II. Zur Naturgeschichte
i. Einleitung.
Von der Maas im Westen bis Butzbach und Friebberg in der Wetterau im Osten, von der Nahe und dem Main im Süden bis gegen die Noer und bis über die Sieg hinaus im Norden, erhebt sich das rheinische Schiefergebirge, eine sedimentäre Gebirgsbildnng der ältesten Perioden der Erdgeschichte. Aus dem Urmecre gehoben, wie die zahlreichen darin vorkommenden Versteinerungen von Meerthieren beweisen, hat das Gebirge lange Jahrtausende inselförmig emporgeragt, von den ewigen Meeres- fluthcn umbraust. Em fast gleichförmiges, ungetheiltes Plateau darstellend, mögen seine Felder ein ödes, von höheren Thieren leeres, nur von geringer Vegetation belebtes Eiland gebildet haben, worauf auch keine menfchliche Seele sich ihres Daseins erfreute.
Diese ältesten Gebirgsbildungen unterscheidet man, seit nicht dreihig Jahren, mit dem größten Kenner dieser Erdepoche, dem Brittcn Sir Noderik Murchison, als paläozoische (ur- thierliche) Gesteine, da man in ihnen nur Thiere der untersten Bildung, von der Koralle bis kaum zu dem Fische hinauf reichend, erkannt hat. Dieser große Gebirgsforfcher hat die ältesten sedimentären Gebirge auch wieder nach den barin enthaltenen Versteinerungen, in drei Systeme uuterschieden, das cambris che, das silurische und das devonische System. Dem jüngsten Glieds, dem devonischen"), gehört unser rheinisches Schiefergebirge an uud es hat sich ans den darin enthaltenen Thierresten und den Lagerungsuerhältnissen ergeben, daß das cambrische und silurische System die ältesten Glieder der paläozoischen Gesteine
*) Devonisch heißt diese Formation nach der Grafschaft Devon in England, wo man sie zuerst unterschieden hat.
