Am Abend um 9 Uhr wurden die drei Pforten geschloffen und keiner wurde mehr hinaus- und niemand hereingelassen mit Ausnahme der Fremden und derjenigen, welche über Feld waren.Zwischen diesen Thortürmen befanden sich an hervorspringenden Ecken und sonstigen Teilen der Ringmauer noch 6 Türme, von denen der Schloßturm noch teilweise, der Graulturm noch ganz erhalten ist. Letzterer verdankt seine Erhaltung dem Umstand, daß er beim Niederreißen der übrigen Türme als Bezirksgefängnis diente und deshalb nicht veräußert werden konnte.?) Um die ganze Stadt lief längs der Stadtmauer ein tiefer, breiter Graben hin.
Wann die Mauern erbaut wurden, läßt sich nicht bestimmen, die Gerechtigkeit dazu wurde im Jahre 1355 von Kaiser Karl IV. verliehen?) Sicher ist jedoch, daß sie im Jahre 1392 schon gebaut waren, denn in einer Urkunde von diesem Jahre wird bereits der Neupforte gedacht.^)
An die südliche Seite der Stadt schlossen sich unmittelbar die äußeren Umfassungsmauern des Schlosses an, so daß ' dasselbe noch innerhalb des Stadtgebietes lag und von außen keinen Zugang hatte. Man gelangte in dasselbe von der Schloßgaffe aus durch ein Thor der äußern Ringmauer, dann über eine Zugbrücke durch das Schloßthor in den eigentlichen ! Schloßhof. Die äußere Ringmauer ist jetzt noch fast vollständig erhalten. Zwischen äußerer und innerer Ringmauer lag ein breiter Graben. Die innere Ringmauer steht nur noch auf der Ostseite mit Resten kleiner Türmchen.
Das Schloß selbst war ein eiuflügelich^r Bau mit der Hauptfacade nach Norden, der Stadt zu, gerichtet. An der nordwestlichen und nordöstlichen Ecke sprangen Erker heraus,
>) Verordnung im Protokollbuch vom Jahre 1698.
2) Leider hat die Stadt vor wenigen Jahren auch diese- letzte Denk« mal mittelalterlicher Herrlichkeit verkauft. Der Schloßturm gehört zwar noch der Gemeinde, da sie aber alles Gebiet rundherum veräußerte, so besitzt sie nicht einmal mehr einen Fußpfad, um zu ihrem Eigentum zu gelangen.
2) Vergl. oben Seite 7.
V)) Baur, Hess. Urkunden III, n. 1386. Anm. 3. In der Urkunde werdien erwähnt: „Gehuse, Hoff vnd wonunge by der neuwen portin gege deme H2rge zu."
