau, bald als im

i) Bär, Diplomatische Nachrichten von der natürlichen Beschaffenheit >nd Kultur des Rheingaues in den mittleren Zeiten. S- 2 ff.

^2) Siehe oben Seite 3.