Greis redete! Darum sei es uns vergönnt, hier eine Episode aus dessen Leben einzuführen, die in jene bedrängnißvolle Zeit fällt und den verehrten Mann in der Kraft seines Wirkungskreises darstellt.
Neben dem nachsichtigen und edeldenkenden französischen Kriegskommissar Dalbon befand sich noch ein anderer französischer Beamter, der Kricgstommissar Lachaussöe, ein junger und heftiger Mann, in Neuwied. Dieser Franzose war nicht zufrieden mit der Nachsicht, welche von anderen Seiten der Stadt zu Theil wurde; er peinigte die Bürger und den Magistrat mit allen möglichen Forderungen. Bei einer Sitzung des Stadtmagistrates befand sich auch der seit mehreren Jahren an einer Gemüthskrank- heit leidende und zu allen Arbeiten unfähige Stadtschultheiß Greis als stummer Zuschauer. „Der Kriegskommissar Lachaussöe trat eben ein und brachte wieder, nach seiner Gewohnheit, ein Heer von neuen Plackereien zur Sprache. Da er von Gegenvorstellungen nichts hören wollte, so schien fast nichts übrig zubleiben, als seinen Forderungen nachzugeben, als plötzlich Greis, aus seiner Lethargie erwachend, von seinem Sitze aufsprang und zur allgemeinen Verwunderung der Anwesenden mit der ihm früher eigen gewesenen Heftigkeit eines leicht aufzureizenden Gemüthes, mit Lachaussee einen heftigen Wortwechsel führte, der damit endete, daß dieser sehr nachgiebig wurde. Auf diefe Weife verdankte der pflichtergriffene Mann feinem Patriotismus, fast wie durch ein Wunder, die Herstellung seiner Gesundheit, welcher er noch eine Reihe von Jahren bei treuer Amtsführung genoß, bis er später an eben der Stelle, in einer Magistratssitzung, seine thätige Laufbahn durch einen Schlagfluß plötzlich endigte."
„Die Fürstin Mutter, Negentin während der Minderjährigkeit des Fürsten, ehrte das Andenken dieses verdienten Beamten des fürstlichen Hauses dadurch, daß sie ihm zur Seite des unvergeßlichen Fürsten Friedrich Alexander eine Grabstätte einräumte, zu welcher die Einwohner der Stadt die irdischen Neste des Verblichenen unter dem Glockengeläute aller Kirchen der verschiedenen Confefsionen mit inniger Rührung begleiteten. Seine Verdienste um die Stadt werden sein Andenken bis auf die späteste Zeit erhalten!"
Auch die aufopfernde Thätigkeit des Banquiers PH. Iac.
