19

schon in Aspisheim und zwar mit großer Heftigkeit, so daß am 10. April der Binger Stadtrat befahl,daß wegen zu Münster unndt Aspeßheim häuffig crassirendter Con- tagion keiner dasebstige Underthan zur allhiesiger Stattpfortten solle eingelasen werden."')

Trotz dieser Vorsichtsmaßregeln trat die schreckliche Krank­heit schon im April in Bingen auf. Das Sterben war furcht- bar. Nicht lange darnach zeigte sie sich auch in Dromers­heim und Ockenheim, deren Pfarrer von der Seuche hin­gerafft wurden; der Pfarrer von Dromersheim, Johannes Ubach, starb am 22. Juni, der Pfarrer von Ockenheim, Theodor Leuchtemacher, am 12. August.?)

Auch in Algesheim hielt der unheimliche Gast seinen Einzug. Am 21. Juli starb der Pfarrer Johann Wende­lin Reichartz an der Krankheit als Opfer seines Berufes. Sein Nachfolger, I?r. Bernhard Vietoris, schreibt in den Sterberegistern:Am 24. Juli betrat ich diese Stadt, während die Pest in schrecklicher Weise wütete. Gleich am ersten Tage hatte ich 8, am zweiten 9, am dritten 10, am vierten 12, am fünften 13, am sechsten 14, am siebenten wieder 5 zu begraben." Und an einer andern Stelle schreibt er:Wegen der überaus großen Sterblichkeit, und weil ich auch Ockenheim und Dro­mersheim zu versehen hatte, konnte ich die Namen der ein­zelnen Gestorbenen nicht aufzeichnen, durch meinen Vorgänger » wurden ungefähr 100, durch mich aber in Algesheim im * Zeitraum von 4 Monaten ungefähr 400 begraben." Welch eine Sterblichkeit bei einer Einwohnerzahl von noch nicht 1000 Seelen! Gegen Ende des Jahres begann die Krankheit nachzulaffen, aber erst im folgenden hörte sie voll­ständig auf.?)

Doch kaum war dieser Würgengel vorübergegangen, da brach schon wieder neues Unheil über unsere Gegend herein. Kurfürst Ludwig von der Pfalz erlaubte sich die här-

0 Dr. Bruder, die Belehrung des hl. Rochus, S. 18.

r) Aus dem Algesheimer Pfarrarchiv.

b) Während die ganze Umgegend, namentlich auch die beiden Ingel­heim und ebenso die Ortschaften des Rheingaues unter dieser furcht­baren Seuche zu leiden hatten, blieb merkwürdiger Weise Gaulsheim ganz verschont. Vgl. Dr. Bruder, a. a. O., S. 29 ff.

2 *