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6. März 1788 den Pfarrern auferlegt, in ihren Predigten, Christenlehren und Privatgesprächen für das einzuführende Gesangbuch zu wirken, die Kirchcnsänger und Singjungfern zur eifrigen Mitwirkung aufzuinuntern und ihnen, „falls sie noch nicht mit Büchern versehen seien, solche aus der Kirchenkaffe anzuschaffen."l) Doch das gläubige Volk dachte anders; es wollte von der Neuerung nichts wissen, nicht bloß aus Vorliebe für den altehrwürdigen Choral, sondern auch weil es die bisher gebräuchlichen und liebgewonneuen inhaltsvollen deutschen Lieder ganz neuen nichtssagenden Reimereien zum Opfer bringen sollte.?) >
Besonders heftig war der Widerstand in Algesheim.
^ Der Choralgesang mußte unterbleiben, die Bewohner wollten ! aber von dem bloß deutschen Gesang nichts wissen, die Chor- ! sänger und Singjungfern weigerten sich, den neuen Gesang zu unterstützen und legten ihr Amt nieder. Deshalb sang zeitweilig .niemand wie der Schulrektor mit einigen Schulknaben und wenn sich hie und da einige Erwachsene beim Gesang beteiligten, so entstand von seiten der Unbeteiligten ein so lauter Widerspruch, daß der Gottesdienst wiederholt in der beklagenswertesten Weise gestört wurde.?)
>) Brück, a. a. O-, S. 211.
2) Brück, a. a. O-, S. 213.
3) Auch die Bewohner Ockenheims wollten von der Neuerung durchaus nichts wissen. So hatte der damalige Pfarrer Hoch einige Knaben bestimmt, um auf der Orgel den neuen Gesang zu unterhalten. Der Schultheiß Philipp Lamby aber duldete es nicht und wies eines Sonntags die Singknaben von der Orgel, die von ihren Mitschülern mit den Worten begrüßt wurden: „Singt dann doch wieder lutherisch." Der Pfarrer verklagte den Schultheiß, der unter anderem zu seiner Verteidigung vorbrachte, „daß die aus Gemeindemitteln erst reparierte Orgel durch dergleichen Buben einen Nachteil verspüren und verdorben werden könne," und daß sie ebenso im Chore als auf der Orgel singen könnten. Das geschah schon im Jahre 1787.— Am 6. Februar 1780 reichte die Gemeinde Ockenheim an das kurfürstliche Amt eine Beschwerdeschrift ein, weil der dortige Kaplan wiederholt predigte, „daß der große Haufen in der Kicch' verdammt sei, das kleinere Häufchen werde selig." Unter dem großen Haufen verstand er jene, dis keine neuen Gesangbücher sich anschasften. Er ging in seinem Eifer für den neuen Gesang sogar so weit, daß er den Amtskeller Hellmandel von Algesheim beim Vikariat als Gegner des Gesangbuches denuncierte. Dafür erhielt er
