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christliche Geist nicht sofort alle Schichten des Volkes durchdrang, so entstanden doch allenthalben christliche Gemeinden und christliche Kirchen.
Ganz besonders ist es der heil. Bischof Martin von Tours, den sich viele Kirchen zu ihrem Patron erwählten. Er lebte kurz vor der Zeit der Völkerwanderungi) und hatte durch seinen Eifer schon damals viele Heiden der Kirche gewonnen. Sein Name war in Gallien hochberühmt und gefeiert, und diese Verehrung ging ebenso auf die Franken, nachdem sie christlich geworden, über. Auch die christliche Gemeinde von Algesheim stellte sich unter seinen Schutz und weihte ihre Kirche seinem Andenken.?)
Wann das geschah, wann sich überhaupt die erste christliche Gemeinde in Algesheim bildete, läßt sich bei dem gänzlichen Mangel ausdrücklicher Nachrichten und thatsächlicher Belege auch nickt einmal annähernd bestimmen. Doch das eine dürfen wir behaupten, daß, da das Christentum schon so frühe in unseren Gegenden angepflanzt wurde, und da von der Zeit an, wo wir bestimmte Nachrichten über die Orte in unserer Gegend besitzen von daselbst übrigem Heidentum fast gar keine Rede mehr ist, sich schon sehr frühe in Algesheim eine christliche Gemeinde gebildet habe, die denn auch ihre eigenen Priester hatte und sich zur Abhaltung des Gottesdienstes ein Gotteshaus erbaute; ja es hindert uns nichts, nach der Zeit, die wir für die Entstehung Algeshcims ange-
>) St. Martin wurde geboren um das Jahr 3t 6 zu Sabaria, einer damals römischen Stadt im heutigen Ungarn. Er wurde von seinem Vater zum Krieger bestimmt. Schon frühe übte er alle christlichen Tugenden und ließ sich, l8 Jahre alt, taufen, nahm dann aber seinen Abschied vom Soldatsnstand. Deshalb der Feigheit bezüchtigt, wurde er zu Worms eingekerkert, aber bald wieder entlassen. Darauf ging er zum Bischof Hilarius von Poitiers, ward 375 Bischof von Tours in Frankreich und starb hochverehrt um das Jahr 400. Cr ist der Patron des Bistums Mainz und eine große Anzahl von Kirchen im Bistum sind seiner Ehre geweiht, in Worms, Mainz, Bingen u. s. w-, in Rhein- Hessen allein jetzt noch 23 und vor der Reformation noch eine weit größere Anzahl. An der Stelle des Kerkers bei der St. Martinskirche in Worms, wo Martinus gefangen saß. wurde später eine Kapelle gebaut, zu welcher viel gewallfahrtet wurde- Vgl. Falk, Heiliges Mainz, S. 185.
?) Archiv für Hessische Geschichte, VIII, 331.
