Hon oben gehört, daß vor jeder Pforte ein Heiligenhäuschen ,, gebaut war. Das vor der Heupforte war in seinem Innern mit einer Muttergottesstatue geschmückt, Im Sommer 1788 «bildete sich nun in Algesheim und der Umgegend das Gerücht, tes hätten vor dieser Statue wunderbare Gebetserhörungen »stattgefnnden. Infolge davon kamen an Sonn- und Feier­tagen viele Leute aus der Stadt und der Umgegend zu diesem Muttergottesbilde und sangen und beteten vor demselben. Am letzten Sonntag im September 1788 kam sogar eine Prozession von Hechtsheim bei Mainz, welche 150 Teilnehmer zählte, und eine gleich starke von Ober-Olm. Auch dieNheingauer blieben nicht zurück und eilten herbei unter Gesang und Gebet. Am Michaelistag (29 Scpt.) erschienen die Gonsenheimer in einer starken Prozession, voran die Männer, zwei und zwei, denen die Frauen folgten. An demselben Tage fanden sich auch wieder viele Nheingauer ein. Fast täglich kamen Leute von Mainz, Alzey und anderen Orten hierher; sie beichteten, kommunizierten und besuchten alsdann das Heiligenhäuschen. Selbst Personen von hoher Stellung fanden sich ein, so der Oberkeller Hottinger von Mainz, Hofkammerrat Closmann von Alzey, beide mit ihren blinden Kindern, auch der Alges- heimer Amtskeller Joh. Vapt. Hellmandel betete oft mit seiner ganzen Familie vor diesem Bilde.

Am 21. November 1788 brachten, wie Pfarrer Wank dem erzbischöflichen Vikariat nach Mainz berichtete, die zwei Vorbeter bei dem Heiligenhäuschen eine Frau, namens Maria Eva Hübelin, von Urbar, einem Filialdorfe von Ober-Wesel, gebürtig, zu dem Pfarrer, welche aussagte, daß sie zuweilen ein ganzes halbes Jahr habe reden können, zuweilen aber sei ihr der Atem stehen geblieben, so daß sie in die Luft gehen mußte, um sich zu erholen, wo sie dann eine ganze Viertel­stunde nichts habe reden können, hernach aber sei ihr die

Sprache miedergekommen. Hernach habe sie dritthalb

Jahre kein Wort reden können, sie habe Vertrauen zum hie­sigen Muttcrgottesbilde bekommen und sei am 15. Nov. hierher an das gedachte Heiligenhäuschen gewallt. Nach verrichtetem

0 Das Folgende entnehmen wir teils den Pfarrakten, teils münd­licher Überlieferung. Vgl. auch Falk, Heiliges Mainz, S. 127 ff.