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während auf der Südseite zwei große Türme emporragten, wovon der eine im Volksmunde den Namen „Hexenturm" führte. Im Schlosse befand sich auch eine dem hl. Boni- fatius geweihte Kapelle, in welcher jährlich am Sonntag nach dem Feste des hl. Bonifatius (5. Juni) der ganze Pfarr- gottesdienst gehalten wurde.
Das Schloß wurde von Erzbischof Thcodorich im Jahr 1444 erbauty und erhielt den Namen „Ardeck." Der Kurfürst wohnte oft daselbst und viele Aktenstücke sind von hier aus datiert. Später diente es als Amthaus und wurde die Wohnung des kurfürstlichen Amtskellers. Die Türme und der größte Teil der inneren Ringmauern wurden 1803 niedergelegt und die Steine derselben zum Chausseebau verwendet. Nicht weit vom Schlosse, auf dem »Kreuzhofe," stand die große Zehntscheuer.
Außer der Pfarrkirche inmitten der Stadt befand sich- noch eine zweite Kirche „an den Mauern" derselben, die St. Johanniskirche. Am Ende der Kloppgasse stand das Hospital zur hl. Barbara mit der St. Nikolauskapelle.»)
Bemerkenswerte Häuser aus alter Zeit hat Algesheim keine aufzuweisen, die Brandfackel der Franzosen scheint damit 1690 gründlich aufgeräumt zu haben.
Das jetzige Pfarrhaus wurde im Jahr 1719 gebaut. Die Inschrift über dem Thorbogen lautet: „Lwtlmrius k°ran- visous Lomes ^ Lokündorn krinoeps DIeotor kosuit, d. h. „Der Kurfürst Graf Lothar Franz von Schönborn hat es erbaut."^) »
Die Pflicht das Pfarrhaus zu bauen und zu unterhalten hatte der Kurfürst als Zehntherr, die Gemeinde war zu nichts verpflichtet. Diese Freiheit wahrte sie auch sorgfältig bei dem Neubau. Am 24. Mai 1718 wurde der Gemeinde bekannt gemacht, daß im folgenden Frühjahr das Pfarrhaus von Grund aus neu gebaut werden solle, und „die alhiesige Gemeinde zu Beyführuug der dazu uöthigen Llatorialion die nöthige ohne-
0 öorarius, Aoxunt. Ilor., lib. V, p. 857.
> 2 ) Pfarrkirche, die St. Johanniskirche und das Hospital siehe ,die besonderen Abschnitte.
j 2 ) Das Chronogramm ergiebt die Jahreszahl 1718.
